Bild: privat

Die 'Alte Dame' als Kraftspender

Hertha-Fans sind überall: Daniel Schulz ist Exil-Herthaner im finnischen Helsinki. Die Liebe zum Hauptstadtclub hat dem 43-Jährigen durch eine schwere Zeit geholfen.

Berlin - Das Tor nach Hause, ein Sehnsuchtsort oder auch eine neue Leidenschaft - Hertha BSC bietet für Exil-Herthaner zahlreiche Funktionen. Für Daniel Schulz, der den Blau-Weißen von Finnland aus die Daumen drückt, ist die 'Alte Dame' ein Kraftspender, denn der Auswanderer hat eine bewegende Vergangenheit hinter sich. Der 43-Jährige wuchs in Berlin-Neukölln auf, sein Vater hielt es damals mit Blau-Weiß 90 Berlin, während die Mutter treue Anhängerin des Hauptstadtclubs war. Eines Tages nahm sie den jungen Fußballfan sowie dessen Bruder mit ins Olympiastadion. "Das erste Mal Hertha BSC und die Stimmung der Fans live zu erleben - danach war es einfach um mich geschehen", beschreibt der Exil-Herthaner seinen ersten Kontakt mit der 'Alten Dame' im Gespräch mit herthabsc.de.

Von dem Moment an übernahmen die Blau-Weißen eine wichtige Rolle im Leben des gebürtigen Berliners, die bis heute Bestand hat. Im Teenager-Alter nahm 'Danny' die falsche Ausfahrt und geriet auf die schiefe Bahn. Alkohol und Drogen bestimmten lange den Alltag des Herthaners, der zwischenzeitlich sogar ins Heim kam. 1994 landete der Herthaner in einer Pflegefamilie in Portugal und lebte im Süden des Landes in Portimão an der Algarve. Die Ergebnisse der Blau-Weißen erfuhr Schulz damals lediglich aus der Zeitung. Der Jugendliche sollte ursprünglich nur für ein Jahr auf der iberischen Halbinsel bleiben, stattdessen wurden es drei. In seiner Zeit in Portugal lernte der gebürtige Berliner eine Finnin kennen und lieben, sie wurde später die Frau und Mutter der zwei Töchter des Exil-Herthaners. Heute leben die Zwei zwar getrennt, doch 1997 entschied sich das Liebespaar nach der Rückkehr aus Portugal für eine gemeinsame Zukunft - außerhalb Berlins. Die Wahl fiel schlussendlich auf das naturbelassene Finnland.

'Danny' hat in einem Randbezirk in der Hauptstadt Helsinki seinen neuen Lebensmittelpunkt gefunden, seit inzwischen über zwei Jahrzehnten lebt der Wahl-Finne dort. "Das Leben hier ist nicht so stressig und die Natur ist wunderschön", erklärt der Hobby-Angler, der nach dem Standortwechsel und einem kalten Entzug seit über 20 Jahren nicht mehr abhängig von Drogen ist. Aktuell ist der 43-Jährige aufgrund einer Krankheit arbeitsunfähig, zuletzt war Schulz noch als LKW-Fahrer tätig und probierte sich davor in diversen Berufen aus.

Gesagt...

"Das erste Mal Hertha BSC und die Stimmung der Fans live zu erleben - danach war es einfach um mich geschehen."

Daniel Schulz

Den Bezug zu seiner Heimat und der 'Alten Dame' hat der Familienmensch über all die Jahre nie verloren. In der Vergangenheit reiste 'Danny' an den Wochenenden immer mal wieder in die deutsche Hauptstadt und stattete den Blau-Weißen selbstverständlich einen Besuch ab. Der Exil-Herthaner zeigte dabei Familienmitgliedern oder Freunden häufig die blau-weiße Welt. Doch nicht nur das Olympiastadion war Ziel seiner Reisen, auch auf Auswärtsfahrten ging der Wahl-Finne.

Erster OFC in Finnland in Planung

Eine Partie in Leverkusen im Mai 1998 blieb dem Herthaner besonders im Gedächtnis. Die Spreeathener gewannen durch ein Tor von Kjetil Rekdal mit 1:0 und feierten nicht nur den Sieg gegen die 'Werkself', sondern auch den vorzeitigen Klassenerhalt in der Saison 1997/98. Ein anderes Highlight stellte eine Begegnung in Dortmund im November 2006 dar, bei der die mitgereisten blau-weißen Anhänger am Hauptbahnhof bereits von den Schwarz-Gelben fröhlich empfangen und mit dem einen oder anderen Kaltgetränk begrüßt wurden. Darüber hinaus erinnert sich Schulz immer wieder gerne an das Heimspiel gegen den SC Paderborn im April 2015 zurück, bei dem der Familienvater seine jüngste Tochter erstmals mit ins Olympiastadion nahm.

An solche Reisen ist momentan nicht zu denken. Nicht nur wegen der derzeitigen Corona-Pandemie, sondern auch der anhaltenden Krankheit ist der Exil-Herthaner momentan eingeschränkt, dennoch hat Schulz große Pläne für die Zukunft: Der gebürtige Berliner möchte mit 'Suomen Hertha Klubi' den ersten blau-weißen OFC in Finnland gründen und den Hauptstadtclub in Skandinavien bekannter machen. Unter den insgesamt sechs Teilnehmern sind auch Freundin Anne sowie Stiefsohn Niko. Neben den bereits bestehenden Fanclubs 'Dänische Berliner' und 'Hertha Fanclub Schweden' könnte somit zukünftig eine dritte Fangemeinschaft in die Reihe zustoßen und den blau-weißen Bekanntheitsgrad in Skandinavien vergrößern.

(pm/privat)

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Fans, 30.07.2020
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