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Ein Blick ins Archiv: Last-Minute-Meisterschaft

Mit Anekdoten, Geschichten und Kuriositäten aus der blau-weißen Historie fiebern wir dem 25. Juli entgegen.

Berlin - Zwei Gewinne der Deutschen Meisterschaft hat es in Herthas Geschichte bislang gegeben. Über den Gewinn des Titel 1930 ist viel geschrieben worden, über die Wiederholung 1931 deutlich weniger - vielleicht deshalb, weil Herthas Auftritt nicht allzu souverän ausfiel. Im Hertha-Archiv finden sich jedoch einige Schätze dieser zweiten Meisterschaft. So ist eine weiß-blaue Hertha-Fahne erhalten, auf der die Meistermannschaft von 1931 unterschrieben hat (s. Foto). Auch Original-Filmaufnahmen gibt es: Die Filmstudios der ufa hatten Hertha BSC als Ehrenpreis einen Filmzusammenschnitt geschenkt, der ebenfalls im Hertha-Archiv lagert. Und aus den Berichten der Fußball-Woche lässt sich die Stimmung im Stadion rekonstruieren:  
 
Es war der 14. Juni 1931, 16.57 Uhr, als die Mannschaft von Hertha BSC unter Applaus des Publikums zum Endspiel ins Müngersdorfer Stadion einlief, mit Hanne Sobek, Bruno Lehmann, Fredy Stahr und anderen Stars jener Jahre. Gegner war die TSV 1860 München. 'Tute' Lehmann zauberte auf dem Spielfeld ein paar Kunststücke und erntete Sonderapplaus. Im Publikum hatten sich wenige Berliner Fans versammelt, dafür fiel scheinbar eine Gruppe Münchener auf, die in bayrischer Tracht angereist war und eine riesige Kuhglocke mit sich gebracht hatte, welche immer wieder im Stadion erklang. Unter den Anwesenden befanden sich, ähnlich wie heute, auch Prominente: der Kölner Oberbürgermeister war im Stadion, damals kein anderer als Konrad Adenauer, der nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden sollte. Tage zuvor schon hatte Hertha im naheliegenden Lennep Quartier bezogen - traditionellerweise wurde der letzte Teil des Weges zum Endspiel jedoch erst unmittelbar am Tag des Spiels angetreten.
 
Das Spiel selbst war wohl nicht das ansehnlichste der Herthaner, die Mannschaft geriet zweimal in Rückstand, Sobek schoss jeweils den Ausgleich. Kurz vor Spielende verletzte sich Herthas Willi Kirsei, musste vom Platz getragen werden - dank sportärztlicher Behandlung (mehr zur Sportmedizin bei Hertha BSC bald im Hertha-Countdown) konnte er jedoch zurückkehren und schoss wenige Sekunden vor Abpfiff den Siegtreffer zum 3:2.
 
Die Rückkehr nach Berlin war für den nächsten Tag am Bahnhof Friedrichstraße geplant, um 18.15 Uhr sollte der Zug auf dem Bahnsteig eintreffen. Die Fußball-Woche rief die Berliner Bevölkerung auf, sich am Festumzug über das Rosenthaler Tor zum Atlantic zu beteiligen, dessen Festsäle für den Empfang bereitstanden: "Berliner, es ist Eure Pflicht, den Deutschen Fußballmeister würdig zu empfangen! Sechzigtausend Zuschauer in Köln, hunderttausend Berliner am Bahnhof Friedrichstraße! So muß es sein!" Ganz so viele wurden es jedoch nicht, der Empfang viel deutlich kleiner aus als im Jahr zuvor...
 
Wer die Original-Filmaufnahmen des Endspiels von 1931 und andere Schätze zur zweifachen Meisterschaft der Hertha sehen möchte, kann dies in der Ausstellung “Hauptstadtfußball - 125 Jahre Hertha BSC & Lokalrivalen” im Stadtmuseum Berlin ab dem 26. Juli 2017 tun.

(juli/war)

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