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Was macht eigentlich Uwe Kliemann?

Bei Hertha war Uwe Kliemann Spieler und Trainer. Was macht der "Funkturm" heute?

Berlin - Wer sich aus Richtung Süden der Berliner Innenstadt nähert, der sieht ihn schon aus weiter Entfernung. Die Rede ist vom Funkturm. Er ist nicht nur eines der Wahrzeichen der Bundeshauptstadt, sondern auch der Ursprung für einen der ungewöhnlichsten Spitznamen der deutschen Fußballgeschichte. Herthas ehemaliger Abwehrspieler Uwe Kliemann wird seit seiner aktiven Zeit nur der „Funkturm“ gerufen. Grund: Die 1,96 Meter Körpergröße und das starke Kopfballspiel des gebürtigen Berliners. Der Träger ist mit der Wahl durchaus zufrieden: „Für mich ist der „Funkturm“ einfach ein Markenzeichen, das noch dazu etwas mit meiner Heimatstadt zu tun hat. In der Regel sind Spitznamen ja schmeichelhaft, weil nur diejenigen Spieler einen haben, die die Fans in irgendeiner Weise beeindruckt haben.“

Dabei begann die Profikarriere von Uwe Kliemann nicht bei Hertha BSC. Der Hüne suchte den Umweg über das Ruhrgebiet und Hessen, sammelte dort seine ersten Erfahrungen in der Bundesliga. Im Nachhinein betrachtet Kliemann diesen Schritt als den einzig richtigen: „Damals war es ja so, dass sich während der gesamten Ära Kronsbein fast kein Spieler aus Berlin in der Mannschaft etablieren konnte. Da kam ich wahrscheinlich gerade recht. Trotzdem hätte ich es wohl schwerer gehabt, wenn ich gleich bei Hertha BSC angefangen hätte, weil die Mannschaft auch schon Anfang der 70er ein weitaus höheres Niveau hatte als zum Beispiel Rot-Weiß Oberhausen. So gesehen war das wohl der richtige Weg.“ 1974 kehrte der „Funkturm“ dann nach Berlin zurück und erlebte in der Folge die sportlich erfolgreichsten Jahre seiner Laufbahn.

Was macht eigentlich...?

Franz Brungs: Herthas ehemaliger Spieler (1968 bis 1971) bezeichnet seine Zeit in Berlin als eine der schönsten in seinem Leben.

Uwe Klimaschefski: Ein Typ, wie er in der heutigen Fußballlandschaft nicht mehr zu finden ist. Uwe Klimaschefski war bei Hertha BSC Spieler (1963 – 1965) und Trainer (1980 – 1981) und ist noch heute einer der Lieblinge in der deutschen Hauptstadt.

Lorenz Horr: Lorenz Horr ist einer der verdientesten Spieler der Blau-Weißen, trug in acht Jahren zwischen 1969 und 1977 insgesamt 240 Mal das Trikot mit der Fahne auf der Brust. Dabei gelangen dem Mittelfeldmotor 75 Tore.

Holger Brück: Fast ein Jahrzehnt (1972-1980) lang trug er die Hertha-Fahne auf der Brust. In allen Wettbewerben absolvierte der Hesse insgesamt unglaubliche 347 Spiele für Hertha BSC. Dabei gelangen Holger Brück dreißig Tore.

Erich "Ete" Beer: Von den Sportreportern damals wurde er „der Berliner Beer“ genannt, bei den Fans dagegen war er nur der „Ete Beer“. 342 Spiele, davon 253 für Hertha in der Bundesliga, 95 Tore, davon 83 Treffer für Hertha BSC.

Uwe Kliemann: Uwe Kliemann blieb sechs Jahre bei Hertha BSC (1974 bis 1980). In dieser Zeit absolvierte der "Funkturm" 190 Spiele für die Berliner und trug sich 14 Mal in die Torschützenliste ein – ein beachtlicher Wert für einen rauen Abwehrmann.

Hans "Hanne" Weiner: Mit seinem Kollegen Holger Brück bildete er eines der sichersten Innenverteidiger-Paare der Bundesliga. In sieben Jahren lief Weiner stolze 218 Mal für die Blau-Weißen auf, dabei gelangen ihm zwölf Treffer.

Walter Junghans: Von Anfang an identifizierte sich der Schlussmann voll und ganz mit dem Verein und nahm die sportlich wie finanziell schwierige Lage des Clubs an. Bis 1994 blieb der Norddeutsche in Berlin und bestritt insgesamt 177 Spiele für Hertha BSC in der Oberliga, der zweiten Bundesliga und der ersten Bundesliga.

Michél Mazingu-Dinzey: Bei den Blau-Weißen avancierte der schnelle Außenbahnspieler zum Leistungsträger. Insgesamt stand Michél Mazingu-Dinzey 63 Mal für Hertha BSC auf dem Platz, dabei gelangen ihm neun Treffer.

Dariusz Wosz: Hertha BSC und Dariusz Wosz – eine Beziehung, die sofort passte. In seiner ersten Saison steuerte der kleine Wirbelwind in 31 Spielen drei Treffer und sieben Vorlagen bei. Das Ergebnis am Ende der Spielzeit lautete: Qualifikation zur UEFA Champions League.

