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Was macht eigentlich "Ete" Beer?

Die Hertha-Legende ist gegen 1860 München am Freitag im Stadion und meldete vorher seinen kleinen Enkel Flint als Mitglied an.

Berlin - Berlin ist schnell mit Stars und Legenden. Auch bei Hertha BSC. Jeder, der hier einigermaßen geradeaus kicken konnte oder kann, war und ist heutzutage ein „Hertha-Star“. Und jeder, der mal ein, zwei, drei Jahre im Verein war und so um die 10, 20, 30 Tore geschossen hat, ist – natürlich – eine Hertha-Legende. Obwohl man mit Legendenbildung lieber stets ein wenig vorsichtiger umgehen sollte, egal „dit is Berlin“.

Erich Beer (65) allerdings können derlei Überhöhungen vollkommen schnurz sein, Erich Beer ist eine Hertha-Legende - Punkt, Ausrufezeichen, dickste Unterstreichung. „Ich habe mich nie als Star gesehen, ich war immer nur ein Teil der Mannschaft“, erwidert Herthas ehemalige Nummer „8“ wie zum Trotz bescheiden.

Was macht eigentlich...?

Franz Brungs: Herthas ehemaliger Spieler (1968 bis 1971) bezeichnet seine Zeit in Berlin als eine der schönsten in seinem Leben.

Uwe Klimaschefski: Ein Typ, wie er in der heutigen Fußballlandschaft nicht mehr zu finden ist. Uwe Klimaschefski war bei Hertha BSC Spieler (1963 – 1965) und Trainer (1980 – 1981) und ist noch heute einer der Lieblinge in der deutschen Hauptstadt.

Lorenz Horr: Lorenz Horr ist einer der verdientesten Spieler der Blau-Weißen, trug in acht Jahren zwischen 1969 und 1977 insgesamt 240 Mal das Trikot mit der Fahne auf der Brust. Dabei gelangen dem Mittelfeldmotor 75 Tore.

Holger Brück: Fast ein Jahrzehnt (1972-1980) lang trug er die Hertha-Fahne auf der Brust. In allen Wettbewerben absolvierte der Hesse insgesamt unglaubliche 347 Spiele für Hertha BSC. Dabei gelangen Holger Brück dreißig Tore.

Erich "Ete" Beer: Von den Sportreportern damals wurde er „der Berliner Beer“ genannt, bei den Fans dagegen war er nur der „Ete Beer“. 342 Spiele, davon 253 für Hertha in der Bundesliga, 95 Tore, davon 83 Treffer für Hertha BSC.

Uwe Kliemann: Uwe Kliemann blieb sechs Jahre bei Hertha BSC (1974 bis 1980). In dieser Zeit absolvierte der "Funkturm" 190 Spiele für die Berliner und trug sich 14 Mal in die Torschützenliste ein – ein beachtlicher Wert für einen rauen Abwehrmann.

Hans "Hanne" Weiner: Mit seinem Kollegen Holger Brück bildete er eines der sichersten Innenverteidiger-Paare der Bundesliga. In sieben Jahren lief Weiner stolze 218 Mal für die Blau-Weißen auf, dabei gelangen ihm zwölf Treffer.

Walter Junghans: Von Anfang an identifizierte sich der Schlussmann voll und ganz mit dem Verein und nahm die sportlich wie finanziell schwierige Lage des Clubs an. Bis 1994 blieb der Norddeutsche in Berlin und bestritt insgesamt 177 Spiele für Hertha BSC in der Oberliga, der zweiten Bundesliga und der ersten Bundesliga.

Michél Mazingu-Dinzey: Bei den Blau-Weißen avancierte der schnelle Außenbahnspieler zum Leistungsträger. Insgesamt stand Michél Mazingu-Dinzey 63 Mal für Hertha BSC auf dem Platz, dabei gelangen ihm neun Treffer.

Dariusz Wosz: Hertha BSC und Dariusz Wosz – eine Beziehung, die sofort passte. In seiner ersten Saison steuerte der kleine Wirbelwind in 31 Spielen drei Treffer und sieben Vorlagen bei. Das Ergebnis am Ende der Spielzeit lautete: Qualifikation zur UEFA Champions League.

Pal Dardai: Der Ungar spielte beihnahe seine gesamte Karriere für einen Verein: Hertha BSC. Mit 286 Spielen avancierte er zum Rekordspieler der Blau-Weißen und kümmert sich inzwischen um den Hertha-Nachwuchs.

Erwin Hermandung: 192 Bundesliga-Spiele und 34 Tore für Hertha BSC stehen für Hermandung auf dem Konto. Eine beachtliche Quote für den damailigan Abwehrspieler. Auch im Europapokal hielt er für Hertha die Knochen hin.

