Bild: herthabsc

#HerthaMuseum: Jubiläum im Ersten Weltkrieg

Das 125-jährige Vereinsjubiläum ist mit der abgelaufenen Saison 2017/18 mittlerweile selbst schon Geschichte. Anlass genug, einen Blick auf die ganz frühen Vereinsjubiläen von Hertha zu werfen: Wir starten die blau-weiße Zeitmaschine, um auf die Saison 1916/17 zurückzuschauen, die mit dem 25-jährigen Vereinsjubiläum ihren Ausklang findet – und das mitten im Ersten Weltkrieg.

Berlin - Der Berliner Fußball-Club Hertha 1892 gewinnt in der Saison 1914/15 erstmals die seit 1911 ausgespielte, regionale Meisterschaft des VBB (Verband Brandenburgischer Ballspielvereine). In der darauffolgenden Spielzeit verpasst Hertha den erneuten Titelgewinn, man liegt nur einen Punkt hinter dem BTuFC Viktoria 89. Grund genug für die Blau-Weißen, in der Saison 1916/17 auf den regionalen Fußball-Thron zurückkehren zu wollen.

Fußball im Ersten Weltkrieg

Bereits 1914/15 hätte der BFC Hertha theoretisch als regionaler Meister um die Deutsche Meisterschaft ins Rennen gehen dürfen – es bleibt jedoch beim Wunschdenken, denn Ende Juli 1914 bricht, von der deutschen Seite massiv befördert, der Erste Weltkrieg aus. In den vier Jahren des Krieges von 1914 bis 1918 werden keine Deutschen Meisterschaften im Fußball mehr ausgespielt, lediglich die regionalen Titel werden vergeben. 

Doch auch innerhalb der einzelnen Mannschaften bedeutet der Erste Weltkrieg einen großen Einschnitt: Spieler melden sich in der Kriegseuphorie, die vor allem anfangs ausbricht, freiwillig als Soldaten zur Front oder werden zum Militärdienst eingezogen. Der Fußball wird in der Vorbereitung auf den Kriegsdienst als sportliche Ertüchtigung genutzt - unter den Soldaten an der Front gilt er als ein beliebtes Mittel zur Ablenkung vom Kriegsgeschehen. Immer wieder fallen Mannschaftsmitglieder in den Kämpfen oder werden schwer verletzt, so dass sie auch nach ihrer Rückkehr nicht mehr spielen können – 'Kriegsinvaliden' prägen das Berliner Stadtbild immer stärker. Unter diesen Voraussetzungen bestreitet der BFC Hertha 1892 im Jahre 1916 noch insgesamt 49 Meisterschafts-, Pokal- und Freundschaftsspiele - 1917 dagegen sind es nur noch 35 Partien.

Starke Konkurrenz um den Titel

Auf dem Weg zur angestrebten 'Kriegsmeisterschaft' scheinen der amtierende Titelträger sowie der SC Union Oberschöneweide die stärksten Konkurrenten um den ersten Tabellenplatz zu sein, der in einer Spielrunde mit zehn Mannschaften im Hin- und Rückspiel vergeben wird. Die Saison beginnt Anfang September 1916 mit einem 2:2 (0:2) im Heimspiel gegen den BSC Berolina 01 eher ernüchternd, bevor die nächsten vier Partien mit einem deutlichen Torverhältnis von 19:3 siegreich gestaltet werden. Auch der amtierende Meister BTuFC Viktoria 89 wird mit einem klaren 4:0 besiegt.

Am zweiten Adventssonntag 1916 kommt es zum Hinspiel beim Titelkonkurrenten SC Union Oberschöneweide, in dem die Herthaner vor 2.000 Zuschauern einen 1:2-Pausenrückstand noch zu einem Remis ausgleichen. Erst Anfang März 1917 muss der BFC Hertha 1892 ausgerechnet gegen den BTuFC Viktoria 89 mit einem 1:3 (0:0) die erste Saisonniederlage hinnehmen.

Unaufhaltsame Siegesserie

Am ersten Frühlings-Sonntag im März 1917 kommt es am zwölften Spieltag zum vorentscheidenden Aufeinandertreffen mit dem SC Oberschöneweide, der vor der heimischen Rekordkulisse von 2.000 Zuschauern auf dem Schebera-Platz mit 5:0 (2:0) zurück an die Wattstraße geschickt wird.

Von der Euphorie dieses eindrucksvollen Sieges getragen und unter Führung ihres erfolgreichsten Torschützen Otto Montag, der in fünfzehn Spielen 30 von 70 Hertha-Toren beisteuert, eilen die Herthaner von Sieg zu Sieg und krönen die herausragende Spielzeit 1916/1917 am 13. Mai 1917 mit einem 4:1 (3:0) gegen Tennis Borussia. Dieser siebte Sieg in Folge von insgesamt fünfzehn gewonnenen Spielen bedeutet mit einem Punkt Vorsprung auf den SC Union Oberschöneweide den Gewinn der sogenannten Kriegsmeisterschaft des seit April 1911 existierenden 'Verband Brandenburgischer Ballspielvereine' (VBB). Es ist der höchstmögliche Titel, den die im Laufe der Saison 25 Spieler umfassende Mannschaft im Ersten Weltkrieg erringen kann.

Ein Vereinsjubiläum zu Kriegszeiten 

Diese zweite Kriegsmeisterschaft von 1916/17, die unter Berücksichtigung des Triumphes der Saison 1905/06 den dritten Berliner Meistertitel bedeutet, bildet ein freudiges Fundament, um das Vereinsjubiläum zum 25-jährigen Bestehen zu begehen. Aus Anlass des Jubiläums wird an die Vereinsmitglieder eine Postkarte herausgegeben, auf der die Meistermannschaft von 1916/17 abgebildet ist und hinten handschriftlich vermerkt ist: "Zur freundlichen Erinnerung an unser 25-jähriges Bestehen." Viel mehr, so die Vermutung, ist aufgrund der Kriegsumstände nicht möglich.

Heute sind 36 Namen von Hertha-Mitgliedern bekannt, die im Ersten Weltkrieg als Soldaten gefallen sind – darunter befindet sich auch Richard 'Rieke' Voigt, ein damaliger Starspieler des Vereins, für den eigens eine Todesanzeige mit seinem Bild im Hertha-Trikot herausgegeben wird. Insgesamt fallen im Ersten Weltkrieg schätzungsweise 10 Millionen Soldaten, rund 20 Millionen werden verwundet. Darüber hinaus gehen Schätzungen von etwa sieben Millionen getöteten Zivilisten aus, die in vielen Fällen den Kriegsverbrechen der beteiligten Armeen zum Opfer fallen. Die Kriegserfahrung des Ersten Weltkriegs – die deutsche Armee setzt erstmals systematisch Giftgas und Flächenbombardements ein – macht aus zahlreichen ehemaligen Soldaten überzeugte Pazifisten. Andere sehnen sich nach einer 'Rache' für die deutsche Niederlage und bereiten so schließlich auch dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg den Weg, in den das 50-jährige Vereinsjubiläum von Hertha BSC fällt.

(fs/HerthaBSC)

Intern, 05.07.2018
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