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Allet schick, oder?

Hertha BSC geht mit Zuversicht und breiter Brust in die Rückrunde. Gegen den FC Augsburg möchte Pál Dárdai mit einem Sieg starten. 

Berlin – Zyniker würden sagen, dass es für Hertha BSC einmal mehr nicht nach Plan läuft. Vor der Saison hatte der Hauptstadtclub sich die 20-Punkte-Marke als Ziel nach der Hälfte der Saison gesetzt. Jetzt haben die Blau-Weißen diesen Wert sogar mit 12 Zählern übertroffen. Attraktiver Fußball, 32 Punkte und Tabellenplatz drei: Die Leistungen der Herthaner würden dem einen oder anderen Berliner das allerallerhöchste Lob entlocken, das ihm über die Lippen kommen kann: "Da kannste nicht meckern!" Die zweitbeste Hinrunde der Vereinsgeschichte hat die Mannschaft mit dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals sogar garniert. "Wir dürfen stolze Herthaner sein", hatte Coach Pál Dárdai vor der Winterpause so treffend formuliert.

Nur die wenigsten, vermutlich nicht einmal die Mannschaft und die Verantwortlichen selbst, haben vor der Saison mit einer solchen Bilanz gerechnet. Für die Berliner gehe es wie schon im Vorjahr nur um den Klassenerhalt – so lautete zumindest der einhellige Tenor der Fußballexperten im Sommer. Doch statt Abstiegskampf zeigen die Spieler Woche für Woche Offensivfußball, der nicht nur schön, sondern vor allem erfolgreich ist. Allerdings ist in diesen Tagen auch wieder ein Phänomen zu beobachten, das vielleicht so nur in der Hauptstadt so ausgeprägt ist: Phasen, in denen vieles funktioniert, rufen die zig 'Hobby-Bundesliga-Trainer' in diversen Foren auf den Plan, auch gar manche Journalisten schließen sich an, Zweifler und Skeptiker haben Konjunktur. Typisch Berlin: Ist das Glas halbleer oder halbvoll? Könnte es nicht sein, dass man jetzt nicht was zu verlieren hat. Muss man Angst haben, dass es nicht läuft. Ist der Druck jetzt nicht größer?

Grund zur Freude: Im Hinspiel gewannen die Berliner in Augsburg 1:0.

Mit Zuversicht in die Rückrunde

Nein, und nochmals Nein, sagen die Herthaner. "Wir können diese Sichtweise so nicht recht teilen. Wir wissen, dass es bei Null losgeht, wir wissen, wie wichtig der Start wieder ist", sagt Trainer Pál Dárdai, der vor dem Rückrunden-Auftakt am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC Augsburg eine verständliche Bitte hat. "Bitte sagt und schreibt nach der guten Hinrunde nicht, dass die Rückrunde schlecht wird", fordert der 39-Jährige und erhält Unterstützung von Michael Preetz. "Wir sehen das halbvolle und nicht das halbleere Glas. Wir haben eine tolle Hinserie gespielt, die uns wahnsinnig viel Selbstvertrauen für die Rückrunde mitgibt", sagt der Geschäftsführer Sport. Fakt ist: Die Berliner gehen mit einer nahezu optimalen Ausgangsposition in die zweite Saisonhälfte. "Die Tabellensituation ist eine Chance für uns. Wir wollen mutig bleiben und unsere Leistungen bestätigen", sagt Dárdai, ohne den Blick für das Wesentliche zu verlieren. "Wir sind im vergangenen Jahr einen großen Schritt nach vorne gekommen. Für den Erfolg haben wir hart gearbeitet, aber wir sind realistisch: Es wird nicht einfach, dort oben zu bleiben."

Von einer gestiegenen Erwartungshaltung will sich der Ungar deshalb nicht beeinflussen lassen. "Wir werden keine neuen Ziele ausrufen. Für uns geht es jetzt darum, einen guten Start in die Rückrunde zu erwischen", stellt der Coach klar. Nach fünf oder sechs Partien könne man sehen, wo das Team stehe. Doch Pál Dárdai wäre nicht Pál Dárdai, wenn bei all der dargebotenen Vorsicht nicht auch große Entschlossenheit, Vorfreude und Zuversicht mitschwingen würde. "Ich bin Sportler und will natürlich so oft wie möglich gewinnen", hatte der ehrgeizige Trainer nach dem zufriedenstellenden Trainingslager in Belek erzählt. Dabei verriet er sicher kein Geheimnis. Seit dem ersten Tag seiner Tätigkeit weiß jeder, wie Herthas Rekordspieler für seine Aufgabe brennt.

Viele Möglichkeiten im Kopf

Verwunderlich ist es daher nicht, wenn Dárdai seit Tagen nur noch über das Duell am Samstag denkt. "Mir schwirrt der Kopf vor lauter Ideen und Möglichkeiten", sagte er. Ein Torwartengpass oder einer Viererkette, der durch den wohlmöglichen Ausfall von Sebastian Langkamp (Oberschenkelprobleme) die Stabilität fehlen könnte – all diese Szenarien lassen den Trainer kalt. "Rune Jarstein wird im Tor stehen. Aber auch sonst haben wir viele wertvolle Spieler, die auch in der Hinrunde gezeigt haben, was sie können", bekräftigt der Coach. Ob bei Langkamps Fehlen Niklas Stark Innenverteidiger spielt, Fabian Lustenberger in die Abwehr rückt und Tolga Cigerci oder Alexander Baumjohann die Rolle im Mittelfeld einnehmen werden: Möglichkeiten haben die Berliner genug. "Die Jungs, die in der Hinrunde nicht so oft gespielt haben, drängen sich im Training auf. Hinzu kommt, dass viele zuletzt verletzten Spieler wieder nah dran sind am Team. Wir werden schon eine Lösung finden", sagt der Coach. Wenn das den Herthanern wie in der Hinrunde gelingt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie das erste Mal seit 2010 einen Rückrunden-Auftakt in der Bundesliga für sich entscheiden.     

Und , wie sagt in diesem Fall der Berliner – da kann man dann nicht meckern...     

(fw/City-Press)

Teams, 21.01.2016
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