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"Korrektes Verhalten kann viel mehr wert sein als ein Sieg"

'Zecke' Neuendorf über die 'Fair Play-Medaille', die er am Sonntag (08.10.17) als Auszeichnung vom DFB erhielt.

Berlin – 'Fair Play' ist ein Gedanke, der im (Leistungs-)Sport Alltag sein sollte, aber dennoch oft zu kurz kommt. Seit 1997 zeichnet der DFB jährlich Spieler, Mannschaften und Funktionäre für ihr faires Verhalten aus. Dieses Mal waren zwei Herthaner unter den Preisträgern: Am Sonntagabend (08.10.17) in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan erhielt Herthas U17-Trainer Andreas 'Zecke' Neuendorf die Fair-Play-Medaille des DFB in der Kategorie 'Profi', auch sein Spieler Jonas Michelbrink wurde ausgezeichnet. 'Zecke' wurde als Sieger aus rund 800 Kandidaten ausgewählt. "Sein breites soziales Wirken, zum Beispiel beim Thema Inklusion oder sein Engagement für die Jugendmannschaft in der Jugendstrafanstalt, ist immer am Fair Play-Gedanken orientiert", begründete die Jury die Auszeichnung für das blau-weiße Urgestein, der damit Nachfolger vom ehemaligen Herthaner Niko Kovac wird. Wir haben mit dem 42-Jährigen über die Auszeichnung und sein 'Fair Play'-Verständnis gesprochen.

herthabsc.de: Zecke, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Fair Play-Medaille! Was bedeutet dir diese Ehrung?
Zecke: Mich freut diese Ehrung sehr. Aber es ist nicht meine Auszeichnung, sondern eine für den Verein, für die Spieler von Hertha BSC. Die Auszeichnung ist schön, aber ohne unsere Jungs, die sich auf dem Platz so fair verhalten, hätte ich diese Medaille nicht erhalten. Mit vielen kleinen Gesten versuchen wir, für den Fair Play-Gedanken einzustehen – sei es während des Spiels, wenn es um einen Einwurf oder eine Ecke für uns gibt, der oder die vielleicht keine war. Korrektes Verhalten kann manchmal so viel mehr wert sein als ein Sieg. Diesen Gedanken versuchen wir auch immer, unseren Jungs zu vermitteln. Deshalb freut es mich umso mehr, dass auch Jonas Michelbrink, einer unserer Spieler, ausgezeichnet wurde.

herthabsc.de: Du sagst es: dein Spieler Jonas Michelbrink hat die Ehrung für die 'Fair Play-Geste des Jahres 2016' bekommen. Wofür? 
Zecke: Wir haben im Januar 2016 im Halbfinale der Hallenmeisterschaft der C-Junioren gegen Tennis Borussia gespielt, am Ende stand es 4:4. Jonas hat dann im Entscheidungsschießen die Kugel nicht am TeBe-Keeper vorbeigebracht. Zur allgemeinen Überraschung ließ der Unparteiische den Versuch wiederholen, er hat dann absichtlich vorbeigeschossen. Das hat anscheinend nicht nur mich beeindruckt.

GESAGT...

"Fair Play zählt für alle Lebensbereiche."

Andreas 'Zecke' Neuendorf

herthabsc.de: Der Gedanke scheint bei den Spielern also zu fruchten. Welche Rolle spielst du als Trainer, als Vorbildfunktion? 
Zecke: Mir ist bewusst, dass ich als Trainer einen großen Einfluss auf meine Jungs habe. Wenn ich ihnen sage, sie sollen laufen oder jonglieren, machen sie das. Wenn ich ihnen mit auf den Weg gebe, dass sie sich an die Regeln zu halten haben, dann folgen sie auch hier meiner Anweisung. Ich kann nicht Ehrlichkeit von meinen Spielern verlangen, und selbst nicht danach handeln. Am Ende spiegeln die Jungs auf dem Platz den Verein wieder und das, was wir Trainer ihnen mitgeben. Während des Spiels kann man auch die Charakterzüge erkennen und mir ist es wichtig, dass wir dort ein gutes Bild abgeben. Das zahlt auf unsere Werte ein, für die wir als Verein stehen.

herthabsc.de: Als Spieler warst du auf dem Platz immer sehr giftig, nicht umsonst heißt du 'Zecke'. Hast du dich als Trainer verändert?
Zecke: Der eine oder andere mag sich vielleicht gewundert haben, dass ich diese Auszeichnung bekommen habe (lacht). Natürlich wollte ich als Spieler immer gewinnen. Aber nur weil man gewinnen will, heißt das noch nicht, dass man sich nicht fair verhalten kann. Den Grundgedanken des Fair Plays hatte ich schon immer, da habe ich mich gar nicht verändert. Trotzdem ist es von der Außenlinie natürlich anders, als selbst auf dem Platz zu stehen. Ich bekomme viel mit, habe einen Blick auf die Aktionen und kann sie somit besser bewerten.

herthabsc.de: "Fair Play" – was bedeutet das eigentlich für dich?
Zecke: Fair Play zählt für alle Lebensbereiche. Mir ist es wichtig, mit offenen Augen durch das Leben zu laufen. Zu sehen, wenn Menschen Hilfe brauchen und dann im Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen. Manchmal geht das schon, indem man jemanden fragt, wie es ihm geht. Ich mag keine Ungerechtigkeit und keine unfreundlichen Menschen. Ich versuche, zu unterstützen, wo ich kann. Ich versuche, im Rahmen meiner Tätigkeit zu helfen und fair zu sein – auf und neben dem Platz. Wenn ich etwas tue, eine Aktion unterstütze oder Ähnliches, dann aus Überzeugung und nicht, um hinterher irgendwo darüber zu lesen und ein Foto davon zu sehen.

(lb/DFB)

Nachwuchs, 09.10.2017
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