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"Will unbedingt nochmal spielen!"

Malik Fathi hält sich aktuell bei Herthas U23 fit - am Samstag spielen seine Ex-Klubs gegeneinander. Wir haben mit dem Berliner gesprochen.

Berlin - Für Malik Fathi wird es am Wochenende ein interessantes Spiel. Bei der Paarung von Hertha BSC gegen den 1. FSV Mainz 05 treffen zwei seiner ehemaligen Vereine im Olympiastadion aufeinander. Bis zum Ende der zurückliegenden Saison spielte der gebürtige Berliner bei den 05ern, sein fußballerisches Rüstzeug erhielt der Linksverteidiger bei den Blau-Weißen. Zwischen 2003 und 2008 lief der jetzt 30-Jährige fast 150 Mal für die Herthaner auf, ehe es ihn zu Spartak Moskau in die russische Liga verschlug.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland zu Mainz 05 spielte der zweimalige deutsche A-Nationalspieler auf Leihbasis auch noch bei Kayserispor in der Türkei sowie beim TSV 1860 München. Am Ende der vergangenen Saison wurde der Vertrag in Mainz nicht verlängert - seit diesem Sommer hält sich Malik Fathi bei Herthas U23 fit und ist heiß, sich noch einmal im Profibereich zu beweisen. Vor dem Spiel seiner beiden früheren Vereine sprach herthabsc.de mit dem Berliner über das anstehende Spiel, die Rückkehr auf das Trainingsgelände von Hertha BSC sowie seine Zeit außerhalb seiner Heimatstadt.

herthabsc.de: Hallo Malik Fathi, wie läuft es mit dem Training in Herthas U23?
Malik Fathi: Es läuft wirklich gut. Das war auch wirklich wichtig nach der langen Sommerpause. Ich bin jetzt vier Wochen dabei und merke, dass ich so langsam wieder richtig fit werde. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man nur für sich individuell trainiert.

herthabsc.de:
Wie kam es denn dazu, dass Sie nun wieder bei Hertha BSC trainieren?
Fathi: Ich habe mit Michael Preetz und Ante Covic gesprochen, und ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mir die Möglichkeit geben, dass ich hier mittrainieren kann.

herthabsc.de: Wie schätzen Sie Ante Covic und seine Mannschaft ein?
Fathi: Ante macht das wirklich gut. Er bekommt den Spagat zwischen Autorität und Kumpeltyp hervorragend hin. Das ist schon eine große Aufgabe und Herausforderung in dem Altersbereich. Es ist auch eine starke Mannschaft. Sie hat eine gute Mischung aus jungen Spielern, die nicht umsonst auch immer mal wieder oben mittrainieren, und einigen Erfahreneren. Darüber hinaus herrscht auch ein gutes soziales Miteinander, das kenn ich auch noch aus meiner Zeit von damals.

Malik Fathi für Hertha BSC im Einsatz.

herthabsc.de: Wie fühlt es sich denn an, nun wieder regelmäßig auf das Gelände zu fahren?
Fathi: Das ist schon ein schönes Gefühl, wieder da zu sein und auch wieder ein Trainingsshirt mit der Hertha-Fahne auf der Brust anzuziehen. Das weckt schon die eine oder andere Erinnerung an die Jahre, die ich hier verbracht habe und an die ich sehr gerne zurückdenke. Es macht schon Spaß hier wieder aufs Gelände zu fahren.

herthabsc.de: Sie waren einige Jahre weg. Was hat sich im Vergleich zu Ihrer Zeit verändert?
Fathi: Vieles ist natürlich noch professioneller geworden, es gibt noch mehr Räumlichkeiten, noch mehr Möglichkeiten und Trainer, die mit einem individuell arbeiten können. Das sind die Ergebnisse der Entwicklungen der letzten Jahre, dass auch schon im Nachwuchsbereich viel mehr gefordert wird.

herthabsc.de: Nach Ihrer Zeit bei Hertha BSC ging es nach Russland. Was ist aus dieser Zeit hängen geblieben?
Fathi: Berlin ist ein Dorf im Vergleich zu Moskau, was die Anzahl der Menschen oder den Verkehr angeht. Da ist Moskau schon gewaltig, aber auch ganz interessant und facettenreich. Die Zeit hat schon viel Spaß gemacht - vielleicht von dem Verkehr mal abgesehen. Mit Englisch kommt man da auch nicht unbedingt so weit, deshalb sollte man schon Russisch lernen.

