Bild: privat

Jährlicher Besuch im Olympiastadion ein Muss

Hertha-Fans sind überall: Simeon Ganchev ist Exil-Herthaner im schottischen Aberdeen. Bei einem Besuch im Sommer 2013 eroberte der Hauptstadtclub das Herz des Studenten aus Großbritannien.

Berlin - Für viele ist der Fußball die schönste Nebensache der Welt, für manch anderen nur eine einfache Sportart. Dieser Irrglauben ändert sich meist mit dem ersten Stadionbesuch. So geschehen auch bei Simeon Ganchev. Der gebürtige Bulgare zog im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie nach Tampere ins kalte Finnland - die Nationalsportart der Skandinavier: Eishockey. Die Voraussetzungen für die Faszination zum runden Leder waren also alles andere als optimal. Das bestätigt auch der 21-Jährige, der seit 2018 in Schottland lebt, im Gespräch mit herthabsc.de. "Die Qualität des finnischen Fußballs ist nicht wirklich gut und Tampere hatte damals keine Mannschaft in den höchsten Ligen." So bedurfte es erst einen Ausflug in die deutsche Hauptstadt, um die Begeisterung für den Fußball zu entdecken.

Im August 2013 machte Simeon mit seinem Vater einen Urlaubstrip in die Spreemetropole. Auf dem Programm stand unter anderem ein Stadionbesuch bei Hertha BSC. Das Duo zählte zu den fast 65.000 Zuschauerinnen und Zuschauern, die an diesem Samstagnachmittag das Team von Jos Luhukay im Duell mit dem Hamburger SV unterstützten. Lange Zeit sah es nach einem torlosen Remis aus, bis Adrian Ramos eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff die Fans der Blau-Weißen erlöste. Das Stadion der Hauptstädter explodierte und mittendrin der damals 14-Jährige. "Ich kannte eine solche Atmosphäre bislang nicht. Das Team und die Stimmung waren einfach unglaublich", erinnert sich Ganchev an sein Stadiondebüt zurück.

Simeon Ganchev beim Spiel gegen den SC Freiburg in der Saison 2016/17.

Liebe zur Stadt und zum Verein

Der Funken sprang über und der Sportfan besuchte seitdem "ein Dutzend Fußballspiele" des Hauptstadtclubs. "Mein Vater und ich bereisen seit 2013 jährlich Berlin, um bei mindestens einem Heimspiel in der Saison dabei zu sein", erzählt der Anhänger der 'Alten Dame'. Da ist es dann auch von Vorteil, dass der Exil-Herthaner an der Stadt großen Gefallen gefunden hat. Die Stadionbesuche mit seinem Vater verbindet der Fußballfan mit mehrtägigen Aufenthalten in Berlin, das ihn besonders wegen seiner "einzigartigen Kultur und Vielfalt" beeindruckt. Zwei Partien blieben ihn dabei in besonderer Erinnerung. Zum einen der Saisonauftakt 2016/17 gegen den SC Freiburg, als die Spreeathener durch ein Last-Minute Tor von Julian Schieber den Sieg feierten, zum anderen das Pokal-Achtelfinale gegen den FC Bayern München in der Saison 2018/19. Nach hartem Kampf mussten sich die Berliner erst in der Verlängerung dem späteren Pokalsieger geschlagen geben.

Es war das bis dato letzte Spiel, das der Fan hautnah in der Heimspielstätte der Blau-Weißen miterleben konnte. In der vergangenen Spielzeit machte es die Corona-Pandemie für Ganchev unmöglich, gegen Ende der Saison noch bei einem Heimspiel von Hertha BSC dabei zu sein. Erstmals nach sieben Jahren sah der 21-Jährige damit keine Partie an der Spree. Die Begegnungen im TV zu verfolgen, waren für den glühenden Anhänger nur ein schwacher Trost. "Es macht mich traurig, die vielen leeren Plätze im Stadion zu sehen. Ich freue mich darauf, wenn wieder mehr Fans in den Stadien erlaubt sind und ich wieder mit meinem Vater sowie tausend weiteren Herthanerinnen und Herthanern das Team von der wunderbaren Ostkurve aus anfeuern kann", offenbarte der Student seine aktuelle Gefühlslage.

Gesagt...

"Ich bekomme jedes Mal Gänsehaut, wenn ich das Stadion besuche, die Tribüne betrete und den Glockenturm sehe."

Simeon Ganchev

Das Fußballfieber hat den Herthaner auch in seine schottische Wahlheimat begleitet. In Aberdeen an der Küste, wo er Wirtschaftswissenschaften studiert, schaut er auch mit seinen Freunden regelmäßig bei den Begegnungen des dort ansässigen Erstligisten FC Aberdeen vorbei - sofern Hertha BSC nicht zeitgleich im Einsatz ist. Dann nämlich genießt die Elf von Bruno Labbadia selbstverständlich Vorrang und der Exil-Herthaner sitzt gebannt vor dem Fernsehen, um jedes Tor seines Herzensvereins zu bejubeln.

Bulgarien, Finnland und nun also Schottland – seinen Lieblingsort hat der Fußballfan aber schon lange in Deutschland gefunden: die Ostkurve im Olympiastadion. "Ich bekomme jedes Mal Gänsehaut, wenn ich das Stadion besuche, die Tribüne betrete und den Glockenturm sehe", verrät Ganchev, dessen Plan nach seinem Studium abschließend nicht wirklich überrascht: "Wenn es möglich ist, würde ich gerne für längere Zeit nach Berlin, um Woche für Woche unsere Mannschaft im Stadion zu unterstützen."

(mb/privat)

Schlägt dein blau-weißes Herz ebenfalls im Ausland? Dann melde dich mit deiner Geschichte per Mail unter redaktion@herthabsc.de.

Fans, 16.10.2020
Newsletter
Social
Werbung