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Auf den Punkt gelegt!

Hertha BSC. Fußball. Ansichten - heute mit Michael Preetz, Geschäftsführer Sport.

Berlin - In der Rubrik 'Auf den Punkt gelegt!' spricht herthabsc.de regelmäßig mit Club-Verantwortlichen über unseren Verein, den nationalen und internationalen Fußball oder Dinge, die uns abseits des Rasens beschäftigen. Das Interview mit Michael Preetz führte Hertha-Redakteur Florian Waldkötter.

herthabsc.de: Herr Preetz, rund um die Feiertage ruht der Ball in der Bundesliga. Nach der ersten Saisonhälfte ist es an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wie bewerten Sie das Jahr 2015?
Michael Preetz: Wir blicken zurück auf ein sehr erfolgreiches Jahr. Wir haben 2015 insgesamt 49 Punkte geholt, das sind die sechstmeisten Punkte aller Bundesligisten. Klar ist aber auch, dass es Höhen und Tiefen gab. Die Rückrunde der abgelaufenen Saison war sehr schwierig für uns, wir mussten bis zum letzten Spieltag um den Klassenverbleib zittern. Im Sommer haben wir versucht, die Weichen für die neue Saison zu stellen, die erfolgreicher verlaufen sollte. Sechs Monate später können wir sagen, dass uns das bislang sehr gut gelungen ist.

herthabsc.de: Wie erklären Sie sich die beiden verschiedenen Gesichter?
Preetz: Es war wichtig, dass wir die Spielzeit 14/15 direkt nach Saisonende aufgearbeitet haben. Wir haben aus unserer Analyse wichtige Erkenntnisse gezogen. So konnten wir die nötigen Veränderungen im Kader vornehmen. Mit den Spielern haben wir Feedback-Gespräche geführt. Jeder wusste deshalb im Vorfeld, wo er steht, was auf ihn zukommt und was wir von ihm erwarten. Hinzu kommen unsere Neuzugänge. Mitchell Weiser, Vedad Ibisevic und Vladimir Darida sind absolute Leistungsträger geworden. Niklas Stark hat vor seiner Verletzung angedeutet, dass er das Zeug dazu hat. Außerdem sind Spieler wie Tolga Cigerci und Alexander Baumjohann nach ihren langen Verletzungen zurückgekommen.

Gesagt...

"Pál ist ein Freund und Förderer der Spieler, aber er fordert im Gegenzug auch Bereitschaft und Lernwilligkeit ein. "

Michael Preetz

herthabsc.de: Trotzdem hat es sich kein Herthaner erträumt, nach 17 Spieltagen in der Liga mit 32 Punkte auf Platz drei und das erste Mal seit 2012 wieder im Viertelfinale des DFB-Pokals zu stehen. Warum lief diese Hinrunde so ausgesprochen gut?
Preetz: Durch den guten Saisonstart mit Siegen in Bielefeld und Augsburg ist das Selbstvertrauen gewachsen. Die Mannschaft hat sich schnell auf den veränderten Spielstil mit offensiverem Fußball und mehr Ballbesitz eingestellt. Mit jedem Erfolgserlebnis ist das Selbstverständnis noch größer geworden. Nach Rückschlägen waren die Spieler so gefestigt, um die passende Antwort zu geben. Speziell in den zurückliegenden Spielen nach der Niederlage bei Bayern München hat die Mannschaft mit großer Sicherheit und großer Gier gespielt. Sie hat ihre Entwicklung in dieser Phase noch einmal beschleunigt. Es war eine fantastische Hinrunde und ich freue mich sehr über die Fortschritte.

herthabsc.de: Welchen Anteil hat Trainer Pál Dárdai an dieser Entwicklung?
Preetz: Natürlich spielt er eine zentrale Rolle, das ist ganz klar. Er arbeitet täglich mit den Spielern, spricht mit ihnen und weist ihnen den Weg. Aber er scheut sich nicht, unbequeme und harte Entscheidungen zu treffen. Pál hat in der Vorbereitung großen Wert auf Fitness gelegt. Davon hat die Mannschaft die gesamte Hinrunde profitiert. Er ist authentisch, ehrlich und klar in seiner Ansprache – das sind seine großen Stärken. Er ist ein Freund und Förderer der Spieler, aber er fordert im Gegenzug auch Bereitschaft und Lernwilligkeit ein. Die Spieler mögen diese Art, sie folgen ihm.

herthabsc.de: Nach dieser starken Hinrunden träumt so mancher Fan schon vom Europapokal. Was ändert sich an der Zielsetzung?
Preetz: Natürlich fühlen wir uns wohl in der Position, in der wir gerade sind. Dort stehen wir aktuell auch nicht umsonst. Wir haben uns jeden der 32 Punkte erspielt und erkämpft. Es ist eine Momentaufnahme, die wir gerade genießen können. Aber mit dem Trainingsauftakt am 3. Januar müssen wir uns wieder top vorbereiten. Wir werden weiterhin von Spiel zu Spiel schauen, uns auf jede Partie voll einlassen. Nach 34 Spieltagen werden wir auf die Tabelle schauen und sehen, was dabei herausgekommen ist.

