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"Auf uns warten weitere intensive Wochen"

Im großen Interview spricht Michael Preetz über die bisherigen Partien der Herthaner, Rotation und die Auftritte der Nationalspieler.

Berlin – Die Länderspielpause ist bei Bundesligisten die Zeit, in der sich alle Beteiligten einmal kurz sammeln, durchschnaufen und Kräfte bündeln können. Zumindest im Rahmen der Möglichkeiten, denn natürlich stellen die Spieler den Trainingsbetrieb nicht ein. Inzwischen sind die Nationalspieler zurück in Berlin, um sich auf das Spiel gegen Schalke 04 am Samstag (14.10.17) vorzubereiten. Michael Preetz nutzt die Ligaunterbrechung, um auf die ersten Monate der Saison 2017/18 zurückzuschauen. "Wir haben uns bisher alles in allem ganz ordentlich präsentiert", sagt der Geschäftsführer Sport im Gespräch mit herthabsc.de. Der 50-Jährige spricht über die nationalen und internationalen Auftritte der Berliner, Rotation und die Auftritte der Nationalspieler.    

herthabsc.de: Herr Preetz, sehr intensive Wochen liegen hinter Hertha BSC. In der Bundesliga liegt der Hauptstadtclub nach sieben Spieltagen mit neun Punkten auf Rang 10. Wie zufrieden sind Sie mit dieser Bilanz?
Preetz: Wir haben uns bisher alles in allem ganz ordentlich präsentiert. Zu Hause sind wir bisher ungeschlagen, haben zuletzt den Bayern nach einem Rückstand einen Punkt abgetrotzt. Für uns wird es auch diese Saison wichtig sein, im Olympiastadion so konstant zu punkten wie in den Vorjahren. Auswärts haben wir in Hoffenheim nach einem guten Auftritt einen Zähler geholt. Ärgerlich war die Niederlage in Mainz, weil sie einfach total unnötig war. In Dortmund haben wir nicht schlecht gespielt, aber dort werden noch andere verlieren. Die Mannschaft hat schon einiges richtig gemacht, auch wenn sie sich sicher noch in einigen Bereichen steigern kann. Und die Platzierung ist so früh in der Saison ohnehin noch egal. Wichtig war für uns aber auch, dass wir im DFB-Pokal nach einer souveränen Vorstellung eine Runde weitergekommen sind.

herthabsc.de: In der Gruppenphase der UEFA Europa League, in der die Herthaner erstmals seit 2009 wieder vertreten sind, folgte nach dem Unentschieden gegen Athletic Bilbao eine ärgerliche Pleite bei Östersunds FK. Wie ordnen Sie die beiden Partien ein?
Preetz:
Das Spiel in Östersund hätten wir nicht verlieren müssen, nicht verlieren dürfen. Wir haben es verpasst, unsere Chancen zu nutzen, speziell in der Anfangsphase. Nach dem Elfmetergegentreffer haben wir ein wenig den Rhythmus verloren. Auch wenn die Jungs alles versucht haben, müssen wir uns am Ende an die eigene Nase fassen. Dennoch haben wir noch alle Chancen auf das Weiterkommen. Der Sieg von Luhansk in Bilbao zeigt sicher auch, dass die Gruppe ausgeglichener ist, als viele zunächst erwartet haben. Klar ist, dass die beiden Partien gegen Luhansk für uns sehr wichtig sind.      

herthabsc.de: Stichwort 'Dreifachbelastung': Durch die beiden Pokalwettbewerbe und den Ligaspielbetrieb können die Blau-Weißen in den 18 Wochen bis zur Winterpause bis zu 26 Partien spielen. Wie kann es gelingen, diese Belastung zu meistern?
Preetz:
Wie das geht, hat die Mannschaft vor der Länderspielpause mit sieben Spielen in 21 Tagen gezeigt. In dieser Phase hat Pál Dárdai seine Anfangsformationen immer wieder auf mehreren Positionen verändert. Und trotzdem haben die Automatismen auf dem Platz gegriffen. Alle Spieler haben bewiesen, dass wir uns auf sie verlassen können. Die Voraussetzung für diese Rotation war der Faktor, dass wir im Vergleich zu den Vorjahren unseren Kader quantitativ und qualitativ noch breiter aufgestellt haben. Pál hat es in der Vorbereitung geschafft, auch den Neuzugängen unsere Spielidee zu vermitteln. Außerdem hat sich das Trainer- und Betreuerteam in der Sommerpause gut vorbereitet und sich viele Gedanken gemacht, wie die Spieler die Mehrfachbelastung bewältigen können. Davon haben wir zuletzt profitiert. Dennoch wissen wir, dass wir zunächst den ersten großen Block vor der Winterpause geschafft haben. Auf uns warten noch weitere intensive Wochen bis zum Spiel in Wolfsburg Anfang November. Diese wollen wir am Samstag gegen Schalke 04 mit einem Erfolgserlebnis einläuten.

herthabsc.de: Gegen Bilbao und Hoffenheim haben die Blau-Weißen gepunktet, während es in Östersund und in Mainz zwei Niederlagen gab. Danach gab es die eine oder andere kritische Stimme, die die personellen Wechsel schon wieder kritisierte…
Preetz: … und denen möchte ich entgegnen, dass wir eine gelungene Rotation nicht ausschließlich an Ergebnissen festmachen können. Da steckt viel mehr hinter. Fabian Lustenberger zum Beispiel kam in beiden Partien zum Einsatz und hat fantastisch gespielt. Auch für die Stimmung und den Teamgeist ist die Rotation wichtig. Jeder Spieler bekommt seine Einsatzzeit und spürt so, wie wichtig er für das Mannschaftsgefüge ist. Außerdem wirkt sich der Konkurrenzkampf positiv aus. Vor der Saison hat der Trainer angekündigt zu rotieren. Nun setzt er seine Ankündigung um und wir sind der Meinung, dass das gut funktioniert. Denn die Rotation war sicher nicht der Grund für die beiden Niederlagen. 

