Bild: herthabsc

'Aus der eigenen Geschichte lernen' in Polen

Die Teilnehmer der diesjährigen Gedenkstättenfahrt besuchten die ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz. Am Freitag (08.06.18) steht ein Zeitzeugengespräch in Kraków an.

Oświęcim – Auf dem Platz eines örtlichen Drittligisten spielten die Teilnehmer der diesjährigen Gedenkstättenfahrt am vergangenen Mittwochnachmittag (06.06.18) Fußball und Boule – um runterzukommen und die Köpfe frei zu bekommen. Zu verarbeiten hatten alle Beteiligten schließlich so einiges: Am Dienstag (05.06.18) hatten sie das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz I, am Mittwoch das einstige Vernichtungslager Auschwitz II - Birkenau besucht. In Birkenau ist ein Großteil der über eine Million - vor allem jüdischen - Opfer von Auschwitz ermordet worden. Vor einem vierstündigen Rundgang über das unfassbar riesige Gelände in Birkenau legten die Fans von Hertha BSC und dem Karlsruher SC an der 'Alten Judenrampe' Blumen und ein gerahmtes Bild nieder, das die Aufschrift trägt: "Wir gedenken Julius Hirsch & Hermann Horwitz sowie allen Verfolgten und Ermordeten des Nationalsozialismus. Euer Leben und Sterben sind Mahnung und Auftrag für uns." An dieses alte Nebengleis des örtlichen Bahnhofs waren vor 75 Jahren, im März und April 1943, innerhalb von wenigen Wochen sowohl Herthas damaliger Mannschaftsarzt Hermann Horwitz als auch der Karlsruher Fußballer Julius Hirsch deportiert worden. Es ist der einzige Ort im riesigen Lagerkomplex von Auschwitz-Birkenau, von dem man sicher sein kann, dass beide dort gewesen sind.

Bild und Blumen: Im Gedenken an alle, die den Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

"Dimensionen der NS-Verbrechen erahnen"

"Ich hatte zwar schon viel über die Geschichte des Dritten Reiches gehört und recherchiert, aber dank der Gedenkstättenfahrt habe ich die Gelegenheit, mich noch intensiver mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen. Nur wenn man diese Stätte der Vernichtung selbst sieht, kann man erahnen, welche Dimensionen die Verbrechen der Nationalsozialisten angenommen haben", fasste Hertha-Fan Kai Mettke-Pick seine Eindrücke zusammen.

Doch während die Besuche der Gedenkstätten zweifelsohne im Zentrum der Fahrt stehen, geht es um weit mehr als das. "Wir wollen den Teilnehmern sowohl die Geschichte der Stadt Oświęcim näherbringen, die stark von der jüdischen Gemeinde geprägt ist, als auch das heutige Leben hier ein Stück weit kennenlernen. Es ist unser Anspruch, den Leuten ein umfängliches Bild von dem Ort zu vermitteln – aus den verschiedensten Perspektiven", erklärte Juliane Röleke, die verantwortliche Historikerin und Vereinsarchivarin von Hertha BSC.

Zeitzeugengespräch am Samstag

Am Donnerstag (07.06.18) wird die Gruppe den dritten Teil des ehemaligen Lagers, Auschwitz-Monowitz, besichtigen. Thematisch wird an diesem Tag das Verhältnis zwischen Privatwirtschaft und Nationalsozialismus im Mittelpunkt stehen: Die 'I.G. Farben', der größte deutsche Chemiekonzern jener Zeit, errichtete in Monowitz das einzige von einem Privatunternehmen betriebene Konzentrationslager und war für den Tod zehntausender Häftlinge (mit-)verantwortlich. Auch Hermann Horwitz musste für kurze Zeit in Monowitz Zwangsarbeit leisten, bevor er als Häftlingsarzt ins Stammlager Auschwitz I überstellt wurde. Am Freitag (08.06.18) reisen die Teilnehmer dann nach Kraków, wo sie am Samstag (09.06.18) eine Zeitzeugin treffen werden, die als junges Mädchen mithilfe ihrer Mutter durch die Kanalisation aus dem Krakauer Ghetto fliehen konnte und in einer katholischen Familie Obhut fand.

(af/HerthaBSC)

Fans, 05.11.2018
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