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Hertha BSC trauert um Heinz Warneke

Hertha BSC trauert um einen großen Herthaner. Der ehemalige Präsident und langjährige Aufsichtsrat unseres Vereins, Heinz Warneke, ist am Sonntag (22.11.20) im Alter von 89 Jahren in seinem Heimatort Bad Honnef gestorben.

Berlin - Hertha BSC trauert um einen großen Herthaner. Der ehemalige Präsident und langjährige Aufsichtsrat unseres Vereins, Heinz Warneke, ist am Sonntag (22.11.20) im Alter von 89 Jahren in seinem Heimatort Bad Honnef gestorben.

Es ist schwer vorstellbar, dass Heinz Warneke, ein stets eloquenter, streitbarer, aber auch ausgleichender Mann, ein Herthaner durch und durch, nicht mehr unter uns weilt. Noch im hohen Alter flog er mit seiner Frau Adi regelmäßig von Köln nach Berlin, um möglichst viele Heimspiele seiner Hertha zu erleben. Stets residierte Warneke im Hotel Berlin Berlin am Lützowplatz. "Diese Reisen waren manchmal mühsam", sagte er, "aber das Treffen mit alten Freunden und Hertha-Siege brachten mir immer viel Freude."

Heinz Warneke hat enorme Kraft und viele Jahre seines abwechslungsreichen und auch oft stressigen Berufslebens nebenbei in die Entwicklung von Hertha BSC gesteckt.

Geboren in Bremen war Warneke später schon als junger Mann unter anderem Niederlassungsleiter der Bauknecht GmbH in Hamburg und später in Berlin. 1970 beruft der Berliner Senat Warneke zum Chef der Deutschlandhalle, die er bis 1980 mit großem Erfolg und unermüdlichem Engagement leitet. Gegen politische Widerstände verpflichtet er auch sowjetische Artisten, Sportler und Künstler zu Gastspielen in der Deutschlandhalle und knüpft hinter den Kulissen viele Ost-West-Kontakte. In dieser Zeit entsteht für Warneke die Bezeichnung 'Strippenzieher'.

Hertha BSC aber befindet sich 1972 in einer äußerst schwierigen Situation. Der Bundesliga-Bestechungsskandal 1971, in den neben vielen anderen Vereinen auch Hertha BSC verwickelt ist, trifft den Verein hart. 15 Spieler werden gesperrt und die Berliner Fans bestrafen Hertha mit Liebesentzug und kommen nicht mehr in Scharen ins Olympiastadion. Das Image von Hertha BSC hat unter den Spielmanipulationen arg gelitten, auch finanziell gerät der Verein in eine Krise. Der Senat bietet ein Darlehen in Höhe von zwei Millionen Mark an, verbunden mit der Forderung nach einer neuen, seriösen Führung.

Mit Heinz Warneke wird solch ein integerer Mann gefunden. Der tritt schließlich als Chef der Deutschlandhalle nebenbei ein schweres Erbe an, wird im Mai 1972 Präsident von Hertha BSC und löst den Brauerei-Direktor Gerhard Bautz ab. Warneke will den Verein 'gewinnorientiert' führen und mit attraktivem Fußball die Zuschauer zurückgewinnen. Hertha aber drücken 6,5 Millionen Mark Schulden und Warneke sagt klipp und klar: "Wenn wir nicht unser Stadion, die Plumpe im Gesundbrunnen, verkaufen, sind wir pleite." Eine Entscheidung, die damals vielen Herthanern das Herz zerriss, aber Warneke musste so handeln, um den Verein zu retten. Für 6,2 Millionen Mark wurde die 'Plumpe' an eine Münchner Baugesellschaft verkauft und am Ende der Amtszeit von Warneke als Präsident im Herbst 1974 war Hertha schuldenfrei und wieder ein geachtetes und auch sportlich erfolgreiches Mitglied der Bundesliga.

Berühmt ist auch eine Episode aus dem Januar 1971, als Hertha das erste Hallenfußball-Turnier mit Profimannschaften in der Deutschlandhalle organisiert. Am ersten Tag spielt man auf Handballtore und es fielen kaum Treffer. Die Zuschauer waren unzufrieden. Über Nacht ändert der stets ideenreiche Warneke zusammen mit Herthas Wolfgang Holst die Regeln und lässt auf größere Tore spielen. Die Fans erleben fortan ein Spektakel mit vielen Treffern.

Warneke, später Unternehmensberater und Lobbyist mit einem umfangreichen Netzwerk in Politik, Wirtschaft und Sport, bleibt Hertha BSC treu und gehört 1996 dem ersten gewählten Aufsichtsrat an. Mit seiner enormen Erfahrung wird er ein wichtiger Ratgeber der jeweiligen Vereins-Präsidenten. Warneke vertrat immer fundiert und sachlich seine Meinung, stritt sich oft in der Sache mit dem eigenwilligen Aufsichtsratschef Robert Schwan, agierte aber immer auch als ausgleichender Pol, wenn sich zwei Parteien nicht einigen konnten. Das Wohl und Wehe des Vereins lag dem beliebten Mann immer am Herzen. Bis 2010 gehörte er dem Aufsichtsrat an, danach kandidierte er aus Altersgründen nicht mehr für das Kontrollgremium.

Werner Gegenbauer, seit 2008 Präsident von Hertha BSC, sagte: "Heinz Warneke war ein außergewöhnlicher Mensch, der viel für Hertha BSC getan hat. Er hat in einer schwierigen Phase des Vereins Anfang der Siebziger Jahre Verantwortung übernommen und den Verein als Präsident geführt. Ich habe ihn persönlich über die Jahrzehnte sehr geschätzt und großen Respekt vor seiner Lebensleistung. Wir werden ihn bei Hertha BSC in eingehender Erinnerung behalten. Meine Gedanken sind in diesen Tagen bei den Hinterbliebenen von Heinz Warneke."

Dr. Torsten-Jörn Klein, Aufsichtsratsvorsitzender des Hertha BSC e.V., der mit Heinz Warneke viele Spiele gemeinsam im Olympiastadion erlebte: "Ich werde meinen direkten Sitznachbarn im Olympiastadion sehr vermissen. Heinz Warneke wusste immer neue und spannende Geschichten aus den Siebziger Jahren zu erzählen. Und meine beiden fünfjährigen Jungs haben ihn geliebt, nicht nur, weil er ihnen im Stadion immer Eis ausgegeben hat. Heinz, wir alle vermissen Dich!"

Nun ist Heinz Warneke gestorben. Seine Frau Adi war bis zuletzt bei ihm. Die Beerdigung, teilte sie mit, wird in Berlin stattfinden. In der Geschichte von Hertha BSC wird Heinz Warneke immer einen wichtigen Platz einnehmen.

(HerthaBSC/City-Press)

Intern, 22.11.2020
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