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In Neukölln kannst du alles sein. Auch Herthaner.

Am Samstag (08.12.18) empfängt Hertha BSC die Eintracht aus Frankfurt. Der nächste Bezirks-Spieltag widmet sich Neukölln!

Berlin - Jeder Fan hat diesen Moment gehabt. Diesen Moment, in dem es um einen geschehen war. Diesen Moment, wenn der Fußball einen in seinen Bann gezogen hat. Oft sind es verschwommene und hochstilisierte Kindheitserinnerungen, aber es sind Erinnerungen, die auch nach Jahren und Jahrzehnten klar vor dem inneren Auge auftauchen. Es sind Erinnerungen, die schlicht und ergreifend nichts weniger sind als der Ursprung einer Geschichte. Einer Verbindung, die oft ein Leben lang hält.

Objektiv und rational ist dieser Vorgang nicht zu erklären: Das erste Spiel im atmosphärischen Stadion an der Seite eines Familienmitglieds, ein Spieler, der durch eine Aktion zum persönlichen Helden wird, herausragende Siege, aber auch bittere Niederlagen - alles Szenarien, die Klein und Groß, Jung und Alt zum Fan gemacht haben. Alles Stoff, der gleiches auch in der Gegenwart noch bewirkt. Fußballromantik par exellence – und ein Phänomen, das natürlich auch bei Hertha BSC und seinen Anhängern vorkommt.

Blau-weiß im Kreißsaal

Als Jeanette Grzesiek und Matthias Römer den vermutlich schönsten Moment ihres bisherigen Lebens genossen, war Hertha BSC dabei. Naja, zumindest indirekt. Es war der 17. März des Jahres, Jeanette war hochschwanger und die Wehen nahmen von Minute zu Minute zu. Die Geburt des ersten Kindes war nur noch eine Frage der Zeit. Während das junge Paar im Kreißsaal dem Nachwuchs sehnsüchtigst entgegenfieberte, stand der Hauptstadtclub an diesem Frühjahrssamstag vor dem Auswärtsspiel beim Hamburger Sport-Verein. "Mein Mann war seit seiner Kindheit Hertha-Fan. Als wir 2015 zusammengekommen sind, hat er mich schnell angesteckt mit seiner Leidenschaft. Seitdem habe ich kaum ein Spiel im Olympiastadion verpasst", sagt die 26-Jährige, Vereinsmitglied und Dauerkarteninhaberin - übrigens wie ihr Partner. "Als Ur-Neuköllnerin kam Union ohnehin nie in Frage für mich", stellt die Handelsfachfrau süffisant fest.

Und warum sollte das Paar ausgerechnet das wichtige Spiel beim HSV, der gerade im Kampf um den Klassenerhalt noch einmal den Trainer gewechselt hatte, verpassen? "Matthias hatte sein Handy mit im Kreißsaal. In der ersten Hälfte haben die Wehen ausgesetzt. An das 0:1 kann ich mich also gut erinnern", sagt Jeanette schmunzelnd. Doch dann nahmen die Ereignisse ihren Lauf - im Kreissaal in Neukölln und im Volksparkstadion in Hamburg: Um 16:36 Uhr kam der kleine Heinrich gesund und munter auf die Welt - fast zeitgleich mit dem 1:1 von Valentino Lazaro. Als wenige Zeigerumdrehungen später Salomon Kalou den 2:1-Siegtreffer schoss, war die Freude bei der jungen Familie grenzenlos. "Matthias hat während der Geburt eine Art Liveticker für mich gemacht. Ich bin sicher, dass unser Sohn Hertha ein bisschen Glück gebracht hat", sagt Jeanette lachend. Das blau-weiße Gen ist dem Nachwuchs wahrlich in die Wiege gelegt. Da wundert es auch nicht, dass er bereits in der abgelaufenen Saison gegen Leipzig ein erstes Mal im Stadion war. "Da sind wir ausnahmsweise auf die Gegengerade gegangen. Bei den ersten drei Spielen der aktuellen Saison hatten wir Heinrich, der schon Vereinsmitglied ist, mit uns in der Ostkurve", berichtet die junge Mutter stolz.

André, Heinrich, Jeanette und Matthias (v.l.) vertreten Hertha BSC in Neukölln!

Durch Zufall zum BSC

Dass André Ruschkowski als Siebenjähriger 1985 bei Hertha BSC landete, war eher ein - wie sich schnell herausstellen sollte - glücklicher Zufall. "Mein noch heute bester Freund Robert hat mich gefragt, ob ich mit zum Fußball wollte. Er war Jugendspieler bei Hertha, deshalb bin ich davon ausgegangen, dass er selbst spielt. Stattdessen stand ich auf einmal im Olympiastadion und habe mir Hertha gegen Union Solingen angeschaut", erinnert sich der heute 40-Jährige schmunzelnd. "Für mich war das damals ein tolles Erlebnis. Ich weiß noch, dass ich beim Tor meine erste kleine Bierdusche abbekommen habe", sagt der gebürtige Berliner mit einem Grinsen.  

Der erste Stadionbesuch war für den Reinickendorfer, der inzwischen seit knapp 20 Jahren in Neukölln wohnt, so prägend, dass er dem Hauptstadtclub fortan verfallen war. "Seit 1992 habe ich eigentlich immer eine Dauerkarte besessen. In all den Jahrzehnten habe ich vielleicht fünf bis zehn Heimspiele verpasst. Auch auswärts war ich oft dabei - in allen Ligen, im Pokal und im Europacup", sagt der ehrenamtliche Jugend- und Sozialarbeiter, Mitglied im Fanclub 'Axel Kruse-Jugend'.

Kicken statt kämpfen

In diesem Job gibt er seine Begeisterung für das Spiel mit dem runden Leder an Jugendliche weiter. "Ich organisiere und begleite soziale Projekte mit dem Medium Fußball. Ziel ist es, mit dem Sport Werte und Inhalte an die Jungs und Mädchen zu vermitteln. Im Vordergrund steht dabei stets der Fairplay-Gedanke und das Miteinander", berichtet Ruschkowski, der neben Turnieren unter dem Titel 'BOLZPLATZ CHAMPIONS BERLIN' u.a. auch Elemente des Anti-Gewalttrainings bzw. der Konfliktlotsenschulung anbietet. "Bei uns werden sie dann Bolzplatz-Referee, Fairplay-Scouts oder JuniorCoaches. Ich habe die Erfahrung gesammelt, dass die Eigenmotivation der Jugendlichen im Fußballsport sehr ausgeprägt ist und sie auch gerne Verantwortung übernehmen."

Riesig ist auch die Freude der Heranwachsenden, wenn sie als Belohnung für einen Turniersieg oder eine Kursteilnahme zu den Blau-Weißen ins Olympiastadion gehen dürfen. "Ich bekomme über Hertha regelmäßig Freikarten. 2018 habe ich bestimmt schon um die 200 Kinder mit ins Stadion genommen. Das ist immer eine tolle Sache", freut sich Ruschkowski, der diesen Beruf seit 2005 mit viel Herz und Leidenschaft ausübt.

Hinweis: Wer mehr über die Projekte erfahren möchte, findet weitere Informationen hier.

(fw/City-Press)

Fans, 07.12.2018
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