Pal Dardai: Der Ungar spielte beihnahe seine gesamte Karriere für einen Verein: Hertha BSC. Mit 286 Spielen avancierte er zum Rekordspieler der Blau-Weißen und kümmert sich inzwischen um den Hertha-Nachwuchs.

Erwin Hermandung: 192 Bundesliga-Spiele und 34 Tore für Hertha BSC stehen für Hermandung auf dem Konto. Eine beachtliche Quote für den damailigan Abwehrspieler. Auch im Europapokal hielt er für Hertha die Knochen hin.

Kein Leisetreter

Uwe Kliemann blieb sechs Jahre bei Hertha BSC (1974 bis 1980). In dieser Zeit absolvierte er 190 Spiele für die Berliner und trug sich 14 Mal in die Torschützenliste ein – ein beachtlicher Wert für einen rauen Abwehrmann. Allerdings fallen in diese Zeit auch vier Eigentore. Eines davon führte dazu, dass Kliemann Sportreporterlegende Rolf Töpperwien bei seinem ersten Einsatz am Spielfeldrand wahrlich im Regen stehen ließ. Töpperwien fragte, wie es sich anfühle, dass einzige Tor im Spiel zu erzielen. Kliemann, dem es immer sehr schwer fiel, Niederlagen zu verkraften, antwortete in seiner eigenen Art: „Beschissen, wie denn sonst?“ Das erste Interview des Rolf Töpperwien war kurzerhand beendet.

Auch im Verein war Kliemann niemand, der sich und seine Meinung versteckte. Dabei machte der Defensivspezialist auch nicht vor Präsidenten halt. Nach einer Diskussion mit Wolfgang Holst raunte der heute 63-jährige Herthas langjährigen Vorsitzenden an: „Passen Sie mal auf, Sie haben hier nicht irgendeinen Kellner aus der Kneipe vor sich!“ Kliemann musste danach seine Kapitänsbinde abgeben, blieb aber bei Hertha BSC. Der Ur-Berliner war Teil einer großen Zeit bei den Berlinern. Für Kliemann war die deutsche Vizemeisterschaft 1975 der Höhepunkt in all den Jahren beim Hauptstadtclub. „Wir hatten einfach eine gute Truppe, die sich insgesamt auch untereinander gut verstanden hat. Natürlich gab es auch nicht nur Freundschaften, aber auf dem Platz spielte das alles überhaupt keine Rolle. Luggi Müller war privat zum Beispiel nie mein Freund, aber zusammen auf der Wiese waren wir ein Bollwerk, er wollte genauso gewinnen wie ich. Wer damals an Kliemann vorbei kam hatte schon Glück, aber an Luggi Müller ist er mit Sicherheit nicht vorbei gekommen.“

Kurze Rückkehr


1980 verließ Uwe Kliemann Hertha BSC und wechselte zu Arminia Bielefeld. Viele Verletzungen hinderten den „Funkturm“ aber an weiteren Einsätzen in Deutschlands höchster Spielklasse. Er beendete mit nur 31 Jahren seine aktive Karriere und wechselte in das Trainergeschäft. 1984 kehrte Kliemann als Cheftrainer zu Hertha BSC zurück und blieb bis zum Dezember 1985. Danach leitete er noch einige Monate die Geschicke beim fränkischen Traditionsverein SpVgg Bayreuth. Nach dem Ende seiner Zeit im Profifußball schlug der „Funkturm“ eine andere Richtung ein. 1986 zog es Ihn zu seinem Bruder nach Südafrika.

Doch Kliemann hielt es nicht lange auf der Südhalbkugel. Bereits zwei Jahre später folgte die Rückkehr nach Deutschland. In Braunschweig fand die Familie Kliemann ihre neue Heimat. Uwe Kliemann übernahm die A-Jugend von Eintracht Braunschweig und erreichte in den nächsten Jahren ein Pokalfinale und einen guten vierten Platz in der Deutschen Meisterschaft. Danach war der langjährige Herthaner als Scout für den SV Werder Bremen tätig. Am Ende zog es ihn aber dahin, wo er sich zu Hause fühlt. Auch heute verfolgt Kliemann die aktuelle Lage bei Hertha BSC sehr intensiv. Immer wenn es ihm möglich ist, verfolgt er die Spiele der Blau-Weißen  gespannt am Bildschirm. "Ich bin überzeugt davon, dass Hertha wieder aufsteigt. Sie sind die beste Mannschaft in der zweiten Liga." Seit einigen Monaten lebt Uwe Kliemann mit seiner Lebensgefährtin wieder im Speckgürtel von Berlin. „Es zieht einen doch immer zu den Wurzeln zurück. Meine Frau und ich wollten nochmal etwas Neues machen. Da fiel die Entscheidung schnell auf Berlin“, freut sich der heutige Rentner. Er genießt seinen Ruhestand und redet oft mit seinem alten Weggefährten Hans "Hanne" Weiner über vergangene Tage. Und so sendet er wieder aus der Heimat, der „Funkturm von Berlin“.

Intern, 05.11.2018
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