Bild: Herthabsc

Abschied blau-weißer Identifikationsfiguren

Salomon Kalou, Per Skjelbred, Thomas Kraft, Alexander Esswein, Marius Wolf und Marko Grujic verlassen den Hauptstadtclub am Saisonende. herthabsc.de sagt: Danke, Männer!

Berlin - Legende, Idol oder auch Ikone: Es gibt zahlreiche heldenhafte Bezeichnungen, um den errungenen Status eines Sportlers zu würdigen. Dabei zielen alle Begrifflichkeiten auf ein außergewöhnliches Wirken einer Person ab – über einen langen Zeitraum und als Verkörperung bestimmter Werte, die zu Verehrung und Bewunderung führen. Drei Musterbeispiele sind dafür zweifelsohne Salomon Kalou, Per Skjelbred und Thomas Kraft. Die drei Fußballprofis standen in den vergangenen Jahren wie kaum jemand sonst für den Hauptstadtclub und entwickelten sich zu absoluten blau-weißen Identifikationsfiguren. In diesem Sommer enden ihre Ären nach 2.130, 2.430 und 3.287 Tagen an der Spree.

Die Beziehung zwischen Salomon Kalou und Hertha BSC begann am 31. August 2014. Der damals 29-jährige Angreifer, ausgestattet mit der Erfahrung aus 156 Premiere League-Spielen für den Chelsea FC (36 Tore) und 67 Ligue 1-Partien für den OSC Lille (30 Treffer), wechselte vom französischen Erstligisten aus dem Norden Frankreichs nach Berlin. Von Beginn an stellte der Ivorer in der Hauptstadt seine Qualitäten – vor allem vor dem gegnerischen Gehäuse – unter Beweis. Gleich in seinem dritten Einsatz traf der WM-Teilnehmer von 2010 und 2014 zum 1:0-Siegtreffer gegen Wolfsburg. Zwei Partien später erzielte der 1,84-Mann seinen ersten Doppelpack in der Bundesliga. In der darauffolgenden Spielzeit glänzte der Africa-Cup-Sieger von 2015 wettbewerbsübergreifend mit 17 Treffern – darunter ein Hattrick gegen Hannover 96. Dieser positive Eindruck des treffsicheren Offensivspielers verfestigte sich in den weiteren Spielzeiten immer mehr. Insgesamt erzielte der viermalige englische Pokalsieger in 173 Spielen 53 Treffer und leistete 16 Vorlagen für die Elf von der Spree. Mit dieser Anzahl an Erfolgserlebnissen belegt Kalou den 11. Platz in der blau-weißen Rekordtorschützenliste, mit 48 Bundesliga-Treffern sogar den fünften Rang im Ranking der treffsichersten Bundesliga-Spieler von Hertha BSC. Neben seiner Abschlussstärke überzeugte Herthas Nummer 8 auf dem Platz auch mit Disziplin und Fair Play. In seiner sechsjährigen Amtszeit beim Hauptstadtclub flog der Torjäger nicht ein einziges Mal vom Platz, lediglich sechs Gelbe Karten stehen in der Bilanz. Darüber hinaus beeindruckte der mittlerweile 34-Jährige mit enormer Herzlichkeit und Menschlichkeit außerhalb des Spielfeldes. Dieses Verhalten hievte den Stürmer schnell zum blau-weißen Publikumsliebling bei den Fans und zum Sympathieträger bei Mitspielern und Verantwortlichen empor. Nun trennen sich nach 2.130 Tagen die Wege von Kalou und Hertha BSC. "Ich hatte eine fantastische Zeit bei Hertha BSC mit tollen Mitspielern, Verantwortlichen und Fans – die ich alle sehr respektiere. Dennoch tut es mir nach wie vor sehr leid, was zum Schluss passiert ist. Dieses Ende spiegelt überhaupt nicht meine Zeit bei Hertha BSC wieder", sagt 'Sala' zum Abschied. 

Norwegischer Mittfeldmotor und blau-weißer Sympathieträger

Die Ära von Per Skjelbred beim Hauptstadtclub dauerte sogar noch 300 Tage länger. Der Norweger kam bereits zur Saison 2013/14 an die Spree – auf Leihbasis vom Hamburger SV. Nach 28 Begegnungen (zwei Treffern, sieben Vorlagen) in seiner Premierensaison wechselte der Blondschopf zur folgenden Saison endgültig zu Hertha BSC und gehörte fortan zu den unumstrittenen Leitfiguren. Der defensive Mittelfeldspieler zog durch seine unangefochtene Leistungsbereitschaft mit voller Leidenschaft und purem Willen die Anhängerinnen und Anhänger der 'Alten Dame' im Eiltempo auf seine Seite. Der Mittelfeldmotor war sich für keinen Zweikampf zu schade und ackerte für jeden Zentimeter. Diese Einstellung verhalf ihm schnell den Sprung zu den blau-weißen Führungsspielern – und ermöglichte ihm einen dauerhaften Stammplatz. Dieser brachte dem 33-Jährigen eine Einsatzzeit von 15.563 Spielminuten und 197 Auftritte für Hertha BSC, womit er in der ewigen Rangliste der Profis mit den meisten Partien für die Spreeathener auf Platz 22 liegt. Auch abseits des Platzes genießt Skjelbred hohes Ansehen bei Fans, Mitspielern und Verantwortlichen. Durch soziales Engagement bei unzähligen Aktionen und Veranstaltungen sowie durch sympathisches und bodenständiges Auftreten im blau-weißen Alltag zählte Herthas Nummer 3 zu den absoluten Führungspersönlichkeiten. Nun kehrt der 43-malige norwegische Nationalspieler zurück in seine Heimat nach Trondheim. "Heutzutage sind sieben Jahre in einem Verein eine verdammt lange Zeit. Ich habe das sehr genossen. Meine Kinder sind hier in Berlin aufgewachsen, das hat für uns als Familie natürlich auch eine große Bedeutung. Berlin ist es etwas Besonderes für mich. In ein paar Tagen einfach 'Tschüss' sagen, fühlt sich schon seltsam an", unterstreicht 'Schelle' in seinem abschließenden Interview die Bedeutung der Hauptstadt für ihn persönlich.

