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Auf den Punkt gelegt!

Hertha BSC. Fußball. Ansichten - diesmal zum Ende des Trainingslagers mit Cheftrainer Pál Dárdai.

Belek - In der Rubrik 'Auf den Punkt gelegt!' spricht herthabsc.de regelmäßig mit Club-Verantwortlichen über unseren Verein, den nationalen und internationalen Fußball oder Dinge, die uns abseits des Rasens beschäftigen. Diesmal redet Cheftrainer Pál Dárdai über den Aufenthalt in Belek. 



herthabsc.de: Acht Tage Trainingslager sind vorbei. Zeit für dein Fazit. Mit welchem Gefühl kehrst du nach Berlin zurück?
Pál Dárdai: Ich bin absolut zufrieden. Ich glaube, dass wir es in dieser Woche geschafft haben, eine noch bessere Atmosphäre innerhalb der Mannschaft, innerhalb des ganzen Betreuer- und Funktionsteams aufzubauen. Aber die Jungs haben mir auch auf dem Platz gut gefallen. Ihre Fitness ist gut und in den Trainingsspielen haben sie die Ruhe behalten, gut kombiniert und an unserer Spielidee festgehalten. Wenn ich das mit meiner Anfangszeit als Cheftrainer vergleiche, ist das ein riesengroßer Schritt. Gut ist auch, dass wir keine größeren Verletzungen zu beklagen haben. 



herthabsc.de: In der Türkei hat die Mannschaft zwei der vier Testspiele gewonnen, einmal unentschieden gespielt und einmal verloren. Wie bewertest du die Partien?

Dárdai: Klammert man das Spiel gegen den VfL Bochum - vor allem die zweite Halbzeit - ein wenig aus, haben wir uns auch in den Testspielen sehr ordentlich präsentiert. Gegen Hannover und Vaduz waren wir über 90 Minuten klar besser, haben nur zu wenig Tore  geschossen. Gegen Gladbach haben wir ein 0:2 aufgeholt und Moral bewiesen, obwohl wir im Umschaltspiel den einen oder anderen Fehler gemacht haben. Allerdings darf man nicht vergessen: Wir stecken in der Vorbereitung und die Jungs haben viel trainiert.

Gute Stimmung: Trotz den Belastungen in der Vorbereitung kam der Spaß nicht zu kurz.

herthabsc.de: Auf welche Schwerpunkte hast du bei der täglichen Arbeit mit der Mannschaft Wert gelegt?
Dárdai: Wir haben im Training an unserer Spielweise im vorderen Drittel gearbeitet. Das hat gut geklappt. Wir haben mehr Lösungen gefunden, hatten schöne Kombinationen dabei, um zum Torabschluss zu kommen. Bei den ersten beiden Testspielen haben wir höher gepresst, als wir es in der Liga getan haben. Wir haben zwar auch schon im Dezember immer mal wieder zehn oder 15 Minuten früh gestört, aber gegen Hannover und Gladbach haben wir das 45 Minuten gemacht.  Das hat gut geklappt, weil wir zur Halbzeit immer komplett gewechselt haben. Über 90 Minuten ist so ein hohes Pressing kaum durchzuhalten.


herthabsc.de: Ob von den Spieler, vom Trainer- und Funktionsteam oder von den Verantwortlichen: Alle loben die Harmonie und den Zusammenhalt bei Hertha. Welche Gründe stecken dahinter?
Dárdai: Wir haben einen guten Teamgeist, das stimmt - und das spüre nicht nur ich. Im Team herrsch großer Respekt voreinander. Ich freue mich, wenn ich sehe, dass die Spieler, die zuletzt nicht immer gespielt haben, sich nicht hängen lassen. Sie geben in jeder Minute Gas, auch wenn sie natürlich nicht ganz zufrieden sind mit ihrer Rolle. Es gab im Trainingslager keinen Moment, an der ich an der Mentalität der Jungs gezweifelt habe. Aber dass die Einstellung der Mannschaft stimmt, wusste ich auch schon nach der Sommer-Vorbereitung. Wir haben gute, ehrgeizige Spieler. 


herthabsc.de: Trotz der Konkurrenzsituation im Kader, der nötigen Ernsthaftigkeit und dem natürlichen Druck im Fußball-Geschäft ist bei euch immer eine Portion Spaß mit dabei. Wie gelingt dir dieser Spagat?
Dárdai: Ich sage: Bei uns spielen vielleicht nicht immer die besten Spieler, aber immer die beste Mannschaft. Die Mischung ist einfach wichtig. Wir brauchen den Respekt, den Ehrgeiz und kleine Ziele, an denen wir uns orientieren können. Aber dazu gehört auch immer ein bisschen Lockerheit, um nicht zu verkrampfen. Ich habe es als Spieler immer gemocht, wenn wir diesen Mix im Training hatten. Deswegen gibt es immer immer kleine Wettkämpfe im Training, bei denen viel gelacht wird, aber auch keiner freiwillig verliert. Dann müssen die Jungs Liegestützen machen.

