Bild: citypress

Fußball ohne Sehen

Alexander Esswein stattete den Blindenfußballern von Viktoria 1889 Berlin einen Besuch ab und versuchte sich im Fußball ohne Sehen.

Berlin - "Das war eine wirklich außergewöhnliche Erfahrung. Ich bin noch völlig geplättet von den Eindrücken", - der Besuch bei den Blindenfußballern von FC Viktoria 1889 Berlin wird bei Herthaner Alexander Esswein noch einige Zeit nachwirken. "Wenn dir der Sehsinn fehlt, verändert sich natürlich die gesamte Wahrnehmung. Alles wird auf den Kopf gestellt: dein Gleichgewichtssinn, die Orientierung, das Gehör, die Körperhaltung - es war sehr faszinierend, diese Veränderungen zu erleben", so Herthas Nummer 7.

Geburtsstadt des Blindenfußballs

Was wohl kaum jemand weiß: Berlin ist tatsächlich so etwas wie die Geburtsstadt des Blindenfußballs. 2006 wurde hier der erste Blindenfußball-Workshop IBCC im Rahmen der Fußball-WM abgehalten. Seitdem rollt in der Bundeshauptstadt der rasselnde Ball. Zu Viktoria Berlin gehören die Berliner Sportler seit 2013. Bisher nahmen die Fußballer an jeder DBFL (Deutsche Blindenfußballliga)- Saison teil. Dabei haben die Berliner Blindenfußballer schon einige Nationalspieler hervorgebracht. Aktuell kickt Edis Veljkovic für die deutsche Auswahl. Edis war es auch, der den Wunsch bezüglich eines Besuchs von Alexander Esswein an Herthas Handicapteam herangetragen hatte. Schwer beeindruckt zeigte sich Herthas Flügelflitzer von Edis Schusstechnik und -kraft. "Ja, bei Edis Schüssen muss der Torwart ganz schön schwitzen", erzählt Trainer Oliver Heise lachend. Vor allem die Unberechenbarkeit der Schussrichtung ist eine große Herausforderung für die Torwarte, die neben den Schiedsrichtern die einzigen Sehenden auf dem Feld sind. Etliche weitere Besonderheiten machen den Sport vor allem für die Zuschauer zu einem spannenden Ereignis. Dazu zählt zum Beispiel der Ball. Dieser ist mit mehreren Metallplättchen versehen, in denen kleine Kügelchen für den rasselähnlichen Sound sorgen. Diese Plättchen sind direkt unters Leder des Balles genäht, der wie beim Futsal schwerer und in seiner Sprungfähigkeit reduzierter ist. Die wichtigste Regel, die die Spieler berücksichtigen müssen, ist die sogenannte Voy-Regel. "Voy" (spanisch = ich komme/gehe) ist das Wort, das im Abstand von drei Metern zum ballführenden Spieler, der durch den Ball akustisch wahrgenommen werden kann, vom Gegenspieler klar vernehmlich gesagt werden muss. Wird das "Voy" vergessen oder zu spät gesagt, zählt dies als Foul.

Ab Mai startet für die Fußballer die Saison 2018. Monatlich gibt es dann an einem festen Standort ein bis zwei Spieltage, an denen die Mannschaften aus ganz Deutschland gegeneinander antreten. Hertha BSC drückt dem Berliner Team dafür fest die Daumen und wünscht den Fußballern eine erfolgreiche Saison 2018!

(thb/City-Press)

Intern, 05.11.2018
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