16.04.1981: Hertha BSC - SV Werder Bremen 1:2 (1:0)

Datum: 16.04.1981
Spiel: Hertha BSC - SV Werder Bremen
Ergebnis: 1:2 (1:0)
Wettbewerb: Zweitligaspiel
Vorgeschichte: Hertha BSC stand in der ersten Zweitliga-Saison gut da. In der Saison 1980/81 fand die 2. Liga noch zweigeteilt in Nord und Süd statt und unter den 22 Mannschaften im Norden hatte Hertha nach dem 33. Spieltag auf Platz 2 mit 50:16 Punkten und 98:32 Toren eine hervorragende Ausgangsposition für die restlichen neun Spiele. Hinter Hertha stand punktgleich Mitabsteiger Eintracht Braunschweig (78:37 Tore), vor Hertha der zweite Mitabsteiger Werder Bremen (54:12 Punkte, 82:28 Tore). Der Vierte Alemannia Aachen war mit fünf Minuspunkten Rückstand schon etwas abgeschlagen. Das Reglement der Spielzeit sah vor, dass der Tabellenerste direkt in die Bundesliga aufsteigen sollte, während der Zweite zwei Relegationsspiele gegen den Zweiten der 2. Liga Süd auszutragen hatte. Es galt also im Spitzenspiel am 34. Spieltag, Bremen nicht davon- und Braunschweig nicht vorbeiziehen zu lassen.
Spielablauf: Ostern steht vor der Tür. Die Vorverkaufszahlen hatten ja bereits einiges versprochen, doch den Anblick, der sich hier bietet, konnte man nicht erahnen: Das Olympiastadion ist nahezu ausverkauft! Über 70.000 Zuschauer wollen die Spitzenpartie der 2. Liga Nord miterleben und stellen damit einen neuen Zweitligarekord auf.
Die Mannschaften machen sich zum Anpfiff bereit. Auf der Bank der Bremer sitzt noch immer Interims-Trainer Otto Rehhagel, der den bei einem Autounfall verletzten Ex-Hertha-Trainer Kuno Klötzer bis zu seiner Genesung vertritt. Das Spiel beginnt und Bremen versucht, den Ball zu kontrollieren. Mit vier Punkten Vorsprung könnten die Norddeutschen sicher mit einem Unentschieden gut leben. Doch Hertha versucht, Druck aufzubauen. Dickert kommt über links, gibt herein auf Killmaier, der kann aber mit der Flanke nichts anfangen. Dann gibt es Eckball für Hertha. Ziegert kommt an den Ball, er schießt und trifft! Die Zuschauer jubeln, doch der Schiedsrichter hatte bereits abgepfiffen. Das Tor zählt nicht, weiterhin 0:0.
Okudera zum hochverdienten 1:0
Doch jetzt hat Hertha gemerkt, dass die sonst so stabile Werder-Abwehr heute nicht unüberwindbar ist. Remark fasst sich ein Herz und zieht mit dem Ball aufs Tor, Schuss vorbei an Fichtel, doch Burdenski kann sicher parieren. Gleich darauf versucht Wesseler sein Glück, hält auch einfach mal drauf, doch Fichtel lenkt den Ball ins Toraus. Hertha dominiert das Spiel klar und erst nach 20 Minuten kommt Werder zu einer kleinen Chance: Thomas Schaaf kann schießen, doch er haut den Ball weit über das Tor von Quasten in den Abendhimmel. Sofort macht Hertha wieder Dampf. Nach einem missglückten Schuss von Dickert marschiert Mohr über den Platz, kein Bremer kann ihn vom Ball trennen, doch sein Schuss geht daneben.
Die 26. Minute: Mohr legt Wesseler einen Steilpass auf dem linken Flügel vor, der erläuft den Ball, flankt an das rechte Strafraumeck, der Japaner Yasuhiko Okudera zieht volley mit links ab und hämmert den Ball unhaltbar ins lange Eck! Das hochverdiente 1:0 für Hertha BSC! Jetzt will Hertha auch noch das 100. Saisontor erzielen. Nur drei Minuten später kommt Wesseler von der Strafraumgrenze zum Schuss, ein Werderaner wirft sich dazwischen, doch der Ball kommt wieder zu Wesseler, zweiter Versuch, doch wieder ist ein Bremer Abwehrspieler im Weg. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Nach einer halben Stunde geht Ehrmanntraut im Bremer Strafraum zu Boden, doch wieder entscheidet der Schiedsrichter gegen die Berliner und verweigert den Elfmeter.
