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Was macht eigentlich Lorenz Horr?

Wir gratulieren Herthas früherem Kapitän Lorenz Horr zum 70. Geburtstag.

Wir schreiben das Jahr 1962. Ähnlich wie Asterix in den beliebten Comics leistet ein kleines Dorf nahe der französischen Grenze Widerstand. Es handelt sich hierbei um das Örtchen Alsenborn. Der ansässige Sportverein arbeitet sich ohne große finanzielle Mittel munter in Richtung Bundesliga, angeführt von einem 20-jährigen Kupferschmied. Der junge Mann hört auf den Namen Lorenz Horr, doch die Fußballwelt wird ihn als „Lenz“ in Erinnerung behalten. 1968 trifft Horr mit seinem Heimatverein in der Aufstiegsrunde der damals zweitklassigen Regionalliga auf Hertha BSC und führt Alsenborn zu einem überraschenden 2:1-Erfolg. Herthas Trainerlegende  Helmut „Fiffi“ Kronsbein sagte nach diesem Spiel: „Den Horr will ich haben, egal was er kostet!“

Nicht sofort, ein Jahr später war es dann soweit. Lorenz Horr wechselte für eine Ablösesumme von 337.000 Mark zu Hertha BSC in die Bundesliga. Doch was machte diesen Mittelfeldspieler zu einem der begehrtesten deutschen Akteure seiner Zeit? Horr hatte besondere Fähigkeiten, konnte sich im Zweikampf wie ein Aal zwischen den Gegner winden und trotzdem den Ball behaupten. Legendär seine „Verteidigungstaktik“. Mit ausgestrecktem Gesäß stellte sich „Lenz“ wie die Berliner Mauer vor seine Gegenspieler und schirmte so den Ball genial ab. Selbst Fritz Walter, Kapitän der ersten Weltmeiser-Mannschaft 1954, schwärmte von Berlins neuem Liebling: „Den Lenz dann noch vom Ball zu trennen, war für einen gegnerischen Verteidiger dann nicht mehr möglich!“ 

Herthaner mit Leib und Seele

Lorenz Horr ist einer der verdientesten Spieler der Blau-Weißen, trug in acht Jahren zwischen 1969 und 1977 insgesamt 240 Mal das Trikot mit der Fahne auf der Brust. Dabei gelangen dem Mittelfeldmotor 75 Tore. Eine Quote, die ihm nur ein Jahr nach seinem Wechsel aus der pfälzischen Provinz fast das WM-Ticket nach Mexiko gelöst hätte. Der Sprung aus dem 40er-Kader in das endgültige Aufgebot blieb ihm verwehrt, für alle Herthaner wurde Horr aber dennoch ein ganz Großer. Nach dem Bundesligaskandal blieb der Pfälzer in Berlin, wurde Kapitän der Berliner und dazu der Publikumsliebling und einer der bedeutendsten Fußballer der heutigen Hauptstadt.

Doch Horr war keiner, der sich von der schillernden Welt des Profifußballs ablenken ließ. Seine gesamte Karriere verzichtete er auf Manager oder Berater. „Ich habe früh gelernt, für mich und meine Familie allein zu sorgen“, so der einmalige Nationalspieler. Nach seiner aktiven Zeit schlug Lorenz Horr einen ungewöhnlichen Weg ein. Mit Mitte 40 absolvierte er eine zweijährige Ausbildung zum Bauzeichner und bestand alle Prüfungen mit Bravour. 

Was macht eigentlich...?

Franz Brungs: Herthas ehemaliger Spieler (1968 bis 1971) bezeichnet seine Zeit in Berlin als eine der schönsten in seinem Leben.

Uwe Klimaschefski: Ein Typ, wie er in der heutigen Fußballlandschaft nicht mehr zu finden ist. Uwe Klimaschefski war bei Hertha BSC Spieler (1963 – 1965) und Trainer (1980 – 1981) und ist noch heute einer der Lieblinge in der deutschen Hauptstadt.

