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Auswärtsgeschenke

Trotz besserer zweiter Halbzeit gab es in Köln nichts zu holen. Der Nachbericht.

Berlin - Effizienz ist im Fußball ein häufig verwendeter Begriff. Einen Lauf zu haben, schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe. Die Fußballfloskel, die es auf den Punkt nach Herthas Gastspiel am Samstagnachmittag (18.03.17) bringt, ist: Wer die Tore macht, gewinnt das Spiel. In vielen Spielen probieren es beide Mannschaften aus allen Lagen, um das Runde ins Eckige zu bekommen - das gelang Yuya Osako bereits nach sechs Minuten. Und das in einer Art und Weise, die man in der Bundesliga nicht jeden Tag sieht: Von außerhalb des Strafraums nahm der Japaner Maß und wuchtete das Spielgerät an dem sich lang und länger machenden Rune Almenning Jarstein vorbei in den rechten Torknick. Ein Treffer, der den Rheinländern nach zuletzt fünf Niederlagen deutlich Auftrieb verlieh.

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Rubrik 18.03.2017
1. FC Köln - Hertha BSC

Doch die Herthaner ließen sich direkt im Anschluss die Butter noch nicht vom Brot nehmen - ein Blick in die Statistiken zeigt ein weitestgehend ausgeglichenes Spiel. Doch der Unterschied an diesem Nachmittag - vor allem im ersten Durchgang - zeigte sich zwischen der 31. und 37. Minute. Nach einer guten halben Stunde zirkelte Marvin Plattenhardt eine Flanke auf den Kopf von Vedad Ibisevic, der das Leder allerdings nicht am hervorragend reagierenden Timo Horn zwischen den Pfosten des FC-Tores vorbei bekam. Nur gut fünf Minuten später schlug der Mann mit dem Lauf beim 1. FC Köln zu: Anthony Modeste - vor dem Spieltag bereits mit 19 Treffern Kölns bester und hinter Pierre-Emerick Aubameyang und Robert Lewandowski lauernd der dritbeste Torjäger der Bundesliga - kam an der Strafraumgrenze an den Ball und brachte ihn direkt flach im rechten Eck unter. Dieser Nackenschlag saß, und das nutzten die Gastgeber direkt aus. Mit einem Steilpass war erneut Modeste frei durch und ließ sich die Chance vor Jarstein nicht nehmen.

Gesagt...

"Wir wollten die erste Halbzeit vergessen machen."

Maximilian Mittelstädt zur Steigerung nach dem Seitenwechsel

Der Chance vor dem zweiten Kölner Tor trauerte auch Trainer Pál Dárdai nach. "Vedad hatte einen schönen Kopfball - da hätten wir den Ausgleich machen können. Vielleicht wäre das Spiel dann etwas anders gelaufen".  Den Konjunktiv ließ der Ungar allerdings nicht gelten. "So gehst du mit einem 0:3 in die Pause. Es ist nicht leicht, die Mannschaft bei so einem Ergebnis wieder aufzubauen, doch wir haben einiges umgestellt und eine gute zweite Hälfte gespielt." Die Marschroute war klar. "Wir wollten die erste Halbzeit vergessen machen", erklärte Maximilian Mittelstädt, der sich seinen 20. Geburtstag beileibe anders vorgestellt hätte. "Wir hatten heute einfach nicht dieses Quäntchen Glück und haben bei den Gegentoren nicht gut aufgepasst. Wenn wir unsere Chancen vorne besser nutzen, dann wäre es anders ausgegangen." Und fünf Minuten nach Wiederanpfiff sah das gut aus. Niklas Stark war im Strafraum gefoult worden, den fälligen Strafstoß nutzte Ibisevic zum Verkürzen.

Die Blau-Weißen witterten Morgenluft, waren besser im Spiel, doch erneut war es Modeste, der nach einem Konter den alten Abstand wiederherstellte (63.). Sieben Minuten später kamen die Herthaner nocheinmal zurück. John Anthony Brooks köpfte das 2:4. "Für neutrale Zuschauer, war es bestimmt ein tolles Spiel. Wenn man in die Statistiken schaut, war es vielleicht ein Spiel auf Augenhöhe, aber das zählt nicht: Köln hat vier Tore gemacht." Und den Berlinern gelang eben auch kein drittes, weil Horn ein zweites Mal herausragend gegen Ibisevic klärte. Vielleicht wäre dann der Konjunktiv nochmal ins Spiel gekommen. Einen kleinen Glückwunsch bekam die Mannschaft für die Mentalität, die zweite Halbzeit mit 2:1 gewonnen zu haben - es war aber nur ein kleiner. "Wir müssen aber schnell etwas ändern. Wir haben schon viel probiert, aber es kann nicht sein, dass wir in jedem Auswärtsspiel eine Halbzeit herschenken." Nun steht erst einmal die Länderspielpause an, der Blick geht noch vorne: Dann dürfen die Herthaner am Freitag (31.03.17) wieder daheim gegen die TSG Hoffenheim  ran.

(war/City-Press)

Profis, 19.03.2017
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