Ein Franke als "Berliner Beer"

Von den Sportreportern damals wurde er „der Berliner Beer“ genannt, bei den Fans dagegen war er nur der „Ete Beer“. 342 Spiele, davon 253 für Hertha in der Bundesliga, 95 Tore, davon 83 Treffer für Hertha BSC. Dazu 24 Länderspiele, sieben Tore – der Franke aus Coburg wurde nicht nur deshalb einst in die Hertha-Elf des Jahrhunderts gewählt.

Seine faire, untadelige, professionelle, sympathische Art lässt heute noch die „Ostkurve“ begeistert beben, wenn Erich Beer im Stadion ist. Selbst junge Hertha-Fans (die seine Enkel sein könnten) feiern ihn jedes Mal überschwenglich, weil sie wissen, dass er ein Großer ist! Und die alten Fans, die sich an seine fantastischen Weitschusstore, seinen Einsatz trotz gebrochenen Armes mit Ledermanschette gegen Roter Stern Belgrad im Europacup erinnern, tun es sowieso.

Mit "Hanne" Weiner gegen 1860 auf der Tribüne


„Hertha ist mein Verein, Hertha wir immer in meinem Herzen sein, ich bin ein Herthaner“, sagt Beer mit Stolz, obwohl er auch beim „Club“, bei RWE, bei den „Löwen“ und in Saudi-Arabien Erfolge feierte. Seine Zeit war die in Berlin, keine Frage! „Berlin ist meine zweite Heimat.“

Oft ist er hier an der Spree, besucht alte Freunde, besucht Michael Preetz, besucht die Geschäftsstelle und die Spiele. Gegen 1860 München wird mit seiner Frau Gabriele wieder aus München anreisen, gemeinsam mit seinem Freund „Hanne“ Weiner - bei dessen Hochzeit war Erich Trauzeuge - auf der Tribüne sitzen. „Mit Hanne und seiner Frau fahren wir dann nach dem Spiel eine Woche an die Ostsee. Ein bisschen Urlaub machen. Danach geht es zurück nach Berlin, um das Länderspiel anzuschauen.“

Herthas Rekordtorschützen gut befreundet


Lange, lange war er Rekordtorschütze bei Hertha. 83 Treffer waren es, geschossen von 1971 bis 1979. Eine Zahl, die hier eigentlich in Stein gemeißelt war. „Dann kam der Michael Preetz, Tor um Tor, immer näher“, erzählt „Ete“, der in München bei BMW als Fuhrparkchef noch einmal eine zweite berufliche Karriere nach dem Fußball begonnen hatte. Und er verrät ein Geheimnis, dass er noch nie erzählt hat:

„Anfangs war mir das ja gar nicht recht, ich wollte den Rekord so gern noch ein bisschen behalten. Aber dann als es soweit war, der Micha gleichauf mit mir war, wurde ich x-mal vom Fernsehen eingeladen, musste viele Interviews geben, wie es denn wäre, wenn man als Rekordtorschütze abgelöst würde. Das ist mir ganz schön auf die Nerven gegangen – am Ende war ich total froh, dass es der Micha endlich geschafft hatte“, schmunzelt Erich Beer heute noch. „Und weil Michael Preetz es verdient hat, er hat soviel für Hertha geleistet. So wie heute: Nie für sich, immer für den Klub. Das verbindet uns, da sind wir gleich. Seit damals sind wir befreundet, Michael und ich, telefonieren häufig, treffen uns, reden über Hertha BSC.“

Familie Beer gehört auch zur Hertha-Familie

Dass Erich Beer eine wahre Legende des Klubs ist, belegt ein weiteres Detail. Gerade ist er, Vater von zwei Söhnen (Ralf und Frank), zum vierten Mal Großvater geworden. „Mein Sohn Frank, der 1973 im Virchowkrankenhaus in Wedding zur Welt kam, hat mit seiner Frau nach seiner Tochter Felicitas nun Söhnchen Flint bekommen. Flint habe ich sofort als Hertha-Mitglied angemeldet, genauso wie Frank es ist und Felicitas auch“, sagt der Mann, der bei Hertha natürlich die Mitgliedsnummer „8“ hat.

Und wie sieht Erich Beer die aktuelle Hertha? „Der Jos Luhukay ist ein toller Trainer. Seriös, ruhig, mit klaren Zielen und klarer Handschrift. Seit dem vollkommen verdienten Sieg gegen Union ist so was wie ein Bremse gelöst – diese Mannschaft wird sich, auch wenn Rückschläge nicht ausbleiben, immer besser einspielen und ihre Ziele erreichen.“ Gegen 1860 München am Freitagabend (05.10.12) soll dafür der nächste Schritt folgen – Erich Beer und „Hanne“ Weiner werden es von der Tribüne aus verfolgen.

Intern, 05.11.2018
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