Bild: privat

Ein thailändisches Krankenhaus in blau-weiß

Hertha-Fans sind überall: Daniel Platzer drückt der 'Alten Dame' aus Graz die Daumen. Für den gebürtigen Berliner, der die Arbeitskleidung der Herthaner in einer Klinik in Thailand verteilte, ist Michael Preetz ein Kindheitsidol.

Berlin - Der Slogan 'Hertha-Fans sind überall' aus dieser Reihe über treue Supporter der 'Alten Dame', die auf dem gesamten Globus verteilt sind, ist für Daniel Platzer aus Österreich nicht nur ein Spruch, sondern auch ein Motto: Denn der 31-Jährige hat während eines Auslandssemesters in Thailand mit der Hilfe von Hertha BSC eine gesamte orthopädische Station in den Farben Blau und Weiß eingekleidet. Platzer wurde 1989 in Berlin-Spandau geboren und bekam, genauso wie auch sein jüngerer Bruder einige Jahre später, von seinem Vater bereits früh die Leidenschaft zum deutschen Hauptstadtclub in die Wiege gelegt.

Das Dreigespann besuchte regelmäßig die Heimspiele im Olympiastadion und sah dabei mitunter unvergessliche Partien. Im November 1999 trafen die Berliner in der UEFA Champions League auf den FC Barcelona. Ein Spiel, das mit 1:1 endete - und wegen seiner Begleitumstände legendär wurde. Denn die meisten Zuschauer bekamen vom Geschehen auf dem Rasen nicht viel mit, da derart dichter Nebel aufzog, dass er den rund 60.000 Zuschauern - unter ihnen auch das Platzer-Trio - die Sicht versperrte. Ein Akteur, der in dieser Begegnung zwar kein Tor erzielte, dafür aber den Rekord für die meisten Tore in der blau-weißen Vereinshistorie hält und sich einen Platz im Herzen des Exil-Herthaners gesichert hat, ist der ehemalige Angreifer und heutige Geschäftsführer Sport Michael Preetz. "Er war für mich und meinen kleinen Bruder immer unser Lieblingsspieler", verrät der Wahl-Österreicher gegenüber herthabsc.de.

Für Daniel Platzer ist Michael Preetz ein Kindheitsidol.

Die Farben Blau und Weiß nach Thailand gebracht

Der gebürtige Berliner war erst elf Jahre alt, als sich die Familie dazu entschied, aus der Hauptstadt der Bundesrepublik in die Heimat des Vaters zu ziehen: ins österreichische Graz. Rund zwei Jahrzehnte ist das inzwischen her, noch immer ist der Ort im Süden der Alpenrepublik Lebensmittelpunkt des Herthaners. "Graz ist eine gemütliche und schöne Stadt, die sehr lebenswert ist", beschreibt der Allgemeinmediziner und Notarzt die Landeshauptstadt der Steiermark.

Platzer begann nach der Schule ein Medizinstudium und machte in dieser Zeit während eines Auslandssemesters in Thailand besondere Erfahrungen. Der begeisterte Skifahrer arbeitete unter anderem für vier Wochen in einem lokalen Krankenhaus. Um es den Patienten so angenehm wie möglich zu machen, kam der Fußballfan auf eine Idee. Weil Hertha BSC im rund 70-Millionen-Einwohner-Land eher weniger bekannt war, kontaktierte der Auswanderer Verantwortliche des Hauptstadtclubs und fragte nach einigen Souvenirs für die Einheimischen.

Gesagt...

"Hertha BSC ist ein Gefühl der Heimat. Wenn ich mit Kumpels nach Berlin komme, ist es wichtig, dass wir uns ein Spiel im Olympiastadion ansehen."

Daniel Platzer

Garage statt Olympiastadion

Die 'Alte Dame' reagierte prompt und sendete einen großen Karton voller Fanutensilien nach Asien. Schätzungsweise 50 Trikots verteilte Platzer im gesamten Krankenhaus und kleidete sowohl die Patienten als auch die Mitarbeitenden mit der Spielkleidung der Blau-Weißen ein. "Ich habe die Zeit genutzt, um die Kinder etwas abzulenken. Insgesamt war es eine sehr interessante und lehrreiche Zeit, sowohl menschlich als auch medizinisch", erklärt der Wahl-Österreicher, der einige Jahre später sein Studium erfolgreich abschloss und mittlerweile den Menschen in seiner Umgebung hilft.

Etwa vier Mal im Jahr nimmt sich der 31-Jährige eine Auszeit für eine Reise in die deutsche Hauptstadt. "Hertha BSC ist ein Gefühl der Heimat. Wenn ich mit Kumpels nach Berlin komme, dann ist es ganz wichtig, dass wir uns ein Spiel im Olympiastadion ansehen", erklärt Platzer. Die Atmosphäre rund um den Spieltag, das gemeinsame Anstoßen, die Klänge der 'Berliner Schnauze' – diese Momente genießt der Exil-Herthaner während seiner Aufenthalte in der Spreemetropole. Aufgrund der Corona-Pandemie und der Spiele vor leeren Rängen müssen sich Platzer und Co. noch gedulden, bis sie dieses Erlebnis wieder spüren können – bis dahin trifft sich der Allgemeinmediziner und Notarzt in Graz gerne auch mal mit seiner Clique in der Garage, in der dann auf einer großen Leinwand das Spiel der 'Alten Dame' läuft.

(pm/privat)

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Fans, 01.12.2020
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