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Blau-Weiße Speerspitze

Das erste Interview als Herthaner: Neuzugang Sinan Kurt über den Klub, die Stadt und sich selbst.

Berlin - Sein Name ist Programm. Sinan. Dieser türkische Vorname, der aus dem arabischen kommt und so melodisch klingt, bedeutet: 'Die (eiserne) Speerspitze'. Ideal für einen wie unsere Neuerwerbung Sinan Kurt aus München – ein Name, der ganze Abwehrreihen zittern lassen müsste. So martialisch der Vorname übersetzt werden kann, so paradox ist er auch, wenn man dem 19-Jährigen begegnet. Sinan Kurt ist klar, ruhig, eher zurückhaltend, abgewogen in seinen Antworten, auf alle Fälle total sympathisch. Er weiß, was er kann und will. Fußballspielen, dem Team und dem Klub helfen. Er freut sich auf die neue Herausforderung, auf Hertha, auf Berlin. Peter Bohmbach und Florian Waldkötter sprachen für herthabsc.de mit der Nummer 18:

herthabsc.de: Sinan, Dein Wechsel zu Hertha BSC ist perfekt. Wie fühlt sich das an?
Sinan Kurt: Supergut. Ich bin glücklich, in Berlin zu sein. Für mich war es wichtig, dass der Wechsel möglichst früh in der Vorbereitung über die Bühne gegangen ist. Ich habe jetzt im Training hier und in Belek die Möglichkeit, mich zu zeigen und gleichzeitig die Mitspieler und die Philosophie des Trainers kennenzulernen. Ich freue mich einfach auf den Verein, die Fans und die Stadt.

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Rubrik 07.01.2016
Sinan Kurts Ankunft

herthabsc.de: Von Bayern zu Hertha – so ein Wechsel ist zumindest mal überraschend.
Kurt: Eines ist doch mal klar, die Zeit bei Bayern bereue ich keinesfalls. Es hat mir viel gegeben. Aber das ist vorbei, für mich zählt jetzt nur noch Hertha BSC. Darauf freue ich mich, hier haue ich meine ganze Energie rein. Klar wird es ab und zu mal einen Rückblick geben, aber grundsätzlich will ich nur noch über Hertha reden.

herthabsc.de: Nach fast exakt 36 Stunden in Berlin hast Du Dein erstes Training mit Deiner neuen Mannschaft absolviert, welche Eindrücke hast Du?
Kurt: Unglaublich viele – neue Stadt, viele Gespräche, viel Neues gesehen – das verging jetzt in den letzten Stunden wie im Flug. Vorgestern angekommen, gestern die Besuche bei den Ärzten, die Gespräche mit Manager Preetz, alles unterschrieben, die Vorstellung der Leute aus dem engen Umfeld um das Team, dann die Leistungstest mit den Sportwissenschaftlern von Hertha, die Begrüßung durch die Trainer, das erste Hallo mit den neuen Kollegen, jetzt das erste Training – da stürmt schon einiges auf dich ein.

herthabsc.de: Was ist Dir als Allererstes schon aufgefallen?
Kurt: Dass es hier bei Hertha viel familiärer zugeht als bei den Bayern – ist ja vielleicht auch kein Wunder. Jeder kümmert sich, jeder will dir sofort helfen. Ob das der Manager ist, der Trainer, die Leute aus der Medienabteilung, der Zeugwart. Der Ton ist locker, freundlich, einfach richtig nett. Das fühlt sich gut an. Und ist genauso, wie es mir mein Freund Mitch geschildert hat.

Gesagt...

"Mitch hat mir vorab erzählt, wie es bei Hertha so zugeht. Es ist auch genauso eingetreten, er hat nicht übertrieben."