Malik Fathi im Trikot von Spartak Moskau.

herthabsc.de: Lassen sich die russische Liga und die Bundesliga vergleichen?
Fathi: Sportlich gesehen kann man sagen, dass es dort in der Liga durchaus individuelle Klasse gibt, wie auch in der Bundesliga. Spieltaktisch oder auch von den Stadien lässt sich das natürlich nicht vergleichen. Aber da ist es sowieso schwer, ein vergleichbares Land zu finden. Unterm Strich war das eine super Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

herthabsc.de: Wie haben Sie den weiteren Weg von Hertha BSC nach dem Vereinswechsel verfolgt?
Fathi: Natürlich habe ich das verfolgt. Ich war erstaunt, als sie plötzlich um die Meisterschaft mitgespielt haben und natürlich auch traurig bei den Abstiegen. Gerade in den letzten Jahren war es ein ziemliches Auf und Ab, aber im Moment läuft es wirklich wieder gut.

herthabsc.de: Von Moskau ging es zurück nach Deutschland zu Mainz 05. Sicherlich ein kleiner Kulturschock?
Fathi: Es wirkt auf der einen Seite einfach alles viel organisierter und für einen als Spieler leichter, was die Umstände angeht. Mainz tat mir nach den Millionenstädten Berlin und Moskau ganz gut, weil es einfach im Vergleich ruhiger und familiärer war - aber dennoch auf einem sehr professionellen Niveau.

Gastspiel als 'Löwe' - Malik Fathi als Spieler von 1860 München.

herthabsc.de: Mit Mainz und 1860 München haben Sie bereits gegen Hertha BSC gespielt. Inwiefern ist es etwas Besonderes, gegen den ehemaligen Verein zu spielen?
Fathi: Das Drumherum ist anders. Man wird von allen angesprochen und auch von der Presse befragt. Und wenn man dann ins Olympiastadion reinfährt, sitzt du dann nicht mehr im Hertha-Bus, sondern im anderen und gehst in die Gäste-Kabine. Das ist gewöhnungsbedürftig, denn ich habe ja eine ziemlich lange Zeit bei Hertha BSC verbracht. Im Spiel selber ist es dann nicht mehr so besonders. Dann ist man konzentriert und fokussiert und es geht es ums Gewinnen.

herthabsc.de: Am Wochenende steht das Duell zweier ehemaliger Vereine von Ihnen an. Für wen schlägt Ihr Herz?
Fathi: Am Samstag werde ich auf jeden Fall im Stadion sein. Das ist schon ein Spiel, das ich mir gern anschaue. Die Frage, wem meine Sympathien gehören, habe ich mir letztens auch schon gestellt. Hertha BSC ist mir natürlich näher, auch weil ich jetzt wieder hier trainiere. Allerdings kenne ich von der Mainzer Mannschaft noch viele Spieler, deshalb hoffe ich einfach auf ein gutes Spiel.

herthabsc.de: Wie schätzen Sie Herthas bisherigen Saisonverlauf ein?
Fathi: Wenn man gegen Leverkusen spielen muss, die gerade einen brutalen Lauf haben, sollte man so ein Ergebnis nicht zu wichtig nehmen. Von der Qualität her ist die Mannschaft noch einmal stärker als letztes Jahr. Ich bin da eigentlich ganz positiv gestimmt, gerade auch, wenn man die erste Halbzeit gegen Bremen nimmt und sieht, mit welcher Überlegenheit sie da gespielt haben. Deshalb glaube ich, dass einer positiven Saison eigentlich nichts im Wege steht.

Im Duell mit Hertha BSC: Malik Fathi im Trikot von Mainz 05.

herthabsc.de: Und wie sieht es mit Mainz 05 aus?
Fathi: Mainz hatte einen wirklich schwierigen Start mit dem Aus in der Europa League und im DFB-Pokal und den ersten Spielen in der Liga. Sie sind jetzt aber schwer einzuschätzen, weil sie auch noch eine ganze Reihe an Spielern hinzugeholt haben. Da stellt sich die Frage, wie schnell sich diese integrieren lassen. Man darf auch nicht vergessen, dass sie mit Choupo-Moting oder Müller auch hochkarätige Abgänge zu verkraften haben, die schwer zu kompensieren sind. Aber Mainz hat schon immer ausgezeichnet, dass sie mit der Qualität, die sie zur Verfügung haben, und über die mannschaftliche Geschlossenheit immer das Beste herausgeholt haben.

herthabsc.de: Was erwarten Sie für ein Spiel?
Fathi: Es wird schon ein interessantes Spiel zwischen zwei Mannschaften, die nicht so optimal gestartet sind. Für mich ist es besonders, weil es zwei Teams von mir sind, bei denen ich gerne gespielt habe.

herthabsc.de: Und wann sehen wir Sie wieder auf einem Platz um Punkte kämpfen?
Fathi: Mein Ziel ist es - jetzt wo ich auch merke, dass ich wieder bei 100 Prozent und hoch motiviert bin und Spaß habe - dass ich einen Verein finde, der mir das Vertrauen schenkt, welches ich dann gerne zurückzahlen möchte. Ich bin selbstkritisch, denke aber, dass ich auf jeden Fall noch das Niveau für den Profifußball habe. Und ich will unbedingt noch mal spielen!

(war/City-Press,dpa)

Intern, 05.11.2018
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