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Was macht eigentlich Dariusz Wosz?

Er war Herthas Mittelfeldmotor zur Jahrtausdenwende. Was macht Dariusz Wosz heute?

Berlin - Es ist ein kühler Herbstabend am 20. Oktober 1999. Ein Hauch der ganz großen Fußballbühne weht durch das Berliner Olympiastadion. In der Gruppenphase der UEFA Champions League empfängt der Neuling Hertha BSC den großen AC Mailand. Der mit vielen internationalen Top-Stars gespickte Kader um Oliver Bierhoff, Andriy Shevchenko oder Paolo Maldini, geht als absoluter Favorit in die Begegnung mit dem deutschen Hauptstadtclub. Nach der Partie werden aber nicht die klangvollen Namen aus der glitzernden Fußballwelt in Erinnerung bleiben, sondern ein 1,69m großer Mittelfeldspieler aus Halle. Sein Name: Dariusz Wosz.

Es ist die 40. Spielminute. Zur Überraschung aller, inklusiver der Italiener, dominieren die Blau-Weißen das Spiel in Europas höchster Klasse. Nach einer verunglückten Kopfballrückgabe schnappt sich Dariusz Wosz den Ball. Die „Zaubermaus“, wie Wosz‘ liebevoller Spitzname lautet, wird plötzlich zu „Speedy Gonzales“ und legt den Turbo ein. Mit viel Tempo und Zugkraft dringt Herthas Mittelfeldmotor in den Strafraum der Rossoneri ein, nimmt kurz den Kopf nach oben und schießt den Ball scharf und platziert in das rechte untere Eck. Das Olympiastadion steht Kopf, Wosz dreht sofort in den Fankurve ab und genießt sein Bad in der jubelnden Menge. Es ist der Siegtreffer für Hertha BSC.

Was macht eigentlich...?

Franz Brungs: Herthas ehemaliger Spieler (1968 bis 1971) bezeichnet seine Zeit in Berlin als eine der schönsten in seinem Leben.

Uwe Klimaschefski: Ein Typ, wie er in der heutigen Fußballlandschaft nicht mehr zu finden ist. Uwe Klimaschefski war bei Hertha BSC Spieler (1963 – 1965) und Trainer (1980 – 1981) und ist noch heute einer der Lieblinge in der deutschen Hauptstadt.

Lorenz Horr: Lorenz Horr ist einer der verdientesten Spieler der Blau-Weißen, trug in acht Jahren zwischen 1969 und 1977 insgesamt 240 Mal das Trikot mit der Fahne auf der Brust. Dabei gelangen dem Mittelfeldmotor 75 Tore.

Holger Brück: Fast ein Jahrzehnt (1972-1980) lang trug er die Hertha-Fahne auf der Brust. In allen Wettbewerben absolvierte der Hesse insgesamt unglaubliche 347 Spiele für Hertha BSC. Dabei gelangen Holger Brück dreißig Tore.

Erich "Ete" Beer: Von den Sportreportern damals wurde er „der Berliner Beer“ genannt, bei den Fans dagegen war er nur der „Ete Beer“. 342 Spiele, davon 253 für Hertha in der Bundesliga, 95 Tore, davon 83 Treffer für Hertha BSC.

Uwe Kliemann: Uwe Kliemann blieb sechs Jahre bei Hertha BSC (1974 bis 1980). In dieser Zeit absolvierte der "Funkturm" 190 Spiele für die Berliner und trug sich 14 Mal in die Torschützenliste ein – ein beachtlicher Wert für einen rauen Abwehrmann.

Hans "Hanne" Weiner: Mit seinem Kollegen Holger Brück bildete er eines der sichersten Innenverteidiger-Paare der Bundesliga. In sieben Jahren lief Weiner stolze 218 Mal für die Blau-Weißen auf, dabei gelangen ihm zwölf Treffer.

Walter Junghans: Von Anfang an identifizierte sich der Schlussmann voll und ganz mit dem Verein und nahm die sportlich wie finanziell schwierige Lage des Clubs an. Bis 1994 blieb der Norddeutsche in Berlin und bestritt insgesamt 177 Spiele für Hertha BSC in der Oberliga, der zweiten Bundesliga und der ersten Bundesliga.

Michél Mazingu-Dinzey: Bei den Blau-Weißen avancierte der schnelle Außenbahnspieler zum Leistungsträger. Insgesamt stand Michél Mazingu-Dinzey 63 Mal für Hertha BSC auf dem Platz, dabei gelangen ihm neun Treffer.

Dariusz Wosz: Hertha BSC und Dariusz Wosz – eine Beziehung, die sofort passte. In seiner ersten Saison steuerte der kleine Wirbelwind in 31 Spielen drei Treffer und sieben Vorlagen bei. Das Ergebnis am Ende der Spielzeit lautete: Qualifikation zur UEFA Champions League.