Sinan Kurt

herthabsc.de: Wieso das?
Kurt: Mit Mitchell Weiser habe ich mich in München schon gut verstanden, gemeinsam mit David Alaba hatten wir bei den Bayern eine schöne Zeit. Mitch hat mir vorab erzählt, wie es bei Hertha so zugeht. Er hat richtig geschwärmt. Und das hat mir gut gefallen – und ist auch genauso eingetreten, er hat nicht übertrieben.

herthabsc.de: Beim wem hast Du Dich erkundigt vor dem Wechsel?
Kurt: Wie schon erwähnt - natürlich habe ich mit Mitchell gesprochen. Wir verstehen uns gut, kennen uns ja schon ein bisschen länger. Er hat nur Positives über den Verein und das Umfeld erzählt. Er hat mir die Entscheidung, zu Hertha zu wechseln, noch leichter gemacht. Auch Yanni Regäsel, mit dem ich in für die Juniorennationalmannschaft gespielt habe, hat immer nur gut über Hertha BSC gesprochen.

herthabsc.de: Umfeld heißt auch Fans – was sagen Dir die Hertha-Fans?
Kurt: Ich freue mich sehr, die Fans bald kennenzulernen. Was ich so mitbekommen habe, machen die immer mächtig Stimmung bei Heimspielen in der Ostkurve. Und sie stehen immer hinter ihrer Mannschaft. In München waren die unglaublich hinter ihrem Team – echt beeindruckend.

Letzte Saison noch Gegner, ab sofort gemeinsam: Sinan Kurt (li.) bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Peter Pekarik.

herthabsc.de: Apropos München – Du hast gegen Hertha Dein Bundesliga-Debüt gefeiert.
Kurt: Ja, das war ein ganz besonderer Moment. So etwas vergisst man nicht. Und gerade gegen Hertha – das passt doch jetzt gut.

herthabsc.de:
Welche Gründe waren ausschlaggebend für deine Entscheidung?
Kurt: Ich habe eine neue sportliche Herausforderung gesucht. Die Gespräche mit Michael Preetz und Pál Dárdai waren sehr gut. Die beiden haben eine große Rolle bei meinem Wechsel gespielt. Sie haben mir von Anfang an das Gefühl vermittelt, dass sie auf mich setzen. Der Trainer hat mir gesagt, dass er gerne mit jungen Spielern arbeitet und auf sie setzt. Ich habe schnell gedacht: Hier könnte es gut für mich laufen.

herthabsc.de: Mit welchen Erwartungen und mit welchen Zielen hast du dich dem Hauptstadtclub angeschlossen?
Kurt: So große Ziele habe ich mir jetzt am Anfang gar nicht gesetzt. Ich möchte gut ankommen im Verein und in der Stadt. Das Wichtigste wird sein, dass ich gut trainiere. Spielpraxis bekomme, mich an die Mitspieler gewöhne, Automatismen der Mannschaft verinnerliche. Dann kann ich Schritt für Schritt weiterschauen. Langfristig möchte ich hier natürlich Stammspieler werden und mithelfen, dass der Verein seine Ziele erreicht.

herthabsc.de: Was wünscht Du Dir für die erste Zeit in Berlin sonst?
Kurt: Dass ich erst einmal ankommen darf, alles in Ruhe kennenlernen kann. Ich hoffe, dass dies auch die große Medienlandschaft Berlin respektiert. Erst will ich Leistung zeigen, dann reden.

herthabsc.de: Was sind Deine Stärken?
Kurt: Zuerst mal muss ich sagen, dass ich noch viel, viel lernen kann und will. Ich will mich entwickeln, immer besser werden. Ein paar Anlagen habe ich schon: Ich glaube, ich bin recht schnell. Man sagt, ich habe einen guten linken Fuß. Ich bin mutig, lasse mich von keinem beeindrucken, mache gerne überraschende, freche Dinge auf dem Platz.

herthabsc.de: Wie beschreibst Du Dich selbst?
Kurt: Ruhig außerhalb des Platzes – und eben frech auf dem Rasen.

herthabsc.de: Was magst Du nicht?
Kurt: Wenn Dritte über einen urteilen, ohne Dich zu kennen. Wenn Dinge aufgebauscht werden, die im Grunde ganz harmlos waren. Wenn man nicht respektvoll miteinander umgeht.