Da geht's lang: Pál Dárdai zeigt seinen Spieler den Weg.

herthabsc.de: Erfreulich ist auch, dass in Belek viele zuletzt verletzte Spieler den Anschluss an die Mannschaft gefunden haben. Im Kader stehen 31 Mann. Chance oder Risiko?
Dárdai: Zunächst einmal freuen wir uns, dass die Jungs wieder dabei sind. Natürlich wollen alle spielen. Aber wir haben eine eingespielte Mannschaft, die zuletzt wirklich stark war und dadurch einen kleinen Bonus hat. Ich glaube, dass wissen die Jungs, die jetzt hinter der Startelf stehen, auch. Aber es gibt einige Jungs wie Alexander Baumjohann, Tolga Cigerci, Peter Pekarik oder auch Roy Beerens und Änis Ben-Hatira, die nah dran sind. Auch die jungen Spieler machen Dampf. Hinzu kommt bald hoffentlich Julian Schieber, den wir weiter behutsam aufbauen. Für mich wird es auf jeden Fall sehr schwierig, nächste Woche den 18-Mann-Kader bekannt zu geben.

herthabsc.de: Trainiert ihr auch in den kommenden Wochen mit dem gesamten Kader?

Dárdai: Erst einmal werden auch in Berlin alle Jungs oben dabei bleiben. Das haben sie sich verdient und das ist auch eine Frage des Respekts. Wir haben ein Trainerteam, das in der Lage ist, die Mannschaft in zwei Gruppen zu trainieren. Das hat auch in Belek gut funktioniert. Aber wenn etwas nicht stimmt und die Dynamik oder die Qualität im Training leidet, machen wir einen Schnitt.



herthabsc.de: Im Trainingslager mit dabei war ein Neuzugang. Welchen Eindruck hat Sinan Kurt bei dir hinterlassen?

Dárdai: Sinan ist hier gut angekommen. Ich bin sehr zufrieden mit seinen Trainingsleistungen. Er zeigt eine gute Handlungsschnelligkeit und hat einen feinen linken Fuß. Er soll ohne großen Druck aufspielen, ich nehme mir die Zeit, ihn besser kennenzulernen. Sinan bekommt bei uns Männertraining, spielen wird er anfangs aber in der U23. Er hat alle Chancen oben zu spielen.
Wenn er sich Tag zu Tag steigert, werde ich ihn sicher nicht übergehen. Wir haben uns in aller Ruhe unterhalten vor dem Wechsel und haben klare Absprachen.

herthabsc.de: Mit Marius Gersbeck hat ein Torwart den Hauptstadtclub auf Leihbasis verlassen. Sascha Burchert fällt mit einer Oberschenkelverletzung aus, Rune Jarstein fehlte am Samstag krankheitsbedingt und Thomas Kraft war lange verletzt. Siehst du auf dieser Position ein Problem? 

Dárdai: Nein, zur Not gehe ich eben ins Tor (lacht). Spaß beiseite: Wir hoffen, dass Rune Jarstein nächste Woche wieder trainieren kann. Thomas Kraft hat 90 Minuten gegen Luzern gespielt und ein richtig gutes Spiel gemacht. Wie schwer die Verletzung von Sascha Burchert ist, müssen wir erst noch sehen. Aber Nils Körber ist auch noch da. Wir haben ihn nicht hektisch hin und her reisen lassen, weil er aktuell Klausuren für sein Abitur schreibt.

Eine Einheit: Pál Dárdai und seine Co-Trainer Rainer Widmayer und Admir Hamzagic.

herthabsc.de: Als Tabellendritter ist Hertha die Überraschung der Hinrunde. Viele Experten sehen die Gefahr, dass euch die gestiegene Erwartungshaltung hemmt und ihr Angst bekommt, etwas zu verspielen. Wie stehst du zu dieser Meinung? 

Dárdai: Die aktuelle Situation ist für uns eine Chance, keine Gefahr. Aber es ist egal, wie viel wir darüber reden. Wichtig ist, dass wir gut in die Rückrunde starten. Wenn uns das gelungen ist, können wir über andere Dinge nachdenken und reden. Wenn nicht, dann nicht. Aber warum sollten wir uns jetzt unnötigen Druck machen? Warten wir doch erst einmal die ersten fünf, sechs Spiele ab. Bis Saisonende müssen wir unser Spiel mit kurzen Pässen bestätigen. Dann haben wir - unabhängig davon, wie viele Punkte wir holen - eine Basis für den nächsten Schritt, der irgendwann kommen kann.

herthabsc.de: Abschließende Frage: Mit welchen Wünschen und Träumen gehst du in die zweite Saisonhälfte?
Dárdai: Ich bin nach wie noch ein Sportler, der immer mehr will, immer weiter will. Aber trotzdem habe ich mir persönlich für die Rückrunde keine feste Punktzahl als Ziel gesetzt. Noch einmal: Für uns ist es wichtig, mit einem Sieg gegen Augsburg zu starten. Dann fährst du mit einem guten Gefühl nach Bremen. Wir können alle die Tabelle lesen. Wir müssen nur ein paarmal verlieren, die Vereine hinter uns nur ein paarmal gewinnen und schon rutschen wir ab. Deshalb wünsche ich mir, dass wir in jedem Spiel alles geben, schönen Fußball spielen und unsere Fans so mitreißen wie in der Hinrunde.

(fw/City-Press)

Teams, 17.01.2016
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