herthabsc.de: Glauben Sie, dass die Rückrunde schwieriger wird, weil sich die Gegner besser auf Hertha BSC eingestellt haben?
Preetz: Ich glaube, dass der Schlüssel zum Erfolg bei uns liegt, nicht bei den Gegnern. Die Mannschaft hat sich eine Basis erarbeitet, auf die sie sich stützen kann. Wir sind stabil. Unsere Kompaktheit ist ein Faustpfand, den wir auch in der Rückrunde behalten wollen. Hinter Bayer München haben wir die zweitbeste Abwehr der Liga. Die Hinrunde hat aber auch gezeigt, dass wir im Spiel nach vorne immer Möglichkeiten haben und torgefährlich sind – dieses Potenzial haben wir auch in der Rückrunde. Trotzdem müssen wir in jedem Spiel ans obere Limit gehen, um diesen Erfolg zu bestätigen. Wir sind gespannt, was die Rückrunde bringt. 

herthabsc.de: Augsburg, Bremen, Dortmund, dann das Pokalspiel in Heidenheim und in der Liga in Stuttgart. Wie schätzen Sie das Auftaktprogramm im neuen Jahr ein?
Preetz: Es ist sicher kein Nachteil, mit einem Heimspiel in das neue Jahr zu starten. Unsere Bilanz im Olympiastadion ist sehr gut – und die Basis für eine erfolgreiche Saison wird immer in den Heimspielen gelegt. Wir haben eine relativ kurze Vorbereitung, in der wir konzentriert arbeiten müssen. Es geht dann Schlag auf Schlag. Wir werden sehr schnell auf Betriebstemperatur kommen.

herthabsc.de: Gegen Mainz 05 peitschten die Zuschauer die Blau-Weißen nach vorne. Nach Abpfiff feierten sie den Sieg minutenlang. Wie wichtig ist die Unterstützung der Fans?
Preetz: Die war nicht nur gegen Mainz fantastisch, sondern auch in den anderen Partien. Wir wissen, dass wir ein extrem treues Publikum haben und eine Fanbasis, die uns immer unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar. Auch auswärts reisen viele Fans mit. Wir freuen uns, dass wir unseren Fans in der Hinrunde etwas für ihre Leidenschaft für ihren Einsatz zurückgeben konnten. Wir werden weiterhin versuchen, in jedem Spiel ehrliche Arbeit abzuliefern. Vielleicht finden dann in Zukunft noch mehr Zuschauer den Weg ins Olympiastadion.

Gesagt...

"Wir versuchen, die Rahmenbedingungen weiter zu optimieren, um den Abstand zu anderen Vereinen zu verkürzen."

Michael Preetz

herthabsc.de: Im neuen Jahr kehren einige langzeitverletzte Spieler zurück. Fördert das den Konkurrenzkampf oder befürchten Sie negative Auswirkungen auf die Stimmung innerhalb der Mannschaft?
Preetz: Die Mannschaft war in der Hinrunde so erfolgreich, weil sie zusammengehalten hat und als Kollektiv funktioniert hat. Diesen Teamgeist müssen alle Verantwortlichen sorgsam pflegen. Auch die Spieler müssen darauf achten, dass sie das, was sie sich erarbeitet haben, nicht einreißen.  Das Gebilde muss intakt bleiben.

herthabsc.de: Im November präsentierte der Verein auf der Jahreshauptversammlung positive Zahlen. Wie positiv macht sich diese Bilanz in Ihrer Arbeit bemerkbar?
Preetz: Bis auf Bayern und vielleicht Dortmund ist die Bundesliga sehr ausgeglichen und eng beieinander. Wir versuchen, die Rahmenbedingungen von Hertha BSC weiter zu optimieren, um den Abstand zu anderen Vereinen zu verkürzen. Das ist eine langfristige Zielsetzung von uns. Es gibt noch einige Vereine, die über deutlich größere Mittel verfügen, als wir. Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns, aber wir sind auf einem guten Weg. Sportliche Erfolge helfen uns dabei natürlich immer.

herthabsc.de: Eine Woche vor Weihnachten hat Rune Jarstein seinen Vertrag verlängert, im Herbst Marvin Plattenhardt. Hilft die sportliche Situation, die Spieler an den Verein zu binden?
Preetz: Die Planungen für den Spielerkader laufen eigentlich ohne Pause. Aber wir können den Spielern in Vertragsgesprächen natürlich zeigen, dass sich bei Hertha BSC etwas entwickelt. Wir haben Argumente, die überzeugen, dass es sich lohnt, unseren Weg gemeinsam weiterzugehen. Wir werden die Winterpause sicher nutzen, um Gespräche zu führen und uns Gedanken zu machen, wie der Kader in Zukunft aussehen soll.

herthabsc.de: So kurz vor dem Jahreswechsel muss die Frage erlaubt sein: Welche Wünsche hat Michael Preetz für das Jahr 2016?
Preetz: Ich wünsche mir, dass die Spieler im neuen Jahr gesund bleiben und die Jungs, die sich 2015 so schwer verletzt haben, wieder den Anschluss finden und beschwerdefrei Fußball spielen können. Außerdem haben wir alle einen Traum: Es wäre schön, wenn wir es schaffen, ein neues Kapitel in der Pokalgeschichte zu schreiben.

(fw/City-Press)

Teams, 30.12.2015
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