Bild: citypress

Lustenberger - Ein Mann für alle Fälle

Herthas dienstältester Spieler sprach vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln mit herthabsc.de.

Berlin - Mit nur 24 Jahren ist Fabian Lustenberger der dienstälteste Spieler im Kader von Hertha BSC. Bereits seit 2007 trägt der sympathische Schweizer das blau-weiße Trikot und ist in Berlin heimisch geworden. In dieser Spielzeit agierte 'Lusti' bereits auf fast allen Positionen in der Defensive und überzeugte restlos. Vor der Partie gegen Köln am Donnerstag (29.11.12) sprach er über die Saison und seine Zeit in der Hauptstadt.

herthabsc.de: Du sagtest unter der Woche, dass das Resultat in Aue nach deinem Geschmack zu hoch ausgefallen sei. Wie siehst du Kräfteverhältnisse und Ergebnis heute?
Fabian Lustenberger: Aue hat gut mitgespielt und wir haben defensiv im Vergleich zu den letzten Wochen mehr zugelassen. Ich denke aber, dass Aue offensiv zumindest in diesem Spiel ein wenig die Qualität gefehlt hat, um Akzente zu setzen. Wir haben unsere Chancen eiskalt genutzt und sind froh über das Ergebnis und die Punkte, weil es so manche Mannschaft noch schwer haben wird in Aue.

herthabsc.de: Ihr stellt nach 15 Spielen den besten Angriff der Liga, seid 13mal in Folge ungeschlagen. Wurmt es, nicht von der Tabellenspitze grüßen zu können?
Lustenberger: Nein, überhaupt nicht. Wir haben als übergeordnetes Ziel den Aufstieg vor Augen, sind da mit 13 ungeschlagenen Spielen in Serie auf einem guten Weg. Dass wir fünf Punkte auf Braunschweig aufholen, wurde uns nicht zugetraut. Die haben jetzt erstmals verloren, vielleicht einen kleinen Knick bekommen. Wir schauen auf uns, müssen unsere Punkte einfahren. Wenn der Aufstieg dann erst am 34. Spieltag sicher ist, sind wir damit auch sehr zufrieden.

herthabsc.de: Du bist der dienstälteste Herthaner, was ob deiner 24 Jahre erstaunlich ist. Nach mehr als fünf Jahren Berlin: Wo liegen die größten Unterschiede zwischen alter und neuer Heimat?
Lustenberger: Hier ist einfach Alles drei Nummern größer! In der Schweiz kann maximal Zürich mit Berlin mithalten. Vor allem die Distanzen betreffend: Man würde niemals zu einem Auswärtsspiel fliegen, weil man mit dem Bus alle Spielstätten erreicht.

herthabsc.de: Kann man die Ligen vergleichen?
Lustenberger: Da liegen vor allem beim Drumherum Welten dazwischen. Beispielsweise ist die Medienlandschaft hier einfach größer und vielseitiger. Von der Qualität her sind die deutschen Bundesligen ohne Frage stärker, vor allem die 1. Bundesliga. Aber ich denke, der Fußball in der Schweiz hat eine gute Entwicklung genommen, ist mit den zahlreichen Talenten auf dem richtigen Weg und muss sich nicht verstecken. Der FC Basel hat das in der Champions League bewiesen als sie Manchester United rausgeworfen haben.

herthabsc.de: Den Wechsel von Luzern zu Hertha hast du damals als „Kulturschock“ bezeichnet. Nun hast du eine Freundin aus Berlin, dein Sohn ist hier geboren. Ist Berlin die Heimat 1b?
Lustenberger: Ich kam aus dem Dorf mit 2.000 Einwohnern in eine 3,5 Millionen-Metropole, das war ein riesiger Unterschied. Mittlerweile würde ich das mit der Heimat durchaus so formulieren, schließlich habe ich mich wunderbar eingelebt, finde mich super zurecht in der Stadt und komme ich nach jedem Urlaub wieder sehr gern zurück hierher. Ich denke, man sieht und merkt uns an: Wir fühlen uns wohl in Berlin.

herthabsc.de: Gefragter Gesprächspartner, sympathischer Fanliebling, trotz wechselnder Positionen Säule im Team - Was ist aus dem lockenköpfigen 19-Jährigen Schlacks geworden?
Lustenberger (lacht): Weiterentwicklung, sportlich wie menschlich, ist ja ganz normal und gefordert. Ich habe damals noch bei meinen Eltern gewohnt, bin dann allein in die große neue Stadt gezogen, habe erstmals einen eigenen Haushalt geführt. Das hat sich rückblickend alles sehr positiv auf meine Persönlichkeitsentwicklung ausgewirkt, davon profitiere ich heute. Als Dienstältester habe ich nun schließlich ein gewisses Standing im Team, für das ich hart arbeite, das ich aber auch durch Leistung und Verantwortung rechtfertigen muss.

