Bild: citypress

"Aus dem Olympiastadion wieder eine Festung machen!"

Im Saison-Abschlussinterview spricht Pál Dárdai über die zurückliegende Spielzeit, Druck im Fußball und das U19-Finale. Außerdem wagt er einen Ausblick auf die kommende Saison.

Berlin – Als Spieler war Pál Dárdai für seine beherzte, resolute und ehrliche Spielweise bekannt. Attribute, die ihn Jahre später auch als Trainer auszeichnen: Denn der Ungar ist ein Mann der klaren Worte. Wenn ihm etwas nicht passt, dann sagt er das – gegenüber den Medien, aber auch intern hinter verschlossenen Türen. Im Saisonabschluss-Interview mit herthabsc.de stellt der Fußballlehrer der Berliner das erneut unter Beweis. Der 41-Jährige spricht über die zurückliegende Saison, Druck im Sportgeschäft und das U19-Finale. Zudem wagt er einen Ausblick auf die bevorstehende Spielzeit.

herthabsc.de: Pál, die Spielzeit 2017/18 ist Vergangenheit. Hinter Hertha BSC liegt eine spannende Jubiläumssaison mit Höhen, aber auch Tiefen. Mit ein paar Tagen Abstand: Wie bewertest du das zurückliegende Jahr?
Dárdai: Letztlich war die Saison in Ordnung. Man muss sie nicht schlechtreden, aber auch nicht besser machen als sie war. Uns war vor der Saison klar, dass es nicht einfach wird, weil vieles für uns neu war und wir junge Spieler integrieren wollten.

herthabsc.de: Wenige Spieltage vor Schluss war es noch einmal möglich, in der Tabelle einen Sprung in Richtung der internationalen Plätze zu machen. Wie enttäuscht bist du über die verpasste Chance und das Auftreten deiner Schützlinge in den vergangenen drei Begegnungen?
Dárdai: Das ist eine Erkenntnis der Saison. Wenn wir Druck von unten gespürt haben, hat die Mannschaft immer funktioniert. Wenn wir die Chance hatten, Anschluss nach oben zu schaffen, dann konnten wir damit nicht richtig umgehen. Daran arbeiten wir.

herthabsc.de: Nach 34 Spieltagen seid ihr auswärts das sechstbeste Team der Liga, zu Hause lief es dagegen nicht so rund – im Vorjahr war es genau andersherum. Woran könnte das liegen?
Dárdai: Es ist nicht immer alles erklärbar im Fußball. Für uns heißt das jetzt, dass wir beides optimal zusammenkriegen müssen: Auswärts weiter punkten und zu Hause aus dem Olympiastadion wieder eine Festung machen.

herthabsc.de: Ungeschlagen gegen Bayern München, dafür sieglos gegen Mainz 05 oder den VfL Wolfsburg: Gibt es irgendwelche Begegnungen, an die du besonders gern oder ungern zurückdenkst?
Dárdai: Klar waren gerade die angesprochenen Spiele enttäuschend. Aber was man unseren Jungs nicht absprechen kann, ist, dass sie immer wollen.

Gesagt...

"Für die kommende Saison ist ein Schwerpunkt, dass wir verstärkt an der Grundordnung 3-5-2 arbeiten, um noch flexibler zu werden."

Pál Dárdai

herthabsc.de: In den vergangenen Tagen hast du immer wieder betont, dass ihr es in einer herausfordernden Spielzeit mit Mehrfachbelastung geschafft habt, ein gutes Fundament aufzubauen. Kannst du diese Aussage präzisieren?
Dárdai: Wir sind gut vorbereitet in die Dreifachbelastung gegangen. Vor allem in der Hinrunde haben wir in den vielen englischen Wochen jungen Spielern die Gelegenheit geben können, sie zu integrieren. Das ist sehr gut gelungen. Sowohl was die jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs angeht als auch die Neuzugänge.

herthabsc.de: Arne Maier ist sicher eine der großen Entdeckungen der abgelaufenen Runde. Welche Herthaner haben sich in den vergangenen Monaten ganz besonders in den Vordergrund gespielt?
Dárdai: Uns war von Anfang an klar, dass Arne großes Talent mitbringt. Den Sprung in den Profifußball zu schaffen, ist dann aber nochmal etwas anderes. Darauf sind wir stolz. Genauso wie auf die anderen Eigengewächse, die Erfahrungen sammeln konnten. Noch dazu sind wir sehr zufrieden mit der Integration und Entwicklung der Neuzugänge.

herthabsc.de: Mit Javairo Dilrosun und Lukas Klünter stehen bereits zwei Neuzugänge fest. Auf welche Fähigkeiten der beiden dürfen sich die Fans freuen und wo wünschst du dir noch Veränderungen im Kader?
Dárdai: Javairo ist ein junger Spieler, der neu in die Bundesliga kommt, sich dort erst einmal zurechtfinden muss. Aber er bringt Fähigkeiten mit, die wir so nicht im Kader haben. Vor allem im Eins-gegen-Eins und in der Geschwindigkeit. Lukas hat seine Qualitäten in der Bundesliga bereits gezeigt. Auch er bringt zum Beispiel viel Schnelligkeit mit.

herthabsc.de: Eines der Ziele für die kommende Saison ist eine größere taktische Variabilität. Wie stellst du dir das vor?
Dárdai: Wir haben uns vor jeder Saison verschiedene Schwerpunkte vorgenommen - wie zum Beispiel defensive Stabilität, schiefes Dreieck oder Spieleröffnung in der Viererkette oder Dreierkette. Für die kommende Saison ist ein Schwerpunkt, dass wir verstärkt an der Grundordnung 3-5-2 arbeiten, um noch flexibler zu werden.

herthabsc.de: Marvin Plattenhardt, Mathew Leckie und auch Genki Haraguchi haben gute Chancen auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2018. Hast du mit den Spielern über die WM gesprochen? Und wie wirst du das Turnier in Russland verfolgen?
Dárdai: Ich werde den Jungs noch persönlich meine Wünsche für die WM mitgeben. Ich drücke ihnen natürlich die Daumen und hoffe, dass alle erfolgreich sind und gesund zurückkehren. Die Spiele werde ich dann in Ruhe zu Hause verfolgen.

herthabsc.de: Nach dem Mannschaftsausflug nach Mallorca und dem gemeinsamen Besuch des DFB-Pokalfinals startet die Sommerpause. Welche Pläne hast du bis zum Trainingsauftakt am 28. Juni?
Dárdai: Am Sonntag in einer Woche (27.05.18) werde ich natürlich beim U19-Finale in Oberhausen dabei sein und unsere Jungs unterstützen. Es ist ja nichts Neues, dass dieser Jahrgang ein besonderer für mich ist. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Jungs den ersten U19-Titel für Hertha BSC holen würden. Danach geht's wie immer nach Ungarn zum Entspannen, damit ich voller Elan und mit voller Kraft wieder in die neue Saison starten kann.

(HerthaBSC/City-Press)

Profis, 29.05.2018
Newsletter
Social
Werbung