Lorenz Horr: Lorenz Horr ist einer der verdientesten Spieler der Blau-Weißen, trug in acht Jahren zwischen 1969 und 1977 insgesamt 240 Mal das Trikot mit der Fahne auf der Brust. Dabei gelangen dem Mittelfeldmotor 75 Tore.

Holger Brück: Fast ein Jahrzehnt (1972-1980) lang trug er die Hertha-Fahne auf der Brust. In allen Wettbewerben absolvierte der Hesse insgesamt unglaubliche 347 Spiele für Hertha BSC. Dabei gelangen Holger Brück dreißig Tore.

Erich "Ete" Beer: Von den Sportreportern damals wurde er „der Berliner Beer“ genannt, bei den Fans dagegen war er nur der „Ete Beer“. 342 Spiele, davon 253 für Hertha in der Bundesliga, 95 Tore, davon 83 Treffer für Hertha BSC.

Uwe Kliemann: Uwe Kliemann blieb sechs Jahre bei Hertha BSC (1974 bis 1980). In dieser Zeit absolvierte der "Funkturm" 190 Spiele für die Berliner und trug sich 14 Mal in die Torschützenliste ein – ein beachtlicher Wert für einen rauen Abwehrmann.

Hans "Hanne" Weiner: Mit seinem Kollegen Holger Brück bildete er eines der sichersten Innenverteidiger-Paare der Bundesliga. In sieben Jahren lief Weiner stolze 218 Mal für die Blau-Weißen auf, dabei gelangen ihm zwölf Treffer.

Walter Junghans: Von Anfang an identifizierte sich der Schlussmann voll und ganz mit dem Verein und nahm die sportlich wie finanziell schwierige Lage des Clubs an. Bis 1994 blieb der Norddeutsche in Berlin und bestritt insgesamt 177 Spiele für Hertha BSC in der Oberliga, der zweiten Bundesliga und der ersten Bundesliga.

Michél Mazingu-Dinzey: Bei den Blau-Weißen avancierte der schnelle Außenbahnspieler zum Leistungsträger. Insgesamt stand Michél Mazingu-Dinzey 63 Mal für Hertha BSC auf dem Platz, dabei gelangen ihm neun Treffer.

Dariusz Wosz: Hertha BSC und Dariusz Wosz – eine Beziehung, die sofort passte. In seiner ersten Saison steuerte der kleine Wirbelwind in 31 Spielen drei Treffer und sieben Vorlagen bei. Das Ergebnis am Ende der Spielzeit lautete: Qualifikation zur UEFA Champions League.

Pal Dardai: Der Ungar spielte beihnahe seine gesamte Karriere für einen Verein: Hertha BSC. Mit 286 Spielen avancierte er zum Rekordspieler der Blau-Weißen und kümmert sich inzwischen um den Hertha-Nachwuchs.

Erwin Hermandung: 192 Bundesliga-Spiele und 34 Tore für Hertha BSC stehen für Hermandung auf dem Konto. Eine beachtliche Quote für den damailigan Abwehrspieler. Auch im Europapokal hielt er für Hertha die Knochen hin.

Wieder in der Heimat

September 2012. Vor einem Einfamilienhaus in Alsenborn pflegt ein älterer Herr seine Pflanzen. Es ist Lorenz Horr. Zusammen mit seiner Frau hat er die Gärtnerei als Leidenschaft entdeckt. Horr ist und bleibt besonders. Eine goldene Hochzeit, einen runden Geburtstag von Frau Hannelore und am Donnerstag (27.09.12) der 70. Geburtstag des ehemaligen Herthaners – es gab viel Grund zum Feiern in den letzten Wochen.

Der 27. September ist nicht nur ein Tag nach dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden. Lorenz Horr ist ohne Wenn und Aber einer der verdientesten Spieler in der Geschichte von Hertha BSC. Wir alle im Verein von Hertha BSC würden uns darüber freuen, wenn es in der aktuellen Spielzeit nochmal heißen könnte: „Hurra, der Lenz ist da!“. Hertha BSC wünscht alles erdenklich Gute zum 70. Geburtstag.

Intern, 05.11.2018
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