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Was macht eigentlich Franz Brungs?

Herthas ehemaliger Spieler bezeichnet seine Zeit in Berlin als eine der schönsten in seinem Leben.

Berlin - Wenn Franz Brungs von Berlin und von seiner Zeit bei Hertha BSC erzählt, dann schwingt noch immer viel Stolz mit über eine Phase, die mit zu den schönsten in seinem Leben zählt. 1968 kam er aus Nürnberg an die Spree und galt als Star. Bei Borussia Mönchengladbach begann er seine Karriere und bedauert es, dass er nicht mehr mit dem jungen Günter Netzer zusammenspielte. Als Brungs 1963 zu Borussia Dortmund wechselte, kam der gerade 19-jährige Netzer in die Männer-Elf. Für Brungs aber war der Wechsel ein enormer Karrieresprung, mit dem BVB gehörte er zu den „Kindern der Bundesliga“.

In zwei Jahren und 54 Spielen erzielte er 23 Tore. Noch mehr aber bleiben die sensationell starken Auftritte der Dortmunder im Europapokal der Landesmeister in Erinnerung. In sechs Spielen bis zum Halbfinale – die Gegner waren mit Benfica Lissabon, Dukla Prag und Inter Mailand allererste Sahne – erzielt Brungs sechs Tore, allein drei gegen Benfica, das damals mit dem großen Eusebio zu Europas Top-Teams gehört. „Das hat uns niemand zugetraut“, erinnert sich Brungs, „aber wir waren eine wirklich gute und schlagkräftige Truppe.“ Auch mit dem 1. FC Nürnberg, dort spielte Brungs drei Jahre, eilte der Torjäger von Erfolg zu Erfolg, erzielte für die Cluberer 48 Tore und kam als Deutscher Meister an die Spree.

Was macht eigentlich...?

Franz Brungs: Herthas ehemaliger Spieler (1968 bis 1971) bezeichnet seine Zeit in Berlin als eine der schönsten in seinem Leben.

Uwe Klimaschefski: Ein Typ, wie er in der heutigen Fußballlandschaft nicht mehr zu finden ist. Uwe Klimaschefski war bei Hertha BSC Spieler (1963 – 1965) und Trainer (1980 – 1981) und ist noch heute einer der Lieblinge in der deutschen Hauptstadt.

Lorenz Horr: Lorenz Horr ist einer der verdientesten Spieler der Blau-Weißen, trug in acht Jahren zwischen 1969 und 1977 insgesamt 240 Mal das Trikot mit der Fahne auf der Brust. Dabei gelangen dem Mittelfeldmotor 75 Tore.

Holger Brück: Fast ein Jahrzehnt (1972-1980) lang trug er die Hertha-Fahne auf der Brust. In allen Wettbewerben absolvierte der Hesse insgesamt unglaubliche 347 Spiele für Hertha BSC. Dabei gelangen Holger Brück dreißig Tore.

Erich "Ete" Beer: Von den Sportreportern damals wurde er „der Berliner Beer“ genannt, bei den Fans dagegen war er nur der „Ete Beer“. 342 Spiele, davon 253 für Hertha in der Bundesliga, 95 Tore, davon 83 Treffer für Hertha BSC.

Uwe Kliemann: Uwe Kliemann blieb sechs Jahre bei Hertha BSC (1974 bis 1980). In dieser Zeit absolvierte der "Funkturm" 190 Spiele für die Berliner und trug sich 14 Mal in die Torschützenliste ein – ein beachtlicher Wert für einen rauen Abwehrmann.

Hans "Hanne" Weiner: Mit seinem Kollegen Holger Brück bildete er eines der sichersten Innenverteidiger-Paare der Bundesliga. In sieben Jahren lief Weiner stolze 218 Mal für die Blau-Weißen auf, dabei gelangen ihm zwölf Treffer.

