Herthas Fußballarena

1. Warum braucht Hertha BSC ein reines Fußballstadion?

Für ein viel intensiveres Spielerlebnis. Für mehr Zuschauer. Weil wir eine eigene Arena attraktiver vermarkten können. Und wir nicht ewig Mieter in einem Stadion bleiben wollen, das uns einfach zu groß ist. Denn: Hertha BSC hat im Vergleich mit anderen Vereinen die mit Abstand meisten freien Plätze im Stadion – trotz eines hohen Zuschauerschnitts. Und egal, wo wir in der Tabelle stehen. Unsere Stadion-Auslastung liegt bei 64 Prozent. Bundesliga-Durchschnitt: 92 Prozent. Ausnahmslos alle Bundesliga-Konkurrenten bespielen mittlerweile moderne Fußballstadien. Jeder Fan, der auswärts auch nur einmal dabei war, kennt den Unterschied.

2. Was wird in Herthas Fußballarena besser als im Olympiastadion?

Es wird steil, nah und laut. Die Zuschauer sitzen und stehen – ohne Laufbahn dazwischen – viel näher am Spielfeldrand. Durch sehr steile Tribünen sind auch die oberen Ränge ganz nah an der Außenlinie. Das ganze Stadionerlebnis wird eine völlig neue Qualität erreichen. Voller Emotionen. Wir planen zum Beispiel eine imposante Stehplatztribüne. Dazu alle Annehmlichkeiten: W-LAN, Schutz vor Wind und Wetter, kurze Wege und viel Komfort – mit einer ausreichenden Anzahl an Toiletten und Kiosken. Barrierefrei. Zudem wollen wir ein nachhaltiges Stadion bauen. Und vor allem wieder unser eigenes, seit Hertha BSC 1974 das Gelände am Gesundbrunnen verkaufen musste.

3. Hängt die Zukunft von Hertha BSC wirklich von einem neuen Stadion ab?

Ja. Definitiv. Es geht um das wirtschaftliche und damit sportliche Überleben. Wir sind im Olympiastadion nur zweimal im Jahr ausverkauft: Gegen den FC Bayern und gegen Borussia Dortmund. Ansonsten ist das Olympiastadion für den Bundesligaalltag viel zu groß. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, den die Hertha durchbrechen muss: Ohne volles Stadion keine Atmosphäre. Ohne mitreißende Atmosphäre weniger Nachfrage nach Tickets. Dadurch eine geringere Identifikation mit dem Verein in der Stadt. Was sich wiederum auf Sponsoring- und Marketingeinnahmen niederschlägt. Aber ohne zusätzliche Einnahmen steht auch weniger Geld für die Mannschaft zur Verfügung. Das wiederum gefährdet den langfristigen sportlichen Erfolg.

4. Sind Sie sicher, dass in ein neues Stadion tatsächlich mehr Zuschauer kommen?

Ja. Auch ausnahmslos alle Zahlen aus anderen Städten zeigen das. Beispiel München: Auslastung damals im Olympiastadion 72 Prozent, nach Neubau 100 Prozent. Oder Mönchengladbach: Vor Neubau 68 Prozent, nach Neubau 95 Prozent. Oder Hamburg: früher 58 Prozent, jetzt 92 Prozent.

5. Müsste Hertha nicht einfach noch attraktiveren Fußball spielen, damit mehr Zuschauer ins Stadion kommen?

Nein. In der vergangenen Saison, als Hertha BSC um den Einzug in die Champions League kämpfte, kamen genauso viele Fans ins Stadion wie in den Jahren, in denen wir gegen den Abstieg spielten. Unsere vielen treuen Fans bleiben an Herthas Seite. Das ist sehr positiv. Negativ ist aber, dass gelegentliche Stadionbesucher vom Olympiastadion abgeschreckt werden. Denn es ist oft zu leer und zu kalt. Und man sitzt zu weit weg. Deshalb 2025 das neue, kompakte Stadion: 55.000 Plätze. Steil. Nah. Laut.