Pal Dardai: Der Ungar spielte beihnahe seine gesamte Karriere für einen Verein: Hertha BSC. Mit 286 Spielen avancierte er zum Rekordspieler der Blau-Weißen und kümmert sich inzwischen um den Hertha-Nachwuchs.

Erwin Hermandung: 192 Bundesliga-Spiele und 34 Tore für Hertha BSC stehen für Hermandung auf dem Konto. Eine beachtliche Quote für den damailigan Abwehrspieler. Auch im Europapokal hielt er für Hertha die Knochen hin.

Über Halle und Bochum nach Berlin

Die Geschichte des Dariusz Wosz ist ein klassisches Fußballmärchen. Ein Junge aus Polen kommt in der Kindheit in die frühere DDR und kann sich nur über den Fußball verständigen. Er lernt schnell und schafft es nach dem Mauerfall sogar bis in die Bundesliga. UEFA-Cup, Champions League und Nationalmannschaft – es gibt keine Station, die ausgelassen wird. Dabei wäre es fast gar nicht so weit gekommen. „Die Jugendtrainer in Halle fanden mich zu klein und zu schmächtig“, so der heute 43-Jährige. Am Ende stehen sieben Spiele für die Nationalmannschaft der DDR sowie 17 Partien für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu Buche.

„Ich habe als richtiger Straßenfußballer begonnen. In meinem polnischen Heimatdorf Pekane Slonske haben wir in jeder freien Minute gekickt. Ich habe Fußball geatmet!“ 1980 zog der damals 11-jährige Wosz mit seiner Familie nach Halle. Schnell wurden die Talentsucher auf ihn aufmerksam und holten Wosz zum Halleschen FC. Nach seinem Debüt mit nur 18 Jahren in der DDR-Oberliga wechselte Wosz zum VfL Bochum und wurde dort zu einem der gefragtesten Akteure in Liga Eins. Das Talent blieb auch Hertha BSC nicht verborgen. 1998 holten die Berliner den Dribbelkünstler an die Spree.

Hertha war die richtige Entscheidung

Hertha BSC und Dariusz Wosz – eine Beziehung, die sofort passte. In seiner ersten Saison steuerte der kleine Wirbelwind in 31 Spielen drei Treffer und sieben Vorlagen bei. Das Ergebnis am Ende der Spielzeit lautete: Qualifikation zur UEFA Champions League. „Auf jeden Fall war die Entscheidung, nach Berlin zur Hertha zu wechseln, goldrichtig. Dass wir es gleich in meinem ersten Jahr bis in die Champions League schafften, war natürlich wie im Traum. Für uns und für ganz Berlin war dieser Erfolg wie eine Meisterschaft. Eigentlich hatten wir uns als Ziel gesetzt, uns im oberen Drittel der Tabelle fest zu setzen. Und dass wir dann auch noch gegen Teams wie Mailand, Galatasaray und Chelsea London bestehen konnten, war die Krönung“, schwärmt der ehemalige Mittelfeldspieler noch heute.

In Berlin wandelte Wosz auch auf anderen Pfaden. Nach einer verlorenen Wette mit Herthas heutigem U15-Trainer Ante Covic musste Wosz einen Kurzauftritt in der belieben Seifenoper „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ hinlegen. Eine Hürde, die er mit Bravour nahm und heute locker sieht: „Es war eine sehr interessante Erfahrung mal ins TV-Business hineinzuschauen und aus dieser Zeit pflege ich immer noch eine Freundschaft mit Daniel Fehlo.“ Nach drei erfolgreichen Jahren bei Hertha BSC suchte Wosz eine neue Herausforderung. Ihn zog es zurück zum VfL Bochum. Insgesamt absolvierte Dariusz Wosz  110 Spiele für die Berliner und trug sich dabei 18 Mal in die Torschützenliste ein. Hinzu kommen 19 Vorlagen.

Karriereende und Trainer beim VfL

Nach seiner Rückkehr avancierte der Publikumsliebling direkt zum Kapitän der Bochumer, die er zurück in die erste Bundesliga führte. In der Saison 2004/2005 gelang Wosz mit dem Erreichen des UEFA-Pokals seine letzte Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb. 2007 endete die aktive Karriere des Dariusz Wosz - standesgemäß mit einem Treffer.

Seit 2008 betreut er die U19-Mannschaft des VfL Bochum - bis auf eine kleine Ausnahme in der Saison 2009/2010. Für die letzten beiden Spiele in der ersten Liga stiegt die Vereinsikone zum Interimstrainer auf, konnte den Abstieg des VfL aber nicht mehr verhindern. Zudem betreibt Wosz eine Fußballschule in Bochum und ist für das Merchandising bei seinem Heimatverein in Halle verantwortlich.

Intern, 05.11.2018
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