Erste Tipps: Nello di Martino (li.) mit Herthas neuer Nummer 18.

herthabsc.de: Wer hat Dich in Deiner Bayern-Zeit am meisten beeindruckt?
Kurt: Arjen Robben. Der ist nicht zu stoppen. Auf dem Platz ja sowieso nicht. Aber auch sonst. Im Training, er ist früher da als andere und geht später. Trainiert immer mehr als die meisten. Wahnsinn. Das ist echt vorbildlich, Arjen hat eine tolle Einstellung.

herthabsc.de: Wer hat Dir bei den Münchnern geholfen?
Kurt: Mitchell Weiser, David Alaba – klar. Rafinha, der war mein Sitzpartner. Aber zum Beispiel auch Franck Ribery - der hat sich gekümmert, mir immer mal wieder Tipps gegeben. Von ihm konnte man sich auch so einiges abschauen. Insgesamt war es natürlich eine wahnsinnige Erfahrung, in so einem Klub, in so einer Mannschaft dabei sein zu dürfen. Das war schon traumhaft.

herthabsc.de: Inwieweit konntest Du von Pep Guardiola profitieren?
Kurt: Er ist ein großartiger, ganz besonderer Trainer. Von dieser Zeit bei ihm profitiere ich mit Sicherheit!

herthabsc.de: Hast Du ein fußballerisches Vorbild?
Kurt: Na klar – Lionel Messi. Wahrscheinlich wie hunderte Kollegen mit mir. Aber er ist eben auch ein toller Kicker.

herthabsc.de: Wie hast du die Entwicklung von Hertha BSC in den vergangenen Monaten erlebt?
Kurt: Hertha hat eine fantastische Hinrunde gespielt. Ich glaube, dass niemand damit gerechnet hatte, dass der Verein zum aktuellen Zeitpunkt so gut dasteht. Mich freut es jetzt natürlich umso mehr. Es ist als Neuzugang einfacher, in eine intakte Mannschaft zu kommen, die sportlich erfolgreich ist. Aber wir sind erst in der Mitte der Saison, wir haben noch nichts erreicht und müssen weiter Vollgas geben, um weiter zu punkten.

Der Neue mit der 18: Sinan Kurt.

herthabsc.de: Du hast die Nummer 18 als Trikotnummer bekommen – warum?
Kurt: Kein warum - sie war frei und die 18 ist doch eine schöne Zahl, oder?

herthabsc.de: Wer ist die wichtigste Person in Deinem Leben?
Kurt: Meine Mutter Roswitha, keine Frage. Sie war auch mit in München, hat mich dort unterstützt. Aber jetzt nach Berlin ist sie nicht mit, ich will auf eigenen Füßen stehen, meinen Weg gehen – wird Zeit.

herthabsc.de: Hast Du Geschwister?
Kurt: Ja, eine ältere Schwester - Aylin. Und ich bin auch schon Onkel, habe eine kleine Nichte – Selina.

herthabsc.de:
Freundin?
Kurt: (lacht). Nein, noch bin ich überzeugter Single.

herthabsc.de: Sozialen Medien?
Kurt: Alles – Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat – finde ich alles spannend und mache ich gern.

herthabsc.de: Was sind Deine Hobbies neben dem Fußball?
Kurt: Musik auf jeden Fall. Rap, RnB - all sowas. Früher habe ich sogar selbst Gitarre gespielt.

herthabsc.de: Dann müsste Dir Herthas neue Kabine gefallen...
Kurt: Oh ja, die ist großartig. Besonders die Chill-out-Area mit dem Mischpult – super Sache!

herthabsc.de: Kennst Du Berlin eigentlich?
Kurt: Ja – und sogar das Hertha-Gelände. Ich war hier mal beim Nike-Premier-Cup. Und in der Stadt war ich ab und an auch schon privat.

herthabsc.de: Wie ist Dein Eindruck?
Kurt: Sehr, sehr, sehr groß... Aber total spannend. Mitch sagt, es wäre unfassbar vielfältig. Da habe ich einiges zu entdecken.

(PeB/fw/City-Press)

Teams, 07.01.2016
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