Bild: herthabsc

'Eiserner Gustav' wird 80!

Hertha BSC gratuliert seinem langjährigen Co-Trainer herzlich zum Geburtstag.

Berlin - Hertha BSC hat in über fast 50 Jahren Bundesliga-Geschichte viel erlebt. Einer, der von Beginn an dabei war, ist Hans 'Gustav' Eder. Am Freitag (14.11.14) feiert Herthas ehemaliger Spieler und Trainer, der bis zuletzt noch regelmäßig mit seinem guten Freund Helmut Faeder zu den Hertha-Heimspielen kam, seinen 80. Geburtstag. Der 'eiserne Gustav' wie er aufgrund seiner knallharten Spielweise genannt wurde, kam 1962 von Tennis Borussia zu Hertha BSC und absolvierte insgesamt 57 Bundesligaspiele für die Blau-Weißen. An die erste Bundesliga-Saison erinnert er sich noch sehr gut: "Es wurde alles anders. Die Aufmerksamkeit war größer, es kamen mehr Zuschauer, das ganze Niveau wurde besser", so Eder. Viele Spieler befanden sich allerdings auch in einer Zwickmühle. "Wir hatten ja alle noch Jobs und wussten nicht, ob wir diese kündigen sollten. Keiner wusste ja, wie lange sich die Bundesliga hält und vor allem, ob wir die Klasse halten."

Am Ende der Saison landeten die Herthaner über dem Strich, auch weil die Blau-Weißen es verstanden, zu kämpfen. "Wir mussten immer mehr tun als die anderen, weil im Bundesgebiet noch alles professioneller war", sagt Eder. "Keiner wollte früher nach Berlin, weil die meisten Angst hatten, dass vielleicht die Russen kommen", so Eder schmunzelnd. Nach der Versetzung in die Regionalliga 1965 und dem Aufstieg drei Jahre später wurde er 1971 Assistent von Trainer 'Fiffi' Kronsbein. "Ich wollte nie Trainer werden. Aber 'Fiffi' hat gesagt, du machst das jetzt und so bin ich dazu gekommen. Und habe es nie bereut", so Eder. In seiner langjährigen Co-Trainer-Tätigkeit ging er einer Reihe von namhaften Trainern zur Hand, von eben jenem 'Fiffi' Kronsbein über Georg Keßler, Kuno Klötzer bis hinzu Uew Kliemaschfki und Werner Fuchs.

'Filigraner' Verteidiger: Abwehrhaudegen Hans 'Gustav' Eder bei einem eher seltenen Fallrückzieher.

Mr. 1.000 Prozent

Manch ein Spieler von damals wird mit gemischten Gefühlen an die Trainingseinheiten unter Eder zurück denken. Erwin Hermandung machte noch vor seiner ersten Einheit Bekanntschaft mit Herthas damaligem Co-Trainer und dessen Trainingsphilosophie. "Als ich als Neuzugang der Presse vorgestellt wurde, haben wir in der 'Plumpe' einige Bilder für die Fotografen gestellt. Ich sollte mit Hilfe einer Sandgrube immer wieder Flugkopfbälle zu Gustav Eder machen. Er hat mich das machen lassen, bis ich Sand im Mund hatte", erinnert sich Hermandung mit einem Zwinkern zurück. Für seine intensiven Einheiten war Eder berühmt und berüchtigt. Sven Kretschmer, ehemaliger Spieler von Gustav Eder, und jetziger Chefscout von Hertha BSC, hat nur gute Erinnerungen an seinen Ex-Coach. "Er war ein harter Hund", sagt Kretschmer. Stimmt das Herr Eder? "Ja, das kann man wohl sagen. Bei mir gab es das nicht, wegen ein bisschen Humpeln nicht spielen zu können. Die Jungs mussten sich zusammenreißen, nur so hat man auch Erfolg."

