Bild: citypress

"Die Mannschaft kontinuierlich weiterentwickeln!"

Sofian Chahed spricht über seine ersten Eindrücke aus Potsdam, den geglückten Auftakt und Ziele mit Turbine sowie den engen Draht zu Hertha BSC.

Berlin – Es ist eine verbreitete Weisheit im Fußball, dass es einen Spieler oft noch einmal zusätzlich weiterbringt und prägt, wenn er sich aus einem gewohnten in ein neues, unbekanntes Arbeitsumfeld wagt. Auch für junge Trainer erweist sich dieser Schritt oft als wichtig für die eigene Entwicklung. Coaches können neue Eindrücke gewinnen und bereits vorhandenes Wissen einsetzen, sodass beide Parteien von der Zusammenarbeit profitieren. Sofian Chahed wagte nach einem Jahrzehnt bei Hertha BSC im Juni 2020 den Sprung vom Nachwuchstrainer in der Akademie zum Cheftrainer bei Kooperationspartner Turbine Potsdam und gewann bisher nicht nur hervorragende Eindrücke, sondern auch sein erstes Spiel gegen die TSG Hoffenheim (3:1). "Mein sehr guter erster Eindruck hat sich in den vergangenen Wochen weiter gefestigt, meine Vorstellungen sind sogar übertroffen worden. Der Job macht mir sehr viel Spaß, ich bin sehr zufrieden", zeigt sich der ehemalige blau-weiße Profi im Gespräch mit herthabsc.de begeistert. Im Interview spricht Chahed über Unterschiede zu seinem vorherigen Job, den nach wie vor engen Draht zum Hauptstadtclub und seine Ziele mit dem Bundesligisten aus Brandenburg.

herthabsc.de: Sofian, Glückwunsch zu deinem gelungenen Auftakt mit Turbine! Inzwischen hast du nicht nur dein erstes Liga-Spiel mit den Potsdamerinnen absolviert, sondern auch schon einige Wochen mit deiner neuen Mannschaft arbeiten können. Wie bewertest du die bisherige Zusammenarbeit?
Chahed: Vielen Dank! Ich habe wirklich einen sehr guten ersten Eindruck bekommen, der sich in den vergangenen Wochen weiter gefestigt hat. Meine Vorstellungen, mit denen ich diesen Job angetreten habe, sind sogar übertroffen worden. Die Spielerinnen sind technisch und taktisch deutlicher weiter als die Junioren in der U15 oder U16. Der Job macht mir sehr viel Spaß, ich bin sehr zufrieden.

herthabsc.de: Neben Taktik und Technik - welche Unterschiede hast du zwischen deinem alten und deinem neuen Job bislang noch ausgemacht?
Chahed:
Die Vorbereitung war sehr intensiv, das Arbeitspensum ist auf jeden Fall im Vergleich zu meiner Tätigkeit im Jugendbereich gestiegen. Das hängt auch mit der Trainingsgestaltung zusammen. Die Vorbereitung, aber auch die jetzigen Einheiten, plane und bespreche ich sehr detailliert mit meinem Co-Trainer Dirk Heinrichs, Athletiktrainer Eric Steinborn und Torwarttrainer Kristian Nicht. Wir wollen uns immer professioneller aufstellen und weiterentwickeln. Die Strukturen sind zwar nicht mit denen von Hertha BSC zu vergleichen, aber wir haben hier viel Potenzial.

Zufriedener Chef: Sofian Chahed klatscht mit Angreiferin Selina Cerci ab.

herthabsc.de: Das habt ihr direkt zum Start bewiesen – deine Mannschaft konnte die TSG Hoffenheim mit 3:1 bezwingen. Inwiefern hat der geglückte Start eure Erwartungshaltung und Zeilsetzung beeinflusst? 
Chahed: Im Vorjahr sind wir Vierter geworden, Hoffenheim Dritter. Mit der TSG sehen wir uns auf Augenhöhe, an der Spitze stehen natürlich der VfL Wolfsburg und Bayern München. Dazu kommt jetzt nach Fusion aus dem 1. FFC Frankfurt und Eintracht Frankfurt ein neuer Kontrahent. Für viele Teams, besonders für die Aufsteiger, geht es dagegen nur um den Klassenerhalt. Deswegen erwarte ich schon ein Leistungsgefälle innerhalb der Liga, die wir selbstverständlich bestmöglich abschließen wollen. Perspektivisch ist es unser Ansporn, die Lücke zu den beiden Topteams zu schließen. Finanziell wird das nicht gelingen, aber sportlich in 90 Minuten wollen wir das schaffen. Ziel ist es, die Mannschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln und die Spielerinnen individuell und mannschaftstaktisch zu verbessern. Dazu gehört auch, dass wir die Spielerinnen ermutigen, als Persönlichkeit zu wachsen, wenn sie beispielsweise Verantwortung auf dem Platz übernehmen oder Ansprachen in der Kabine halten. Davon profitiert das Gefüge dann am Ende natürlich auch. Wir unterstützen diesen Prozess so gut wie es geht mit vielen Gesprächen, Analysen und natürlich im Training.

Gesagt...

"Der Kontakt zu Hertha BSC ist nach wie vor sehr eng. Von diesem Austausch profitiere ich sehr!"

Sofian Chahed

herthabsc.de: Und auf dem Platz: Wie lässt du dein Team spielen?
Chahed:
 Ich möchte meine Mannschaft variabel einstellen, um auf die erwähnte Leistungsdichte einzugehen. Dazu brauchen wir mehrere Spielstile. Gegen defensiv eingestellte Gegner wollen wir hoch angreifen, den Ball schnell erobern und kurze Weg zum Tor haben. Wir müssen aber auch lernen, Geduld zu haben und mit schnellen Spielverlagerungen Lücken aufzureißen. Meppen, der kommende Gegner am Wochenende, ist ein Aufsteiger. Da könnte es genau zu so einem Spiel kommen. Gegen die Topteams wird es darauf ankommen, gut zu verteidigen und schnell umzuschalten.  

herthabsc.de: Nicht nur aufgrund der Kooperation zwischen beiden Clubs ist der Draht zwischen Berlin und Potsdam eng. Wie oft tauscht du dich aktuell noch mit alten blau-weißen Weggefährten aus?

Chahed: Der Kontakt zu Hertha BSC ist nach wie vor sehr eng. Mit Malik Fathi (Co-Trainer Herthas U23; Anm. d. Red) spiele ich einmal die Woche Tennis. Auch zu Rejhan Hasanovic, meinem ehemaligen Co, habe ich viel Kontakt. Daher bin ich immer noch gut im Bilde. Auch mit Benjamin Weber und André Henning spreche ich oft, um auch Tipps und Meinungen einzuholen, um die Struktur in unserem Nachwuchsbereich zu verbessern. Von diesem Austausch profitiere ich sehr!

(fw,kk/City-Press)

Intern, 11.09.2020
Newsletter
Social
Werbung