Chancen über Chancen
31. Minute: Wesseler flankt hoch in den Strafraum, Remark zieht voll ab, Latte! Längst hätte es 2:0 stehen müssen. Kurz vor der Pause dann noch zwei Chancen für die Gäste. Reinders steht klar im Abseits, als er den Ball bekommt, doch der Schiedsrichter lässt weiterspielen. Reinders schießt, aber Quasten kann zum Glück klären. Dann, als eigentlich schon Halbzeit sein müsste, Flanke in den Berliner Strafraum, der ehemalige Herthaner Kostedde köpft zu Reinders, doch Quasten geht großartig dazwischen und klärt vor dem Bremer Angreifer. Nach der ersten Halbzeit hätte die Führung durchaus höher sein können.
Zur zweiten Hälfte kommen beide Mannschaften unverändert aus der Kabine. Hertha beginnt wie schon in Halbzeit eins mit viel Druck. Zwei aussichtsreiche Situationen kann Burdenski mit einer Faustabwehr entschärfen. Wenig später entscheidet sich Mohr in der 57. Minute falsch, als er nach gewonnenem Zweikampf mit Fichtel neben das Tor schießt, statt den Ball in den Strafraum zu flanken. Bremen konnte in den letzten 15 Minuten keine Akzente setzen. Deshalb holt Rehhagel jetzt Schaaf vom Feld und bringt den erst 19jährigen Finnen Rautiainen, den Werder vom FC Bayern ausgeliehen hat.
Reinders per Elfmeter zum 1:1
Nun erwacht Werder Bremen. Möhlmann geht auf Quasten zu und erst im letzten Moment kommt Ehrmanntraut zu Hilfe und kann klären. Gerade noch rechtzeitig! Doch es rollt schon der nächste Angriff: Meier kommt zum Kopfball, Quasten greift völlig daneben, Brück stürzt dem Ball entgegen und rettet auf der Linie - mit der Hand! Dafür sieht er die Gelbe Karte und es gibt Elfmeter für Bremen. Ein ohrenbetäubender Lärm schallt von den pfeifenden Hertha-Fans auf das Spielfeld herab, doch Uwe Reinders verwandelt sicher zum Ausgleich - 1:1! Werder versucht die Berliner Enttäuschung auszunutzen und greift gleich noch einmal an. Wieder ist es Reinders, der völlig freistehend zum Schuss kommt, doch diesmal pariert Quasten weltklasse. So langsam fängt Hertha sich wieder, und wenige Minuten später setzt Dickert zum Gewaltschuss an, den Burdenski aber halten kann.
Auf der anderen Seite ist es wiederum Reinders, der von Brück gerade rechtzeitig gestoppt werden kann. Das Spiel geht jetzt hin und her, aber ohne zwingende Torchance. Als nur noch zehn Minuten zu spielen sind, holt Rehhagel den glücklosen Meier vom Feld und bringt Jank. Uwe Klimaschefski wechselt bei Hertha nicht aus und tatsächlich startet Hertha die Schlussoffensive: Wieder geht Ehrmanntraut in den Strafraum, wieder geht er zu Boden, nachdem Kamp ihn einfach weggerammt hat und wieder gibt es keinen Elfmeter, weil der Schiedsrichter auf indirekten Freistoß entscheidet. Ehrmanntraut führt aus, abgelegt auf Gruler, doch der schießt über das Tor. Sieben Minuten noch. Für Hertha ist der eine Punkt zu wenig. Bremen kommt jetzt nur noch vereinzelt zu Entlastungsangriffen. Kostedde kann im Strafraum einfach schießen, der Ball ist nicht schwer zu halten, doch Quasten wehrt schlecht ab, der eingewechselte Rautiainen scheint das geahnt zu haben, ist schneller am Ball als Quasten, umspielt den Berliner Schlussmann und schiebt ins leere Tor ein zum 1:2!
Ganz Hertha unter Schock
Die Herthaner liegen am Boden und das vollbesetzte Olympiastadion ist mit einem Mal ganz still. Hertha fasst noch einmal Mut, aber die Zuschauer stehen noch unter Schock. Erst in der Nachspielzeit kommt Hertha noch einmal gefährlich vor das Tor. Gruler zielt auf das kurze Eck, doch da steht Kamp und klärt. Aus, das Spiel ist vorbei, Werder gewinnt in Berlin und ist nun schon sechs Punkte weg. Die Zuschauer verlassen völlig enttäuscht das Stadion.
Historische Einordnung: Werder Bremen war der erste Platz in der 2. Liga Nord nach diesem Sieg kaum noch zu nehmen. Hertha musste sich nun möglichst schnell wieder fangen und mit Eintracht Braunschweig um den zweiten Platz kämpfen, um wenigstens die Relegationsspiele zu erreichen. Auch wenn Braunschweig nun erst einmal zwei Punkte vor Hertha stand, hatten die Berliner doch den Vorteil, die Niedersachsen noch zuhause zu empfangen und mit einem Sieg aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses wieder vorbei zu ziehen.
Hertha BSC














