Bild: citypress

Ein Kindheitstraum

Marius Gersbeck erlebte Höhen und Tiefen bei seinem Bundesliga-Debüt für Hertha BSC.

Berlin - Es war Freitagmittag, einen Tag vor dem letzten Spiel des Jahres 2013 bei Borussia Dortmund, als der 18-jährige Hertha-Torwart Marius Gersbeck erfuhr, dass er nicht nur erneut im Bundesliga-Kader der Blau-Weißen steht, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch spielen wird. Thomas Kraft hatte sich verletzt abgemeldet und konnte nicht mit ins Ruhrgebiet reisen. Am Samstagnachmittag war es dann soweit: Es war 14.00 Uhr, Marius Gersbeck und die Mannschaft machten sich auf den Weg vom Hotel ins Stadion. Er war locker und lachte, aber sein Blick war konzentriert. Aus dem Bus ging es durch die Katakomben des Signal-Iduna-Parks auf den Rasen. Er guckte sich um und blickte auf die Gästekurve. Sein eigentlicher Platz, diesmal nicht...

Marius Gersbeck steht im größten Stadions Deutschlands in der Startelf von Hertha BSC, seiner Hertha. Erstes Bundesligaspiel vor über 80.000 Zuschauer beim Champions League-Achtelfinalisten aus Dortmund. Internationale Topspieler wie Marco Reus, Robert Lewandowski oder Henrikh Mkhitaryan nahmen sein Tor ins Visier. Und nach sieben Minuten passierte das, was die meisten jungen Torhüter aus der Bahn werfen würden - Gegentor durch Marco Reus. Doch Marius Gersbeck ist in seinen jungen Jahren mental so stark, schüttelte sich einmal und kam gestärkt aus der Nummer heraus. „Das Gegentor habe ich schnell abgehakt. Ich hab den Fehler gemacht, aber danach hat mich die Mannschaft da super rausgeholt und ich habe immer mehr Sicherheit bekommen“, beschreibt Gersbeck seine Gefühle.

Levan Kobiashvili gegen Robert Lewandowski

Taktikfuchs Luhukay

Kurz darauf parierte er im Stile eines Handballtorwarts gegen Lewandowski und in der zweiten Halbzeit rettete der „Junge aus der Kurve“ mit der einen oder anderen richtig guten Parade den sensationellen Auswärtssieg. „Für Marius ging ein Kindheitstraum in Erfüllung. Ich weiß noch gar nicht, ob der Junge das schon realisiert hat“, war auch Cheftrainer Jos Luhukay begeistert vom Debüt des U18-Nationalkeepers. Levan Kobiashvili schloss sich der Meinung seines Trainers an: „Ich freue mich besonders für Marius. Erstes Bundesligaspiel in Dortmund vor über 80.000 Zuschauern. Er hat einen großen Teil zum Sieg beigetragen.“ Nach der Partie ging es für Gersbeck erst in die Kurve und anschließend zum Interview-Marathon. „Das ist natürlich das Beste, was passieren konnte“, sagte er abschließend. Wie recht er doch hat...

Aber das war nicht die einzige Geschichte des letzten Hinrunden-Spieltags. Cheftrainer Jos Luhukay überraschte vor dem Spiel mal wieder mit seiner Startelf. Alle rieben sich verwundert die Augen, als Levan Kobiashvili als Innenverteidiger und Peter Pekarik als Linksverteidiger aufliefen. Aber Luhukay hatte sich etwas dabei gedacht - wie so oft in der Saison - und die Mannschaft setzte bis auf anfängliche Schwierigkeiten die Vorgaben zur vollsten Zufriedenheit um. „Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft, sie haben eine tolle Hinrunde gespielt. Der Sieg in Dortmund war die Krönung“, freute sich der Hertha-Coach. Es war das Tüpfelchen auf dem „i“, die Krone auf ein fantastisches Hertha-Jahr 2013.

Kobiashvili ganz stark

Darüber freute sich auch der Älteste in Reihen der Blau-Weißen. „Wir haben eine überragende Hinrunde gespielt, das ist das schönste Weihnachtsgeschenk für unsere Fans und den Verein“, so „Kobi“. Nach dem Spiel gegen Gladbach titelte herthabsc.de ‚Der alte Mann und das mehr’, aber was Levan Kobiashvili als Innenverteidiger in Dortmund geboten hat, war mehr als eine Steigerung dessen. Gegen eine der besten Offensiven Europas agierte der Georgier zweikampfstark, abgebrüht, clever und mit viel Ruhe - stark! Bei den Interviews nach dem Spiel konnte Kobiashvili die große Freude über den spektakulären Auswärtssieg in Dortmund auch nicht verbergen, wollte er auch nicht, als er jedes Interview mit einem breiten Grinsen führte.

Dabei analysierte er die Partie trefflich und nüchtern, wie es sich für einen erfahrenen Bundesliga-Spieler gehört. „Wir sind gerade nach dem Rückstand stark zurückgekommen. Wir haben keine Stabilität verloren, im Gegenteil. In der zweiten Halbzeit war es fußballerisch nicht mehr so viel. Aber wir hatten alle ein Ziel: Das Tor sauber zu halten. Das haben wir eindrucksvoll geschafft“, brachte es Kobiashvili auf den Punkt. Alles in allem war es der passende, perfekte und krönende Abschluss eines Rekord-Jahres für Hertha BSC!

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Teams, 27.07.2016
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