Gesagt...

" Wir sind stolz, dass unsere Nationalspieler Hertha BSC international vertreten. Wir hoffen, dass sie verletzungsfrei und selbstbewusster zurückkommen."

Michael Preetz

herthabsc.de: Zuletzt waren 14 Herthaner auf Länderspielreise. Mit welchen Gefühlen haben Sie sich die Partien der Blau-Weißen weltweit angeschaut?
Preetz: In gewisser Weise sind so viele Nominierungen auch immer eine Auszeichnung für den Verein. Es zeigt, dass wir zuletzt doch so manche Dinge richtig gemacht haben. Karim Rekik zum Beispiel ist durch seine starken Leistungen bei uns wieder in den Fokus der Niederländer gerutscht, auch wenn sie die Weltmeisterschaft verpasst haben. Marvin Plattenhardt hat erneut die Chance bekommen, sich beim amtierenden Weltmeister zu präsentieren. Auch dank Mathew Leckie kann Australien die WM noch erreichen. Er ist auch in der nächsten Play-off-Runde einer der großen Hoffnungsträger. Und Valentino Lazaro ist trotz seines jungen Alters ein wichtiger Baustein für das österreichische Team. Wir sind stolz, dass diese und die anderen Jungs Hertha BSC international vertreten, auch wenn darauf gehofft haben, dass noch mehr Spieler wie Peter Pekarik und Ondrej Duda die WM-Qualifikation mit ihrem Land geschafft hätten. Natürlich hoffen wir auch immer, dass sie verletzungsfrei und selbstbewusster zurück nach Berlin kommen.

herthabsc.de: Auch Vedad Ibisevic weilte zuletzt bei der Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina. Nach seinem Platzverweis in Mainz stand der Angreifer, der in dieser Saison noch kein Bundesliga-Tor geschossen hat, etwas als Sündenbock da. Wie bauen Sie Ihren Angreifer auf?
Preetz: Ich habe nicht den Eindruck, dass ich Vedad aufbauen muss. Ich habe aber auch nicht den Eindruck, dass er der Sündenbock war. Er ist unser Kapitän, ein Leistungsträger, der sehr wichtig für uns ist. Wie wichtig, das hat er in den vergangenen Jahren nicht nur wegen seiner Tore gezeigt. Bei ihm wird der Knoten bald wieder platzen, da mache ich mir keine Sorgen. Vedad ist erfahren genug und kann mit solchen für Stürmer bekannten Situationen umgehen. Er weiß noch immer, wo das Tor steht – und ist dabei eben auch abhängig von den Zuspielen seiner Kollegen. Man darf auch nicht vergessen, dass er mit drei Assists unser bester Vorlagengeber ist.

herthabsc.de: Für Neuzugang Mathew Leckie läuft es dagegen mit vier Treffern bisher glänzend in der Hauptstadt. Hätten Sie ihm so einen guten Start zugetraut?
Preetz: Planbar ist so etwas natürlich nicht, aber wir waren uns bei seiner Verpflichtung sicher, dass er uns weiterhelfen kann. Wir haben Mathew geholt, um torgefährlicher zu werden und mehr Spieler in den eigenen Reihen zu haben, die jederzeit treffen können. Dazu zählen auch Valentino Lazaro, der jetzt so richtig ankommt und schon angedeutet hat, was er drauf hat und Davie Selke. Wir hoffen, dass Selke nach seiner Verletzung bald eine weitere Option ist. Aber wir geben ihm alle Zeit und haben Geduld mit ihm. Geduld, die sich übrigens bei Ondrej Duda gerade auszahlt.

herthabsc.de: Weg vom Sportlichen: Am 25. Juli hat Hertha BSC 125. Geburtstag gefeiert. Zu den Feierlichkeiten gehörten neben einem Festakt im Roten Rathaus auch die Ausstellungseröffnung 'Hauptstadtfußball' im Ephraim-Palais. Wie blicken Sie mit etwas Abstand auf die Jubiläumswoche zurück?
Preetz: Für uns als Verein war es eine sehr, sehr schöne Woche, in der unsere Erwartungen vollends erfüllt wurden. Ich bin der Meinung, dass es uns gelungen ist, 125 Jahre Vereinsgeschichte sehr eindrucksvoll, sehr emotional, aber auch sehr transparent und selbstkritisch abzubilden. Ich erinnere mich immer wieder gerne an das Jubiläum zurück. Am 3. Oktober habe ich mir mal wieder Zeit genommen, die Ausstellung im Ephraim-Palais zu besuchen. Ich finde es immer noch faszinierend, die Devotionalien aus der so vielfältigen Geschichte der Herthaner zu begutachten.

(fw/City-Press)

Profis, 11.10.2017
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