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#HerthaMuseum: Pokalfinale im Wohnzimmer

Zum 25. Jahrestag des großen Finalspiels der 'Hertha-Bubis' nehmen wir euch mit in die Historie des Hauptstadtclubs.

Berlin - Samstag, 12. Juni 1993: Es findet das 50. Endspiel um den DFB-Pokal vor über 76.000 Zuschauern im restlos ausverkauften Berliner Olympiastadion statt.

Als erste Amateurmannschaft in der Geschichte dieses Wettbewerbs haben sich die 'Hertha-Bubis', wie die Amateure im Laufe der Saison von der Presse und den blau-weißen Anhängern umgetauft werden, für dieses Finale gegen den haushohen Favoriten und mit zahlreichen Nationalspielern besetzten Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen qualifiziert.

Eine großartige Kulisse, die aufgrund von circa 65.000 Hertha-Fans mit ihren lautstarken Anfeuerungsrufen eine Heimspiel-Atmosphäre schafft, visuell aber nicht von blau-weiß, sondern überwiegend von gelbfarbenen Schirmmützen geprägt ist, die anlässlich der Bewerbung der Stadt Berlin zur Ausrichtung der Olympischen Spiele im Jahre 2000 vor Spielbeginn verteilt werden.

Nachdem die Lizenzspieler-Mannschaft von Hertha BSC den Gewinn des DFB-Pokals in den Endspielen 1976/1977 und 1978/1979 denkbar knapp verpasst hat, wollen die Amateure von Hertha BSC ihre ohnehin schon großartige Leistung krönen und den DFB-Pokal in der Saison nach Begehen des 100-jährigen Vereinsjubiläums erstmalig gewinnen. Zugleich wäre ein Sieg auch die Revanche für das Pokal-Aus der Profis, die sich zuvor im Achtelfinale mit 0:1 durch ein Tor von Andreas Thom bei Bayer 04 Leverkusen geschlagen geben mussten. 

Die Herthaner Amateure machen sich vor diesem Endspiel trotz der Außenseiterrolle berechtigte Hoffnungen auf den Gewinn des DFB-Pokals, denn der übermächtig anmutende Gegner hat zuvor noch nie einen Titel im bundesdeutschen Fußball errungen. Zudem hoffen die Blau-Weißen nach der Beurlaubung des noch im Halbfinale siegreichen Trainers Reinhard Saftig durch den allmächtigen Manager Reiner Calmund auf Dissonanzen bei den Leverkusenern, da nun Dragoslav Stepanović, im Halbfinale pikanterweise noch Trainer der unterlegenen Frankfurter Eintracht, das Traineramt einnimmt. Kurz vor Anpfiff des Endspiels räumt Manager Reiner Calmund unter der Last der vermeintlichen Favoritenrolle ein: "Die Düse geht mir schon 1:1.000, und der Blutdruck ist bestimmt über 200."

Vom Berliner Pokal zum DFB-Pokal

Grund hierfür ist insbesondere auch die Art und Weise, wie sich die 'Hertha-Bubis' diese Final-Teilnahme erarbeitet, erspielt, erkämpft haben: Als etwas überraschender Berliner Pokalsieger nach einem 1:0 gegen die Reinickendorfer Füchse erstmals als Teilnehmer am DFB-Pokal-Wettbewerb qualifiziert, beginnt der Traum der Amateure des Hauptstadtclubs nach einem Freilos in der zweiten Hauptrunde mit einem mühelosen 3:0 (2:0) gegen den badischen Verbandsligisten SGK Heidelberg.

In der dritten Hauptrunde folgt im Stadion an der Osloer Straße das überraschende 4:2 (1:1) gegen den Zweitligisten und späteren Aufsteiger in die 1. Bundesliga, VfB Leipzig, bevor dann im größeren Mommsenstadion der amtierende Pokalsieger und Zweitligist Hannover 96 im Achtelfinale mit 4:3 (0:1) sowie der Bundesligist 1. FC Nürnberg im Viertelfinale mit 2:1 (0:0) in jeweils hochdramatischen Partien besiegt werden.

Zum Halbfinale folgt der Umzug in das weite Rund des Berliner Olympiastadions, bei dem über 56.000 frenetische Zuschauer die Mannschaft zu einem 2:1 (2:1) gegen den Zweitligisten Chemnitzer FC anfeuern und der Traum vom Endspiel endlich Realität ist.

"Nur nach Hause" feiert Premiere

Insbesondere die Leistung im Semifinale, in dessen Halbzeitpause Frank Zander erstmals die bis zum heutigen Tage ultimative Vereinshymne "Nur nach Hause geh'n wir nicht" anstimmt, reißt Fans und Spieler gleichermaßen zu Begeisterungsstürmen hin. Libero Sven Meyer fasst nach dem Spiel kurz und knapp zusammen, was alle Herthanerinnen und Herthaner fühlen: "Einfach ein Traum".

Die Leverkusener haben in diesem Jubiläumsfinale jedoch von Beginn an mehr Spielanteile, die spielerische Überlegenheit des Bundesligisten ist unübersehbar. Die Amateure von Hertha BSC schaffen es zumeist nicht, sich dem permanenten Druck der Leverkusener zu entziehen. Die Sensation bleibt aus, der Favorit hat in einer vorwiegend kämpferisch geführten Partie als bessere Mannschaft und aufgrund der hochkarätigeren Torchancen letztendlich verdient gesiegt. Ulf Kirsten wird mit seinem Kopfballtreffer in der 77. Spielminute der Siegtorschütze. Trotz der knappen 0:1 (0:0)-Niederlage bekommen die Amateure von allen Seiten höchstes Lob zu hören.

Der Sponsor der Werkself schaltet eine ganzseitige Anzeige in einer renommierten Sportzeitung und streut mit den Worten "Sorry Hertha. Nicht jeden Schmerz kann Bayer lindern" zusätzlich Salz in die Wunde der tapferen 'Hertha-Bubis'. Letztendlich bleiben für Hertha BSC aber auch ein Vierteljahrhundert nach diesem DFB-Pokal-Endspiel die Worte "Jetzt weinen wir erst ein bißchen zusammen, und dann wird gefeiert" von Trainer Jochem Ziegert nach dem Abpfiff die einzig richtige Einordnung dieser denkwürdigen Pokal-Geschichte der 'Hertha-Bubis'.

(fs/imago)

Intern, 12.06.2018
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