herthabsc.de: Du hattest bereits viel Verletzungspech in deiner Karriere, bist zweimal abgestiegen, hast aber auch schon Europapokal mit Hertha gespielt. Steht deine tolle Saison und Entwicklung im Zusammenhang mit diesen Erfahrungen und Rückschlägen?
Lustenberger: Schwierig zu sagen. Die Phasen der langwierigen Verletzungen zeigen auf, wie schön es ist, wenn man dann regelmäßig spielt und gebraucht wird. Bisher gelingt mir das, darüber freue ich mich. Klar ist aber auch, dass es persönlich nur so gut laufen kann, wenn es in der Mannschaft stimmt. Derzeit trifft das zu und jeder einzelne profitiert davon. Von mir aus darf es so weitergehen bis zum Saisonende.

herthabsc.de: In Aue bist du mal wieder im defensiven Mittelfeld aufgelaufen. Vor wenigen Wochen hast du mit einem Augenzwinkern herausgehoben, dass man als Innenverteidiger weniger laufen müsse. Wo bestehen weitere Unterschiede zur Sechs?
Lustenberger: In Aue habe ich die größere Laufbelastung als Sechser wieder gemerkt. Im Mittelfeld ist man auf jeden Fall mehr ins Spiel integriert, hat zwischen den beiden Strafräumen mehr Zweikämpfe, mehr Ballkontakte und auch die Möglichkeit, Offensivaktionen zu forcieren. Das ist immer wieder interessant. Gegen Aue haben wir 4:0 gewonnen, also können die Mannschaft und ich nicht allzu viel falsch gemacht haben.

herthabsc.de: Zuletzt wurde über eine Einladung zur Schweizer Nati spekuliert. Gerade im Hinblick auf eine Nationalmannschaftskarriere: Auf welcher Position siehst du dich künftig?
Lustenberger: Wenn man zwölf Spiele in der Innenverteidigung macht und keines verliert, ist man auf dieser Position selbstbewusst und fühlt sich wohl. Ich habe immer betont, dass meine Lieblingsposition die 'Sechs' ist. Wenn mich der Trainer in der Mannschaft auf einer anderen Position braucht, nehme ich das im Sinne des großen Ganzen an und gebe dort mein Bestes.

herthabsc.de: Dein Transfer im Sommer 2007 fiel in die Ära Lucien Favres. Dein Landsmann steht bekanntlich in einem engen Zusammenhang mit dem Modewort „Polyvalenz“. War die Vielseitigkeit damals ein Kernargument für deine Verpflichtung?
Lustenberger: Ich glaube, dass es ein Argument war. Aber er hat ja allgemein Spieler verpflichtet die jung und entwicklungsfähig waren. Das hat er in mir gesehen, ich war ja auch erst 19 und er kannte mich aus der Schweiz. Daher bin ich ihm sehr dankbar, dass er mir den Schritt in die Bundesliga ermöglicht hat.

herthabsc.de: Kommen wir zum nächsten Kontrahenten. Der 1. FC Köln hatte vor der Saison eine ähnliche Ausgangslage wie wir. Nach dem Abstieg wurde der personelle Umbruch eingeleitet, nach einem schlechten Start rangiert der FC im Tabellenniemandsland. Wie schätzt du deren Saison und den FC selbst ein?
Lustenberger: Ich glaube, dass sie für ihre Qualität zu wenig Punkte haben. Köln gehört für mich zu den drei bis vier Top-Teams der Liga. Aber wir haben schon oft genug bewiesen, dass wir in der Lage sind diese Spiele auch zu gewinnen. Das muss in einem Heimspiel unser Anspruch sein.

herthabsc.de: Von Namen her ist der FC sicherlich ein Premium-Mitglied der zweiten Liga, steht derzeit aber nur auf Rang 10. Ist das ein Topspiel oder Ligaalltag?
Lustenberger: Ich denke schon, dass es trotzdem ein Topspiel ist. Der 1. FC Köln ist einer der größten Vereine in Deutschland. Auch bei den Spielern sind viele Erstligaakteure dabei. Ich freu mich auf das Wiedersehen mit Sascha Bigalke. Aber die drei Punkte muss er in Berlin lassen.

herthabsc.de: Du sprichst es an, es kommt zum Aufeinandertreffen mit einem alten Bekannten: Sascha Bigalke. Ist es eher für ihn ein Vorteil, euch zu kennen oder kommt es unserer Defensive zu Gute, mit seinen Laufwegen und Fähigkeiten vertraut zu sein?
Lustenberger: Ich denke, dass es weder für ihn noch für uns ein Vorteil oder ein Nachteil ist. Bei uns stehen viele Spieler auf dem Platz mit denen er noch gar nicht zusammen gespielt hat. Dazu ist er ja in Köln auch noch neu und wird auch nicht jeden Laufweg schon auswendig kennen. Ich sehe das ganz entspannt.

herthabsc.de: Es stehen wieder englische Wochen an. Sonntag auswärts gespielt, Montag Auslaufen in Berlin. Ist eine gewissenhafte Vorbereitung auf den FC in zwei Tagen überhaupt möglich?
Lustenberger: Wir kennen den Gegner ja. Man bekommt schon einiges mit. Es ist nicht so, dass wir über Köln dann gar nichts wissen. Wir verfolgen die anderen Spiele ja auch. Da auch viele bekanntere Spieler dabei sind, ist so ein Spiel gegen Köln in zwei Tagen leichter vorzubereiten als eine Partie gegen einen kleineren Gegner. Aber ich hab es ja schon mal gesagt, wir müssen nicht auf Köln schauen, sondern nur auf uns.

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