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TEAM-Chef

365 Tage mit Pál Dárdai: Nichts ist ihm wichtiger - Herthas Trainer ist die Inkarnation des Mannschaftsgeistes!

Berlin – Als Spieler wurde er zur Vereinsikone. 373 Pflichtspiele bestritt Pál Dárdai für Hertha BSC – so viele wie kein anderer. Auch nach seiner aktiven Karriere blieb der Ungar den Blau-Weißen treu und wechselte in den Jugendbereich der Berliner. Dort startete er seine zweite Laufbahn – als Trainer. So wie es alte Weggefährten schon lange vorausgesagt hatten. Am 5. Februar 2015, als der Hauptstadtclub mit dem Rücken zur Wand stand, übernahm er den Posten als Cheftrainer. "Alles was schön an diesem Beruf ist – der grüne Rasen und Hertha BSC – ist gleich geblieben", sagt Dárdai ein Jahr später schmunzelnd. Um danach in seiner typischen Art auszudrücken, was ihm der Verein bedeutet. "Jeder weiß, dass ich meine Arbeit bei Hertha sehr genieße. Meine drei Söhne spielen für diesen Verein, diese Stadt hat mir viel gegeben, meine Familie fühlt sich hier wohl. Ich bin sehr stolz darauf, Teil von Hertha BSC zu sein."

Stolz darf der Fußballlehrer auf das vergangene Jahr wahrlich sein. Auf seine Mannschaft, die im Vergleich zur Vorsaison nicht mehr wiederzuerkennen ist. Aber auch auf seinen Anteil daran. Auch wenn er das nicht gerne hört und stets die Spieler und sein Trainerteam in den Vordergrund stellt: Pál Dárdai hat maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung der vergangenen zwölf Monate.  

herthabsc.de schaut zurück auf einige schöne und wichtige Momenten in einem aufregenden Jahr mit Pál Dárdai als Trainer des Hauptstadtclubs.

Abklatschen mit Rainer Widmayer: Bei seinem Debüt in Mainz feierte Dárdai einen Einstand nach Maß.

Das Debüt: Nur zwei Tage nach Amtsantritt debütierte der Ungar als Chefcoach in Mainz. Wirklich viel Zeit, seine Schützlinge auf die Aufgabe vorzubereiten, hatte er nicht. Doch Dárdai hatte einen klaren Plan entwickelt, wechselte sein Personal fünfmal und schickte eine deutlich stabilere Elf auf den Rasen. Wie befreit spielten die Herthaner auf, besonders Valentin Stocker fiel positiv auf: Der Schweizer holte zunächst einen Elfmeter heraus, den Jens Hegeler souverän verwandelte und bereitete dann auch das zweite Tor der Blau-Weißen durch Roy Beerens vor. Obwohl Hertha im zweiten Durchgang noch Kapitän Fabian Lustenberger durch eine gelb-rote Karte verlor, geriet der Auswärtserfolg nicht mehr in Gefahr – der Anfang war gemacht.

Erleichterung: Dárdai freut sich mit Torschütze Valentin Stocker über den Sieg gegen Paderborn.

Der Befreiungsschlag: In den folgenden Wochen brachte Dárdai mit seinem Trainerteam weiter Stabilität ins Team zurück. Einem wichtigen Heimsieg gegen Augsburg folgten Punktgewinne in Stuttgart und gegen Gelsenkirchen, ehe in Hamburg einer von zwei entscheidenden Befreiungsschlägen gelang: Ein spätes Kopfballtor von Sebastian Langkamp nach Freistoßvorlage von Marvin Plattenhardt, der unter Dárdai stark aufspielte, sicherte das 1:0 beim HSV. Der zweite 'Bigpoint' gelang eine Woche später im Olympiastadion, als die Blau-Weißen durch Tore von Stocker und Nico Schulz Paderborn mit 2:0 niederrangen. Durch die Serie hatte Hertha sich einen Vorsprung erarbeitet, der am Ende zum Klassenerhalt reichen sollte. Die Erleichterung im blau-weißen Lager war groß – doch nun sollte es erst richtig losgehen.

Leidenschaft, Einsatz und Teamgeist: Pál Dárdai lebt seine Maximen an der Seitenlinie vor.

Der Aufbruch:  Die Spielzeit 2015/16 sollte nach Willen des Trainers nicht wieder zu einer Zittersaison werden. Deshalb ließ er seine Spieler in der Vorbereitung hart arbeiten. "In der Vorsaison war unsere Fitness nicht in Ordnung, dadurch waren wir auch mental nicht immer auf der Höhe. Unsere ganze Körpersprache hat darunter gelitten", erklärte Dárdai. Sein Konzept ging auf: Mit viel Einsatz, Siegeswillen und vor allem Teamgeist - für den Ungarn das oberste Credo - meisterten die Herthaner die schwierigen Auftaktspiele im Pokal in Bielefeld (2:0) und in der Liga Augsburg (1:0). So stand nach zwei Partien ein gelungener Auftakt in die neue Saison.

Wichtiger Sieg gegen Stuttgart: Dárdai jubelt mit Co-Trainer Rainer Widmayer.

Der Volltreffer: Mit einem Remis gegen Bremen und einer Niederlage in Dortmund gingen die Herthaner nach dem geglückten Start in das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Genki Haraguchis Führungstor glichen die Schwaben noch aus - doch dann schlug der Kapitän zu: Ein herrlicher Treffer von Fabian Lustenberger sicherte am Ende den 2:1-Sieg. "Ich glaube das Tor war für uns eine Art Startschuss in eine gute Saison", sagte der Schweizer im Rückblick. Der Hauptstadtclub war nach dem ersten Heimsieg in der Erfolgsspur - und die Hertha-Fans sollten auch in den kommenden Wochen oft Grund zum Jubeln haben.