6. Was soll das neue Stadion kosten?

Für eine seriöse Kostenschätzung ist es noch zu früh. Klar ist jedoch: Wir werden das Stadion – mit Hilfe von Investoren – zu 100 Prozent privat finanzieren. Weil wir die bestehende Infrastruktur des Olympiaparks nutzen können. Auch deshalb ist der Standortvorteil im Olympiapark so groß. In Ludwigsfelde, wo diese Infrastruktur teils geschaffen werden müsste, gibt es allerdings das Angebot, uns finanziell zu unterstützen. Hertha BSC wäre hier sehr willkommen.

7. Kann sich die Hertha ein eigenes Stadion überhaupt leisten?

Es gibt in der Bundesliga viele positive Beispiele für privat realisierte Stadien. Eine solche Finanzierung besteht immer aus mehreren Eigen- und Fremdkapitalbausteinen. Diese Komponenten kennen wir und haben dazu auch bereits erste Gespräche geführt. Finale Aussagen werden wir jedoch erst treffen, wenn jetzt – in der nächsten Phase der Machbarkeitsstudie – die Bau- und Betriebskosten belastbar ermittelt wurden. Diese hängen natürlich auch vom Standort ab.

8. Würde ein Abstieg das Projekt gefährden?

Nein. Erstens: Weil wir natürlich nicht davon ausgehen, dass wir in den kommenden Jahren absteigen. Und zweitens: Selbst wenn das passieren sollte, zeigen die Zahlen der vergangenen beiden Zweitliga-Saisons, dass uns auch in der zweiten Liga mehr als genug Fans im Stadion sehen wollen.

9. Der Olympia Park ist denkmalgeschützt. Kann hier ein Stadionbau stattfinden?

Der Denkmalschutz ist Hertha BSC sehr wichtig, unserer Meinung nach aber keine unüberwindbare Hürde. Der neue Standort im Olympiapark betrifft keine denkmalgeschützten Gebäude. Es werden keine maßgeblichen Denkmal-Elemente des Olympiaparks negativ beeinträchtigt. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass sich das Neubauprojekt in die Freiraumstruktur harmonisch integrieren lässt. Wir respektieren den Denkmalschutz und unser Interesse ist es, ihn so wenig wie möglich anzutasten. Wir hoffen, dass es ähnlich wie beim Umbau des Olympiastadions auch diesmal eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt und den Behörden geben wird.

10. Warum wurde das Architekturbüro Albert Speer und Partner beauftragt?

Hertha BSC hat sich für AS+P entschieden, weil das eines der besten Architektur- und Planungsbüros der Welt ist – und ein sehr erfahrener Partner beim Stadionbau. Zudem hat AS+P das beste Angebot abgegeben und sich gegen andere Konkurrenten durchgesetzt. Im Moment haben wir lediglich eine Standortanalyse im Rahmen einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Alles Weitere wird in den nächsten Schritten entschieden.

11. Würde Hertha BSC unter Umständen nach Brandenburg ziehen?

Unser Wunsch als Hertha BSC ist es eindeutig, in Berlin zu bleiben. Aber in einem eigenen Stadion! Deshalb ist der Olympiapark ganz klar unsere erste Wahl. Doch wenn es unüberwindbare Hindernisse geben sollte, dann brauchen wir eine sehr gute Alternative für unsere neue Spielstätte. Diese haben wir mit Ludwigsfelde gefunden. Der dortige Brandenburg Park ist in 18 Minuten vom Potsdamer Platz aus mit der Bahn zu erreichen.

12. Gibt Hertha BSC mit dem Olympiastadion seine Heimat auf?

Das Olympiastadion wird immer ein wichtiger Teil in unserer Geschichte bleiben. Aber wir sind dort Mieter. Und es hat auf Dauer zu viele Nachteile. Wir wollen und müssen allen kommenden Fangenerationen eine wirkliche Heimat bieten. Hertha BSC spielte früher an der Plumpe und jetzt im Olympiastadion. Traditionen können sich verändern. Aber unsere Hertha bleibt unsere Hertha. Manche Vereine werden angefeindet, weil sie keine gewachsene Fanstruktur haben – und nicht, weil ein neues Stadion gebaut wurde. Wir haben mit die treuesten Fans der Liga. Und denen und allen Freunden der Hertha bauen wir nun eine eigene Heimat.