Walter Junghans: Von Anfang an identifizierte sich der Schlussmann voll und ganz mit dem Verein und nahm die sportlich wie finanziell schwierige Lage des Clubs an. Bis 1994 blieb der Norddeutsche in Berlin und bestritt insgesamt 177 Spiele für Hertha BSC in der Oberliga, der zweiten Bundesliga und der ersten Bundesliga.

Michél Mazingu-Dinzey: Bei den Blau-Weißen avancierte der schnelle Außenbahnspieler zum Leistungsträger. Insgesamt stand Michél Mazingu-Dinzey 63 Mal für Hertha BSC auf dem Platz, dabei gelangen ihm neun Treffer.

Dariusz Wosz: Hertha BSC und Dariusz Wosz – eine Beziehung, die sofort passte. In seiner ersten Saison steuerte der kleine Wirbelwind in 31 Spielen drei Treffer und sieben Vorlagen bei. Das Ergebnis am Ende der Spielzeit lautete: Qualifikation zur UEFA Champions League.

Pal Dardai: Der Ungar spielte beihnahe seine gesamte Karriere für einen Verein: Hertha BSC. Mit 286 Spielen avancierte er zum Rekordspieler der Blau-Weißen und kümmert sich inzwischen um den Hertha-Nachwuchs.

Erwin Hermandung: 192 Bundesliga-Spiele und 34 Tore für Hertha BSC stehen für Hermandung auf dem Konto. Eine beachtliche Quote für den damailigan Abwehrspieler. Auch im Europapokal hielt er für Hertha die Knochen hin.

Fünf Tore gegen Maier

Ein halbes Jahr zuvor, im Dezember 1967, erlebte der Angreifer eine seiner Sternstunden. Fünf Tore haute er bei Nürnbergs 7:3 über die Bayern dem Münchner Keeper Sepp Maier rein, davon einen Hattrick in nur zwölf Minuten. Die Münchner waren mit ihrer ersten Kapelle angereist, neben Maier spielten auch die späteren Weltmeister Franz Beckenbauer, Hans-Georg Schwarzenbeck und Gerd Müller mit. Doch einer stellte sie alle in den Schatten: Franz Brungs. Auch im Olympiastadion bewies er mit insgesamt 24 Bundesliga-Treffern seinen Torriecher. „Es war eine schöne Zeit, die Stadt hat mir sehr gut gefallen, auch sportlich hatten wir einigen Erfolg. Ich erinnere mich immer wieder gern“, sagt der mittlerweile 76-Jährige, der wieder in Nürnberg lebt.

Ganz so gut geht es ihm derzeit aber nicht. Nur ganz schwer kommt er über den Tod seiner Frau hinweg. „Wir waren über 50 Jahre verheiratet, aber voriges Jahr ist sie gestorben. Seitdem ist alles total verändert, ich muss erst einmal sehen, wie ich damit fertig werde“, kann er seine Trauer kaum verwinden. So gut es geht, versucht er den nunmehr völlig umgekrempelten Alltag zu bewältigen. Im Lotto-Toto-Laden, den er und seine Frau jahrzehntelang führten und den einer seiner beiden Söhne (der andere lebt in München) in zweiter Generation betreibt, hilft er noch immer aus. Das wenigstens bringt ihn ab und an auf andere Gedanken. Auch wenn er derzeit durch die schwerste Zeit seines Lebens geht, ein Kämpfer ist der ehemalige Torjäger (insgesamt sind es 97 Tore in 235 Bundesligaspielen) und spätere Zweitliga-Trainer (Kickers Offenbach, SpVgg. Fürth, Hessen Kassel) dennoch geblieben. Dabei hilft ihm noch immer der Fußball, den er verfolgt, auch wenn er nunmehr seine Tage nach einem anderen Motto verbringen muss: „Das Leben ist mit meinen 76 Jahren noch nicht zu Ende, aber es ist nichts mehr so, wie es mal war.“

Intern, 05.11.2018
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