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Wunden lecken und wieder aufrichten

Unnötig und extrem schmerzhaft: Die Herthaner verlieren ein Spiel gegen Eintracht Frankfurt, was sie nicht hätten verlieren dürfen.

Berlin – Es gibt Fußballspiele, die darf man nicht verlieren – weil sie eine gewisse Brisanz haben, richtungsweisend sind oder nach einem relativ einseitigen Spielverlauf nur einen Sieger verdient gehabt hätten. Ein Mix aus diesen Komponenten war die Partie zwischen Hertha BSC und Eintracht Frankfurt am Sonntagabend (03.12.17). Der Hauptstadtclub wäre mit einem Sieg, vorbei an den Gästen aus Hessen, in die obere Tabellenhälfte gesprungen, war das agilere Team und in allen Statistiken vorne. Außer in einer, im Fußball nun mal der wichtigsten: den Toren. "Es ist für mich ein Rätsel, wie wir das Spiel verlieren konnten. Diese Niederlage ist extrem bitter und tut sehr, sehr weh", brachte es Davie Selke nach dem 1:2 auf den Punkt.

Gesagt...

"Warum haben wir nach guten 20 Minuten aufgehört zu spielen?"

Pál Dárdai

Bitter vor allem, da die Berliner furios in die Partie gestartet waren und die Frankfurter, vor dem 14. Spieltag die zweitbeste Abwehr und das zweitbeste Auswärtsteam der Liga, unter Dauerdruck setzten. Angreifer Selke belohnte die Bemühungen der Herthaner und markierte nach schöner Vorarbeit von Mathew Leckie das hochverdiente 1:0 (15.). Schon vorher hatten Selke (9.) und Kapitän Vedad Ibisevic (1.) die Führung auf dem Fuß. "Wir haben unser Kurzpassspiel die ersten 20 Minuten gut durchgezogen und hätten in dieser Phase auch auf 2:0 erhöhen können", sagte Pál Dárdai. Stattdessen musste der Coach mit ansehen, wie Frankfurt quasi aus dem Nichts durch Marius Wolf nach einer Ecke den Ausgleich erzielte. "Das 1:1 fällt nach einem Geschenk von uns", ärgerte sich der Trainer. "Frankfurt wusste in der Anfangsphase gar nicht, wo vorne und hinten ist", so Torschütze Selke.

Ein Bruch im Spiel

Im zweiten Abschnitt entwickelte sich eine eher ausgeglichene Partie, die Dárdai als "körperbetonte Halbzeit mit etwas mehr Möglichkeiten" für seine Elf beschrieb. Doch es war nicht der Hauptstadtclub, der eine Offensivaktion krönte, sondern die Gastmannschaft. Ausgerechnet Rückkehrer Kevin-Prince Boateng, der gebürtige Berliner und langjährige Herthaner, schoss für die Hessen das 2:1 (79.). "Ich habe aus Respekt vor Hertha und den Fans nicht über mein Tor gejubelt", so der Matchwinner. Doch die Berliner haderten nicht mit dem Schicksal, sie zeigten sich nach der dritten Heimniederlage der laufenden Saison vor allem selbstkritisch. "Beim 1:2 haben wir uns naiv angestellt. Aber die Frage muss lauten: Warum haben wir nach guten 20 Minuten aufgehört zu spielen?", ärgerte sich Dárdai und kündigte eine klare Aufarbeitung der Begegnung an.

So richtig viel Zeit bleiben dem Trainerteam und den Spielern, die das erste Mal in dieser Saison nach eigener Führung noch verloren, dafür mal wieder nicht. Bereits am Donnerstag (07.12.17) geht es in der UEFA Europa League gegen Östersunds FK um einen versöhnlichen Abschied aus dem internationalen Wettbewerb. Nur drei Tage später tritt Hertha beim FC Augsburg an, ehe das Fußballjahr gegen Hannover 96 (13.12.17) und bei RasenBallsport Leipzig (17.12.17) abschließt. Die Zielsetzung für die noch ausstehenden Partien hat Davie Selke, als sich der Frust bereits in Trotz zu wandeln begann, schon Minuten nach dem Schlusspfiff vorgegeben. "Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen. Also wollen wir auch in der restlichen Hinrunde jedes Spiel gewinnen", so der Angreifer, bevor er das Stadion verließ.

(fw/City-Press)

Profis, 04.12.2017
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