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Grenzgänger

Nach einem schwierigen Start bei Hertha BSC ist Davie Selke längst unverzichtbare Stammkraft. Pünktlich zum Wiedersehen mit Leipzig hat der Angreifer einen Lauf. Sein Saisonfazit fällt positiv aus.

Berlin - Davie Selke schüttelt mit dem Kopf. "Zu Leipzig", sagt der Angreifer freundlich, aber bestimmt, "möchte ich mich nicht äußern." Der 23-Jährige, der im vergangenen Sommer aus Sachsen an die Spree wechselte, will beim Wiedersehen mit seinem alten Arbeitgeber am Samstag (12.05.18, 15:30 Uhr) Taten sprechen lassen. "Ich bin ein Typ, der die Dinge lieber auf dem Platz klärt und der seine Leistungen für sich sprechen lassen will", stellt der Angreifer klar.

Gelungen ist ihm das bereits im Hinspiel, als er eine Woche vor Weihnachten beim 3:2-Sieg der Blau-Weißen zwei Treffer beisteuerte. Seinen Emotionen ließ der Mittelstürmer an alter Wirkungsstätte freien Lauf: Erst zelebrierte er die Treffer mit seinem unverkennbaren Jubel, dann folgte der Kuss auf die blau-weiße Hertha-Fahne. Auch wenn letztere Geste im Fußballgeschäft mittlerweile geradezu inflationär gebraucht wird, war sie doch ein Indiz: Selke ist längst in der Hauptstadt angekommen. "Mir war es von Anfang an wichtig, das Vertrauen, das Pál Dárdai und Michael Preetz mir geschenkt haben, zurückzuzahlen, indem ich Tore schieße", betont der Herthaner auch Monate später noch.

In die Mannschaft gekämpft

Gerade zu Saisonbeginn konnte Selke auf ebendiese Unterstützung bauen, denn der Start in Berlin war ein holpriger. Eine Mittelfußverletzung warf den Angreifer zurück, er verpasste die ersten zehn Pflichtspiele seines neuen Vereins. "Es war sehr schwierig für mich. Natürlich wäre ich am liebsten sofort durchgestartet", erinnert sich Selke. Ihm ist bewusst, wer maßgeblich dazu beigetragen hat, diese schwierige Phase zu meistern. "Der Trainerstab und die Mannschaft haben mir immer wieder Mut zugesprochen, was für mich als neuen Spieler sehr wichtig war. Mein Dank gilt auch unserem Physioteam, das mich intensiv behandelt hat." Von seiner Verletzung genesen, brauchte Selke nicht lange, um unverzichtbarer Bestandteil von Dárdais Team zu werden. In der Europa League netzte er in seinen drei Auftritten vier Mal. Im deutschen Oberhaus standen nach zehn Hinrundenpartien sieben Torbeteiligungen (vier Tore, drei Vorlagen) zu Buche.

Drei Finger an die Schläfe: Auch auf der internationalen Bühne zeigte Selke seinen kultigen Jubel.

Ruhig geblieben, an die eigenen Stärken geglaubt

Auch als er zwischen dem 20. und 29. Spieltag ohne Torerfolg blieb, fing er nicht an zu zweifeln. "Ich musste zwar lange auf ein Erfolgserlebnis warten, war zu dieser Zeit aber trotzdem mit meinen Leistungen nicht unzufrieden. Ich bin ruhig geblieben, habe an meine Stärken geglaubt und dann fielen die Tore irgendwann wieder von ganz alleine", resümiert der U21-Europameister. "Ich kann das alles auch ganz gut einordnen. Noch vor anderthalb Monaten war ich in einer Phase, in der ich nicht viel getroffen habe. Da meinten alle: 'Was ist los? Warum trifft der nicht?' Jetzt heißt es plötzlich: 'Der trifft alles!' Dabei ist es doch völlig normal, dass man als Stürmer solche und solche Phasen hat."

Ohnehin ist der 1,92-Meter-Hüne ein kämpferischer Profi, der sich über vermeintliche 'Durststrecken' nicht all zu viele Gedanken macht. Über seine Spielweise sagt er: "Ich versuche immer, alles für die Mannschaft herauszuholen und habe die Einstellung, meinem Gegenspieler das Spiel so unangenehm wie möglich zu machen - im Bereich des Fairen. In diesem Grenzbereich will ich jedes Spiel bestreiten und alles raushauen." Aktuell erlebt der Knipser die beste Phase, seitdem er bei Hertha BSC ist. Sechs Torbeteiligungen (fünf Tore, eine Vorlage) verzeichnete Selke in den vergangenen vier Bundesliga-Partien. Nur Salomon Kalou hat bislang noch mehr Liga-Tore (11) erzielt.

Mehr als zehn Saisontore? Eine Marke für sich

Ob es ein Ansporn für Selke sei, am 34. Spieltag in der internen Torschützenliste noch am Ivorer vorbeizuziehen? "In einer Bundesliga-Saison zweistellig zu treffen, ist eine Marke für sich. Salomon und ich können mit unseren Leistungen mehr als zufrieden sein. Dabei ist es völlig irrelevant, wer von uns am Ende der Saison mehr Tore geschossen hat." Das Saisonfazit fällt für Selke so oder so positiv aus - sowohl für ihn persönlich als auch für das ganze Team: "In drei Wettbewerben vertreten zu sein, war eine Herausforderung, die man nicht unterschätzen darf. Es war eine tolle Erfahrung, in der Europa League zu spielen. Dafür, dass das für den Großteil unserer Mannschaft - auch für mich - eine neue Situation war, haben wir das gut gemacht", meint Selke. Und dann sagt er noch etwas, was jeder Herthaner gerne hören wird: "Ich bin sehr glücklich in Berlin. Die Verantwortlichen geben mir Rückendeckung und ich habe viel Spielpraxis - so wie es mir in den Vertragsverhandlungen versprochen wurde. Es war eine tolle erste Saison bei Hertha."

(af/City-Press)

Profis, 11.05.2018
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