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"Berlin spielt richtig guten Fußball"

Mit Leverkusens Innenverteidiger Jonathan Tah sprach herthabsc.de über den Saisonverlauf, den Abstiegskampf und das Auswärtsspiel beim Hauptstadtclub.

Berlin – Für Bayer Leverkusen liegt nur knapp ein Jahr zwischen Champions League-Einzug und Abstiegskampf. Im Vorjahr machten die Rheinländer Rang 3 bereits zwei Partien vor dem Saison-Abschluss perfekt. Mit ähnlichen Erwartungen ging die 'Werkself' auch an die aktuelle Spielzeit. Mit lediglich drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang reist Bayer zum Saison-Finale nach Berlin, kann jedoch nicht mehr auf diesen abrutschen, da sich Hamburg und Wolfsburg die Punkte wegnehmen.

Vor dem Duell des 34. Spieltags im Olmypiastadion sprach Bayers Nationalspieler Jonathan Tah mit herthabsc.de im Gegnerinterview u.a. über die zurückliegende Spielzeit, Abstiegskampf, unfreiwillige Untätigkeit und Erkenntnisse für die neue Saison.

herthabsc.de: Herr Tah, für Bayer Leverkusen lief es in der aktuellen Saison sicherlich anders als erhofft. Worin sehen Sie die Probleme für das Abschneiden?

Jonathan Tah: Das hat verschiedene Gründe. Natürlich hatten wir Verletzungspech, haben entscheidende Elfmeter kurz vor Spielende verschossen, doch unter dem Strich sollte man viel eher festhalten, dass wir als Mannschaft nicht gut funktioniert haben. Wir haben in der Champions League zwar immer wieder unser Potenzial angedeutet, es aber nie konstant abgerufen. Deshalb stehen wir zurzeit völlig zu Recht auf Platz 12.

herthabsc.de: Woran setzen Sie als Mannschaft in der kommenden Saison an, um wieder zu alter Stärke zurückzukehren?
Tah: Der Kampf um den Klassenerhalt hat nicht nur Fans, Verein und Mannschaft näher zusammengebracht, auch wir Spieler können davon profitieren, dass wir als Mannschaft eng zusammengerückt sind. Wir haben uns sowohl gegen Ingolstadt als auch gegen Köln nach Rückstanden noch einmal zurück ins Spiel gekämpft. So konnten wir am Ende unser Minimalziel erreichen. Darauf sollten wir aufbauen. Wenn man den Kampf annimmt, wird sich am Ende immer die Mannschaft durchsetzen, die über mehr fußballerische Substanz verfügt.

herthabsc.de: Sie selbst wurden durch eine Verletzung lange außer Gefecht gesetzt. Wie schwer war es, dem Team auf dem Platz nicht helfen zu können?
Tah: Das war brutal. Man leidet von außen unheimlich mit. Du willst helfen, darfst aber nicht, musst dich gedulden. Das fiel mir alles andere als leicht. Zumal es meine erste langwierige Verletzung war. Aber auch daraus kann man lernen.

herthabsc.de: Die Bundesliga-Saison geht mit einigen Überraschungen zu Ende: Leipzig als Bayern-Jäger, Hoffenheim in der Champions League oder auch Freiburg und Köln im Kampf um Europa. Welche Teams haben Sie besonders überrascht?
Tah: Ich habe schon damit gerechnet, dass Leipzig eine gute Rolle spielen wird. Die waren für mich nie ein klassischer Aufsteiger. Aber dass es gleich die Vizemeisterschaft werden würde, damit habe ich nicht unbedingt gerechnet. Auch Hoffenheim ist krass. Die haben in der letzten Saison immerhin lange gegen den Abstieg gekämpft. Und für Freiburg freut mich das, dass sie die Chance haben, sich für die Europa League zu qualifizieren. Sie haben aus ihren limitierten Voraussetzungen nahezu das Optimale herausgeholt.

Gesagt...

"Wenn man den Kampf annimmt, wird sich am Ende immer die Mannschaft durchsetzen, die über mehr fußballerische Substanz verfügt."

Jonathan Tah

herthabsc.de: Mit Leverkusen sind Sie vor der Relegation sicher. Verfolgen Sie noch die alten Weggefährten beim HSV? Wie sehr fiebern Sie da noch mit?
Tah: Ich bin gebürtiger Hamburger, habe lange für den Club gespielt – natürlich hoffe ich, dass der HSV die Klasse hält. Die Stadt verdient einfach Erstliga-Fußball. Sie werden das packen.

herthabsc.de: Zum Saisonabschluss geht es für Bayer 04 sorgenfrei nach Berlin. Hertha BSC kämpft dagegen noch um den direkten Einzug nach Europa. Wie schätzen Sie das Team von Trainer Pál Dárdai zum Abschluss dieser Saison ein?
Tah: Die Berliner sind zu Hause natürlich eine Macht – auch wenn das letzte Spiel gegen Leipzig verloren gegangen ist. Sie spielen unter Dárdai einen richtig guten Fußball, das wird eine echte Herausforderung für uns, dort etwas zu holen. Auf der anderen Seite haben Tayfun Korkut und Xaver Zembrod einen guten Abschied verdient. Sie haben in den vergangenen Wochen einen sehr guten Job erledigt. Unseren Negativtrend zu stoppen war alles andere als einfach. Und in der Partie gegen Köln haben wir sicherlich das beste Heimspiel in diesem Jahr bestritten. Daran wollen wir am Samstag anknüpfen.

herthabsc.de: Was erwarten Sie von der abschließenden Partie?
Tah: Wir können befreit aufspielen. Ich freue mich richtig auf die Partie. Das Stadion wird gut gefüllt sein, und wir wollen zeigen, dass wir uns in dieser Saison unter Wert verkauft haben und dass wir es besser können.

Profis, 19.05.2017
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