Bild: Herthabsc

Auftakt von 'Hertha entlang der Mauer'

Am Sonntag (18.08.19) radelten die ersten Herthaner zu Fußballorten des ehemals geteilten Berlins.

Berlin – Es mag für den einen oder anderen Fußgänger ein etwas schräger Anblick gewesen sein: Eine Gruppe von etwa 20 Leuten stand am Sonntagnachmittag (18.08.2019) mit geschlossenen Augen an der S-Bahn-Mauer in der Norwegerstraße und lauschte den Jubelgeräuschen aus einer Musikbox. In Gedanken blickten sie Richtung Gesundbrunnen. Dorthin, wo damals der Hertha-Platz war. In dem Moment sahen sie genauso viel wie die 'blinden' Hertha-Fans, die sich hier zu einigen Hundertschaften nach dem Mauerbau 1961 einfanden, um zumindest noch hören zu können, wie ihre Hertha in der 'Plumpe' spielte. Bis 1963, mit der Einführung der Bundesliga und dem Umzug des Hauptstadtclub ins Olympiastadion, versammelten sich hier in Prenzlauer Berg die Ost-Berliner Fans der Blau-Weißen und verfolgten die Akustik-Version der Heimspiele ihres Vereins. Ab und zu, so berichteten ehemalige Spieler und Trainer, sollen die Anfeuerungsrufe der Anhänger hinter der Mauer sogar wahrnehmbar gewesen sein.

Lauschen hinter der Mauer

Die Station an der Norwegerstraße war eine von fünf, die die Gruppe von Herthanern auf der Fahrradtour 'Hertha entlang der Mauer' anfuhr. Bei der ersten von insgesamt sechs Touren lernten die Teilnehmenden die wichtigsten Hertha-Orte zur Zeit der deutsch-deutschen Teilung kennen. "Ich freue mich sehr, dass wir hier eine andere Form der Darbietung von Geschichte gefunden haben", meint Dr. René Wiese, der als Fußballhistoriker am Zentrum Deutsche Sportgeschichte die Fahrt leitete. "Man sieht hier, dass Hertha nicht nur eine sportliche Geschichte hat, sondern dass es auch eine sportpolitische im kalten Krieg gibt, die ganz stark mit der Teilung Berlins verbunden ist", so der Guide weiter, der mittlerweile seit 20 Jahren zur Hertha-Geschichte forscht.

Neben der Gedenkstätte Bernauer Straße besuchten die Herthaner außerdem das Poststadion, wo die Blau-Weißen zu Drittliga-Zeiten kickten und wo 1955 auch zum einzigen Mal in der Zeit der Teilung eine Gesamtberliner Stadtauswahl antrat. Dort, wo die Fanfreundschaft zwischen Hertha und Union Berlin gelebt wurde und es einst "Hertha und Union – eine Nation" von den Rängen schallte. "Die Fanszenen von Union und Hertha legen ja sehr viel Wert auf Tradition. Die Fanfreundschaft zwischen den beiden Clubs ist ein wesentlicher Bestandteil der eigenen Geschichte - sie ist nicht wegzudenken", berichtet der West-Berliner Zeitzeuge Knut Beyer.

Erinnerungen schaffen

Am ehemaligen Hertha-Platz in der Behmstraße erinnert kaum noch etwas an das Stadion 'Plumpe'. Nur Originalfotos und von René Wiese erzählte Geschichten, etwa zum Stadionbau, und dem berühmten "Hammer- und Zirkelspiel" 1960, rufen Vorstellungen hervor.

Zum Gleimtunnel und schließlich zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark radelte die Gruppe anschließend, wo die zweieinhalbstündige Zeitreise endete. "Die Mauergeschichte habe ich selber erlebt, ich bin rübergefahren zu Union oder zu Spielen im Europapokal. Man weiß generell noch sehr wenig über die Zeit. Gut, dass wir das nun an authentischen Stellen erfahren und selbst erleben konnten", bilanzierte der Fan Bert Handschuhmacher, der mitfuhr.

Über das Projekt: 'Hertha entlang der Mauer' ist eine Fahrradtour, die Hertha BSC anlässlich des bevorstehenden 30. Jahrestages des Mauerfalls in Kooperation mit der Gedenkstätte Berliner Mauer für seine Fans anbietet. Aufgrund der großen Nachfrage sind die weiteren Tour-Termine bereits komplett ausgebucht. Eventuell werden noch Zusatztermine angeboten.

(lb/HerthaBSC)

Fans, 20.08.2019
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