Küsschen auf den Turban: Dárdai küsst in Hannover den dreifachen Torschützen Salomon Kalou.

Der Hattrick: In den kommenden Wochen setzte sich Hertha in der Spitzengruppe der Liga fest und kam auch im DFB-Pokal beim FSV Frankfurt mit 2:1 n.V. weiter. Auf Rückschläge hatte die Mannschaft von Pál Dárdai stets eine Antwort parat – so auch an diesem Freitagabend in Hannover. In der Vorwoche hatte man gegen das formstarke Mönchengladbach noch eine 1:4-Heimniederlage kassiert. In Niedersachsen zeigten die Blau-Weißen eine Reaktion und setzten die oberste Maxime des Chefs mustergültig um: Eine starke Mannschaftsleistung veredelte der überragende Salomon Kalou mit drei Treffern zum 3:1-Sieg. Noch lange nach dem Schlusspfiff feierten die mitgereisten Hertha-Fans die Mannschaft von den Rängen. Der Hauptstadtclub war durch den Erfolg Vierter - und hatten ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt.

Endlich auch einen 'Großen' geschlagen: Trainer und Mannschaft jubeln nach dem Sieg gegen Leverkusen gemeinsam.

Die Belohnung: So positiv die Saison für die Berliner auch verlief, wies sie doch einen vermeintlichen Makel auf. Gegen die 'Großen der Liga' wie Bayern München, Dortmund oder Mönchengladbach unterlagen die Berliner in der Hinrunde. Doch am 15. Spieltag durchbrach Dárdais Mannschaft diese Serie: Gegen den Champions-League-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen stand nach 90 Minuten ein hart erkämpfter 2:1-Heimsieg durch die Treffer von Vladimir Darida und John Anthony Brooks. "Glückwunsch an unsere Mannschaft", sagte der Ungar nach dem Spiel. "Die Jungs haben sehr gut gespielt und verteidigt. Großes Kompliment!"

Was für ein Jahresabschluss: Dárdai genießt mit seinen Spielern nach dem Sieg gegen Mainz die Laola vor der Ostkurve.

Der Abschluss: Lobende Worte fand Dárdai im Dezember 2015 noch häufiger. Nach dem Sieg gegen Leverkusen setzten die Herthaner zu einem starken Jahresendspurt an. Die Treffer von Kalou (2), Plattenhardt und Ibisevic sicherten den äußerst souveränen 4:0-Erfolg beim unbequemen Aufsteiger aus Darmstadt. Nur vier Tage später siegten die Berliner im Achtelfinale des DFB-Pokals nach einer nicht weniger starken Vorstellung beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg 2:0 und zogen ins Viertelfinale ein. Im letzten Spiel des Jahres krönten die Blau-Weißen ihre herausragende Hinrunde mit dem 2:0-Sieg gegen Mainz 05 und feierten kurz vor Weihnachten gemeinsam mit dem Cheftrainer vor der Ostkurve. Es war einer der vielen Momente, die das Herz aller Herthaner höher schlagen ließen. Sicher auch für Dárdai, doch der Coach freute sich stärker über etwas anderes: "Es ist ein Highlight für mich, wenn ich sehe, wie sich die Mannschaft in dieser Zeit entwickelt hat", sagte Dárdai zur Jahreswende. "Ich finde es einfach schön, wenn eine Entwicklung zu erkennen ist. Die Spieler haben einen unheimlichen Sprung gemacht. Da muss man nur auf die beiden Partien gegen Mainz blicken."

Gemeinsam jeden Tag besser werden: Pál Dárdai und sein Trainerteam im Kreise seiner Mannschaft.

Der TEAM-Chef: Die wichtigste Eigenschaft von Pál Dárdai ist: "Ein Titel für mich ist unwichtig. Ich will mit der Mannschaft was gewinnen." Pál Dárdai ist ein Teamplayer erster Klasse - das war als Spieler schon so und hat sich als Trainer auch nicht geändert. "An unserem Erfolg sind immer alle beteiligt: Meine Trainerkollegen, meine Mannschaft, unser Funktionsteam, Geschäftsführung und Präsidium und alle Mitarbeiter von Hertha BSC. Auch die Medien und die Fans haben ihren Anteil. Wir schaffen unsere Ziele nur gemeinsam, das muss allen klar sein."

Der Ausblick: Auch nach 365 Tagen im Amt hat Dárdai klare Ziele: Gemeinsam mit seinem Trainerteam möchte er das Maximale aus den Spielern herausholen - und das an jedem Tag, in jedem Training und in jedem Spiel. Zum Auftakt der Rückrunde gab es zwei Unentschieden gegen Augsburg und in Bremen. Nun folgt das Spitzenspiel gegen Dortmund und am Mittwoch (10.02.16) das Viertelfinale im DFB-Pokal beim 1. FC Heidenheim. Auch danach soll der Traum vom Finale im eigenen Stadion weiterleben. Nach fünf bis sechs Rückrundenspielen, das hatte der Ungar im Winter-Trainingslager in Belek erklärt, werde man sehen, wohin der Weg führt. Eines ist gewiss: Auf diesem Weg wird Dárdai sich selbst treu bleiben – und sich dennoch immer wieder neu erfinden. „Ich will immer dazu lernen. Diesen Anspruch habe ich“, sagt der Fußballlehrer. In 365 Tagen hat er bewiesen, dass ihm das gelingt. Dárdai und Hertha, das passt einfach. Wieder einmal.

(kk/fw/City-Press)

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