Auch Herthas Teammanager Nello di Martino arbeite Jahrzente mit Eder bei Hertha BSC zusammen. "Er hat die Arbeiten nicht nur zu 100, sonder eher zu 1.000 Prozent gemacht. Er war als Trainer streng, genau, gerade heraus und immer loyal", so Herthas Urgestein. Eder, der bei jeder Trainingseinheit mittendrin war, ließ die Spieler richtig schuften. Manchmal musste Cheftrainer Kronsbein eingreifen und die Einheiten beenden. Wie hart der 'eiserne Gustav' im Nehmen war, bezeugen Hermandung und di Martino unisono. "Er hatte das Problem, dass er sich hin und wieder mal die Schulter auskugelte", erinnert sich di Martino. Ein Hindernis stellte die jedoch in den seltenten Fällen da: Physio Peter Bentin renkte sie ihm mit Hilfe der Eckfahne wieder ein und weiter gings. "Einmal hatte er aber wirklich Pech. Da hat er sich bei einer Übung beide Schultern ausgekugelt. Das hat Peter Bentin auch nicht mehr hinbekommen und er musste ins Krankenhaus", erzählt Hermandung.

Hans 'Gustav' Eder (re.) im Spiel gegen Borussia Dortmund (1965)

Harter Hund und feiner Kerl

Er war wirklich ein Haudegen. "Im Wintertrainingslager 1988/89 auf Mallorca, mitten im Januar, ging er jeden Morgen im Außenpool schwimmen. Bei sechs Grad Wassertemperatur und acht Grad Außentemperatur", erinnert sich Herthas Pressechef Peter Bohmbach, damals noch Sportreporter bei der Berliner Morgenpost. "Und es gab nur zwei, die mit ins Wasser sprangen - Werner Fuchs und Nello di Martino." Das Training von Eder hatte jedenfalls Erfolg. Kaum eine Mannschaft in der Bundesliga war zu der Zeit so fit wie Hertha BSC. So hart Eders Trainingsphilosophie auch aussah - von Läufen mit Mitspielern Huckepack oder Zweikämpfen im '1-gegen-1' über das halbe Spielfeld - so sehr wissen ihn seine ehemaligen Spieler immer noch zu schätzen. "Menschlich war er damals schon sensationell. Er war immer gerade heraus. Wenn ihn etwas gestört hat, hat er das gleich gesagt", erinnert sich Nello di Martino. "Ich mochte sein hartes Training. Wer weiß, ob ich sonst so eine lange Karriere gehabt hätte", ergänzt Hermandung. Nello di Martino und Gustav Eder engagierten sich auch noch für den Nachwuchs: "Wir sind oft nach unserem Training noch nach Wedding gefahren und haben dort die Amateure trainiert. Ohne auch nur einen Pfenning zu bekommen."

Wegen der vielen Sperren aufgrund des Bundesligaskandals musste Eder 1972 mit 38 Jahren selbst noch einmal die Schuhe schnüren. Bis 1990 blieb er den Herthanern als Co-Trainer treu, ab und zu musste er sogar als Chef einspringen. "Nur ein paar Mal. Ist aber eigentlich immer gut gegangen", lächelt Eder rückblickend. Einen schönsten Moment als Spieler möchte der ehemalige Abräumer nicht ausmachen. "Ach wissen Sie, es gab so viele tolle Spiele, im positiven wie im negativen Sinn, da wäre es nicht angebracht, einen besonderen Moment herauszupicken." Der Handschlag mit Pelé im Jahr 1960, Eder noch als Kapitän von Tennis Borussia, bleibt ihm aus seiner langen Karriere allerdings doch in Erinnerung. "Das war schon ein toller Moment. Wir haben zwar verloren, aber Pelé hat kein Tor geschossen", so Eder, direkter Gegenspieler des Fußball-Idols, nicht ohne Stolz.

Hertha BSC, Geschäftsführung, Gremien, Mitglieder, Mitarbeiter und Fans gratulieren dem Hertha-Urgestein Hans 'Gustav' Eder herzlich und wünschen weiterhin alles Gute!

(war/dpa,Hertha-Archiv)

Intern, 05.11.2018
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