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"Den Abstieg mit aller Macht verhindern"

Wolfsburgs Mario Gomez spricht bei herthabsc.de über Abstiegskampf, seinen Trainer Andries Jonker und das Duell beim Hauptstadtclub am Samstag (22.04.17).

Berlin – Dreimal Deutscher Meister, zweimal DFB-Pokalsieger und einmal Champions League-Gewinner, dazu der Meistertitel in der Türkei, mehrfach Torschützenkönig und eine Auszeichnung als 'Fußballer des Jahres' in Deutschland: Mario Gomez ist ein Trophäensammler. Doch auch mit seinen 31 Jahren gibt es für den 70-fachen Nationalspieler noch Situationen, die neu sind, die ihn auf eine andere Art herausfordern, als der Kampf um Titel. Mit dem VfL Wolfsburg steckt der Angreifer, der zu Saisonbeginn von Besiktas Istanbul nach Niedersachsen wechselte, mitten im Abstiegskampf. Statt um Schalen und Pokale geht es für den Ex-Münchner das erste Mal um das sportliche Überleben in der Bundesliga.

Bei herthabsc.de spricht der Angreifer über den Existenzkampf, Trainer Andries Jonker und das Duell beim Hauptstadtclub am Samstag (22.04.17).    

herthabsc.de: Herr Gomez, Sie haben in Ihrer Karriere viele große Spiele bestritten und große Erfolge gefeiert. Jetzt spielen Sie das erste Mal gegen den Abstieg. Wie erleben Sie diese Extremsituation?
Mario Gomez:
Natürlich spürt man den Druck, aber den hat man auch, wenn man um Titel oder die internationalen Plätze spielt. Vielleicht ist man im Abstiegskampf noch ein wenig angespannter, aber ich habe gerade in unserer Situation auch etwas extrem Positives erlebt, nämlich dass alle in Wolfsburg noch enger zusammengerückt sind und mit aller Macht den Abstieg verhindern wollen. Unsere Fans haben uns nach der Niederlage auf Schalke enorm den Rücken gestärkt und uns in der Woche danach und gegen Ingolstadt richtig klasse unterstützt.

herthabsc.de: Druck gehört zum Fußballgeschäft dazu, dennoch spielt jeder Fußballer zweifelsohne lieber um Titel. Können Sie beschreiben, wie groß die Anspannung ist, wenn man gegen den Abstieg spielt?
Gomez:
Die Anspannung ist wie gesagt schon enorm, gerade auch wenn es, wie in dieser Saison, im unteren Tabellendrittel so eng zugeht und jeder Ausrutscher gefühlt doppelt schwer wiegt. Gewinnen will man als Fußballer immer, aber man macht sich in einer solchen Situation noch selbst etwas mehr Druck, weil man weiß, dass alle Fans und die Mitarbeiter im Verein mitleiden und von einem Abstieg besonders betroffen wären. Daher ist das schon eine vor allem emotional sehr fordernde Situation, der wir uns aber stellen. Und ich bin überzeugt, dass wir sie erfolgreich bewältigen werden.

herthabsc.de: Andries Jonker ist in der laufenden Saison bereits der dritte Trainer beim VfL. Sie kennen sich bereits aus Ihrer gemeinsamen Zeit bei Bayern München. Seit seiner Amtsübernahme treffen Sie beinahe nach Belieben. Warum funktioniert Mario Gomez unter ihm so gut?
Gomez:
Andries Jonker ist zunächst einmal ein ausgewiesener Fachmann mit einem großen taktischen Verständnis und ein ehrlicher und guter Typ. Er fordert in jedem Training von jedem Spieler unheimlich viel, greift immer wieder ein und korrigiert, bis es so funktioniert, wie er sich das vorstellt. Mir kommt natürlich auch entgegen, dass er uns offensiv, mutig, mit Risiko und mit schnellem Umschaltspiel agieren lässt. Dadurch bekomme ich auch wieder die Bälle, die ich als Stürmer brauche. Ob ich dabei erfolgreich bin oder ein anderer die Tore erzielt, ist dabei eher zweitrangig.

Gesagt...

"Wir dürfen Hertha nicht unterschätzen, gerade zu Hause sind sie in dieser Saison extrem stark."

Mario Gomez

herthabsc.de: Am vergangenen Spieltag feierte der VfL Wolfsburg einen eminent wichtigen Sieg gegen Ingolstadt. In der Tabelle liegt Ihre Mannschaft als 13. dennoch nur einen Zähler vor dem Relegationsplatz. Wie kann es den 'Wölfen' gelingen, sich zu retten?
Gomez:
Indem wir weiter an uns glauben, auf unsere Stärken vertrauen und die restlichen fünf Spiele hochkonzentriert angehen und nicht eine Minute nachlassen. Seitdem Andries Jonker unser Trainer ist, ging unsere Formkurve nach oben, wir haben wieder ansehnlichen und vor allem auch erfolgreichen Fußball gespielt. Das Schalke-Spiel war natürlich ein kleiner Rückschlag, aber wir haben gegen Ingolstadt die richtige Reaktion gezeigt und wieder in die Spur gefunden. Es ist immer noch sehr eng, aber wir müssen jetzt diesen Aufwärtstrend konsequent fortsetzen, dann werden wir uns auch retten.

herthabsc.de: Obwohl Wolfsburg mit einer anderen Erwartungshaltung in die Saison gegangen ist – und auch Sie andere Ambitionen hatten – haben Sie betont, dass Sie sich im Verein sehr wohl fühlen. Was wollen Sie mit dem VfL noch erreichen?
Gomez:
Erst einmal ist nur wichtig, dass wir die Klasse halten. Darauf liegt aktuell der Fokus. Was danach kommt, wird man sehen. In den vergangenen Wochen wurden im Verein viele richtige Entscheidungen getroffen, die zeigen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Ich glaube felsenfest, dass mit dem VfL Wolfsburg viel Gutes möglich ist.

herthabsc.de: Nun kommt es für Ihre Mannschaft am Samstag (22.04.17) zum Duell bei Hertha BSC. Der heimstarke Hauptstadtclub spielt um die Europapokal-Qualifikation. Wie kann es Ihrem Team gelingen, die Blau-Weißen zu besiegen?
Gomez:
Wir dürfen Hertha nicht unterschätzen, gerade zu Hause sind sie in dieser Saison extrem stark. Aber wir können mit einem vernünftigen Maß Selbstvertrauen in dieses Spiel gehen und sollten einfach das Potenzial abrufen, das in unserer Mannschaft steckt. Wenn uns das gelingt und wir den Kampf annehmen, werden wir aus Berlin auf jeden Fall etwas mitnehmen.

(fw/City-Press)

Profis, 20.04.2017
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