13. Wie steht es um die Nachnutzung des Olympiastadions?

Es kann nicht die Aufgabe und Verantwortung eines Vereins sein, den Erhalt eines städtischen, denkmalgeschützten Bauwerks finanziell zu garantieren. Bis zu unserem Auszug aus dem Olympiastadion im Jahr 2025 werden wir viele Millionen Euro Miete an die Stadt bezahlt haben. Wir waren und sind seit 1963 treue Mieter. Aber wir wollen nicht auf Dauer die Nachteile eines viel zu großen Olympiastadions tragen, das uns nicht gehört. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, welches bei stark gestiegener Miete feststellen muss, dass es keine zufriedenstellende Stadionauslastung gibt und dass es diese auch nicht geben wird. Deshalb ist es alternativlos für Hertha BSC, 2025 in einem eigenen Stadion zu spielen. Dabei erwarten wir keinerlei Zuwendungen vom Berliner Senat – sondern lediglich die Erlaubnis zum Bau unserer Fußballarena im Olympiapark, um ein noch attraktiverer Erstligaverein in und für Berlin werden zu können.

14. 2004 wurden in das Olympiastadion rund 250 Mio. Euro investiert. Hier fanden WM- und Champions League-Finale statt.

Wir bestreiten nicht, dass sich das Stadion für große nationale und internationale Highlights von FIFA, UEFA und DFB eignet, die für ein einziges Spiel einen extremen Aufwand betreiben können. Hertha BSC hat aber zu 95 Prozent Bundesligaalltag zu bewältigen. Das Stadion musste zur WM übrigens ohnehin umgebaut werden, da es nicht den FIFA-Regularien entsprach.
Und es muss an dieser Stelle klargestellt werden, dass Hertha BSC beim Umbau nur Details mitentscheiden durfte. Zudem ist es auch in jedem Privathaushalt üblich, dass der Vermieter bei einer Renovierung auf die Wünsche des Hauptmieters eingeht. Hertha ist ein Aushängeschild Berlins. Beide Seiten haben bislang profitiert. Wir sind und waren treue Mieter. Bei unserem Auszug 2025 ist der Umbau dann auch schon wieder über 20 Jahre her. Wir können aber nur Botschafter für Berlin sein, wenn wir konkurrenzfähig bleiben. Und wieso sollte eine Weltstadt kein optimales Fußballstadion 'vertragen'?

15. Wäre ein Umbau des Olympiastadions möglich?

Wir denken, unter der Berücksichtigung des Erhalts der Laufbahn und Denkmalschutz-Aspekten, als auch dem Versprechen das Stadion rein privat zu finanzieren – nein. Die Kosten für einen Umbau, der technisch wahrscheinlich gar nicht möglich ist, wären wirtschaftlich völlig untragbar. Durch den Rückbau der Laufbahn müsste der Platz tiefer gelegt werden. Und das Stadion wäre noch größer. Außerdem wären diese Plätze dann der Witterung ausgesetzt. Dafür dann das Dach zu vergrößern, ist so gut wie unmöglich. Außerdem: Das Olympiastadion steht unter Denkmalschutz. Und es gehört uns nicht.

16. Gibt es neben Olympiapark und Ludwigsfelde noch eine dritte Standort-Option in Berlin?

Unter den über 50 geprüften Standorten waren noch zehn weitere Berliner und Brandenburger Standorte in der engeren Auswahl, deren Standortstudie vertieft wurde: Tegel, Buchholz Nord, Tempelhofer Feld, Lichterfelde, Dallgow-Döberitz, Olympisches Dorf, Dreieck Velten/Oranienburg, Blankenfelde-Mahlow, Grenzallee Späthstraße und Clubhaus Seeberg.

17. Herthas neue Fußballarena soll auch als Event-Location genutzt werden. Braucht Berlin so ein Stadion?

Das Olympiastadion ist nur für die ganz großen Künstler wie Coldplay oder U2 nutzbar. Es existiert derzeit keine Event-Location, die in der Kapazität zwischen Wuhlheide, Waldbühne und Olympiastadion liegt. Aus diesem Grund entscheiden sich manche Künstler von vornherein gegen Berlin.

18. Was sind jetzt die nächsten Schritte?

Als nächsten Schritt gehen wir mit unserem Architektur- und Planungsbüro AS+P an eine belastbare Kostenschätzung, die natürlich abhängig vom Standort ist. Über diesen wird Hertha BSC nun mit den zuständigen Behörden und der Politik sprechen

Fußballarena, 16.05.2017
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