Dienstältester Herthaner und 46 Mal zu Null

Ein ebenso ungewohntes Gefühl wird es für alle Blau-Weißen sein, wenn sie beim Blick auf das neue Mannschaftsfoto der kommenden Spielzeit Torwart Thomas Kraft nicht mehr entdecken werden. Der 31-Jährige hütete seit Juli 2011 das Berliner Gehäuse und ist mit seiner neunjährigen Amtszeit an der Spree der dienstälteste Akteur im Aufgebot der 'Alten Dame'. Nach 19 Profi-Spielen für den FC Bayern München kam der damals 23-jährige Keeper in die Hauptstadt und wurde auf Anhieb Stammtorhüter. So stand Kraft in seiner ersten Spielzeit in allen 34 Bundesliga-Partien im Kasten. Diese Rolle als Nummer 1 bekleidete der 1,87-Mann in den folgenden drei Spielzeiten. Dabei hatte der Torhüter nach dem Abstieg 2012 durch starke Leistungen einen gehörigen Anteil am direkten Wiederaufstieg ins deutsche Oberhaus. In der Saison 2015/16 verlor der Rechtsfuß seinen Stammplatz jedoch an Rune Jarstein und kam in Folge nur noch zu vereinzelten Auftritten auf dem Grün. Dennoch tat das der Leistungsbereitschaft und dem Einsatz des ehemaligen UEFA Champions League-Teilnehmers in der täglichen Trainingsarbeit keinen Abbruch. Der Schlussmann stellte sich stets vorbildlich in den Dienst der Mannschaft. Durch dieses Auftreten erlangte er große Anerkennung bei allen Beteiligten. In der abgelaufenen Runde stand Kraft in fünf Partien im Tor, insgesamt waren es in seiner 3.287-tägigen Zeit 159 Begegnungen – 46 davon zu null. Weitere Partien mit der blau-weißen Fahne auf der Brust werden nun nicht mehr hinzukommen.

Auch 'Essi' sagt Tschüss, Leihspieler gehen zurück zu ihren Clubs

Auch Alexander Esswein, Marko Grujic und Marius Wolf werden nicht mehr in den Genuss kommen, das Jersey des Hauptstadtclubs überzustreifen. Esswein, der mit Ausnahme der Rückrunde 2018/19 seit 2016 für Hertha BSC auf Torejagd ging, lief 60 Mal für die Spreeathener auf und erzielte dabei fünf Treffer (sechs Vorlagen). Außerdem steuerte 'Essi' in acht Partien für Herthas U23 in der Regionalliga Nordost zwei Tore und eine Vorlage bei. Neben dem Außenbahnspieler verlassen mit Marko Grujic und Marius Wolf auch zwei ausgeliehene Akteure die Blau-Weißen. Nach zwei Spielzeiten auf Leihbasis, in denen Grujic in 54 Auftritten neun Treffer und drei Assists markierte, kehrt Herthas Nummer 15 zum deutschen Übungsleiter Jürgen Klopp und zum Liverpool FC, der am Donnerstagabend (25.06.20) die 30. englische Meisterschaft eintütete, zurück. Ebenso geht auch Marius Wolf zurück zu seinem Stammverein – in den Ruhrpott zu Borussia Dortmund. Der Blondschopf war am letzten Tag der vergangenen Sommer-Transferperiode vom BVB an die Spree gewechselt. Bis zur Corona-Pause stand der Offensivspieler in 21 möglichen Bundesliga-Partien 20 Mal auf dem Platz, darüber hinaus spielte Wolf zwei Mal im DFB-Pokal. Dabei gelangen dem 25-Jährigen insgesamt sechs Torbeteiligungen (ein Treffer, fünf Vorlagen). Zuletzt hinderte ihn eine Verletzung daran, gemeinsam mit seinen Teamkameraden auf dem Rasen zu stehen.

Am Sonntagmittag (28.06.20) verabschiedeten sich die sechs Herthaner im Rahmen einer 'Hertha030'-Sondersendung offiziell vom Hauptstadtclub. Thomas Kraft konnte aus persönlichen Gründen bei der Verabschiedung nicht dabei sein. Salomon Kalou fühlt sich mit der Situation noch nicht wirklich wohl. Für 'Sala' ist es noch nicht der richtige Zeitpunkt, sich in dem Kreis zu verabschieden. Das möchte er aber zu einer späteren Zeit nachholen.‬ HerthaTV hat die vollständige Sendung im Video.

herthabsc.de wünscht allen sechs scheidenden Herthanern sportlich und persönlich für die Zukunft nur das Beste, viel Gesundheit und sagt: Danke, Männer! 

(sj/HerthaBSC)

                  
Intern, 28.06.2020
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