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#HerthaMuseum: Ein König im Tor von Herthas Jahrhundertelf

In der elften Ausgabe unserer historischen Rückblicke richten wir den Scheinwerfer auf Gábor Király. Der Ungar errang während seiner sieben Jahre in Berlin eine kaum zu übertreffende Popularität.

Berlin – Es gibt deutlich einfachere Dinge, als sich den Status als Vereinslegende zu erarbeiten. Einem, dem dieses Kunststück bei Hertha BSC zweifelsohne gelungen ist, ist Gábor Király! Zwischen 1997 und 2004 hütete der Ungar das Tor des Hauptstadtclubs. Mit starken Paraden – und einem stets sympathischen Auftreten – schaffte Király den Sprung in die blau-weiße Jahrhundertelf. Der Mann, dessen Name zu Deutsch "König" bedeutet, stand für die Berliner sowohl bei großen Spielen in der Champions League als auch bei knallhartem Abstiegskampf in der Bundesliga zwischen den Pfosten. So gut wie immer mit dabei: seine berühmte graue Jogginghose.

Doch wie begann diese für alle Beteiligten so schöne Geschichte? Im Jahr 1997 beobachtet Bernd Storck, damals Co-Trainer der Berliner, den aufstrebenden ungarischen Torwart bei zwei Qualifikationsspielen zur U21-Europameisterschaft gegen die Schweiz und Norwegen. Storck gefiel die Leistung des Schlussmannes – und nach einem Probetraining entscheidet sich Hertha BSC, seinerzeit Bundesliga-Aufsteiger, für die Verpflichtung des 21-jährigen Torwart-Talents.

Gemischte Gefühle zu Beginn

In der Hauptstadt braucht Király keine lange Anlaufzeit, gleich in seiner ersten Saison rutscht er zwischen die Pfosten. Nach einem 0:4 bei Hansa Rostock am siebten Spieltag stehen zwei Remis, fünf Niederlagen - und bereits 15 Gegentore zu Buche. Bei Chef-Trainer Jürgen Röber und Torwart-Trainer Enver Marić reift der Entschluss, einen Wechsel im Hertha-Tor vorzunehmen. Für den langjährigen, aber zuletzt glücklos agierenden Stammtorhüter Christian Fiedler bedeutet das ein Platz auf der Bank. Ende September 1997 gastieren die Hauptstädter in der 2. Hauptrunde im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart. Am Vorabend der Partie ruft Röber die ungarische Neuerwerbung in sein Zimmer und teilt ihm seine Entscheidung mit. Der Debütant kann das Ausscheiden nach einem unglücklichen Eigentor und einem verwandelten Foulelfmeter zwar nicht verhindern, dennoch ist es sicher, dass es nicht nur bei diesem einen Auftritt bleibt.

Wenige Tage später kämpfen die Herthaner im Olympiastadion gegen den 1. FC Köln wieder um wichtige Punkte in der Bundesliga. Noch heute erinnert sich Király an fast alle Aktionen seines ersten Spiels im deutschen Oberhaus. An die tolle Stimmung im Olympiastadion und besonders daran, dass er ohne Gegentor bleibt. Seine Mannschaft erringt so vor 44.917 Zuschauern durch einen Treffer von Eyjólfur "Jolly" Sverrisson verdient den ersten Saisonsieg. Mit dem Ungar im Gehäuse folgten noch elf weitere ‚Dreier‘, lediglich 38 Gegentore kassiert er in 26 Partien. Am Ende der Saison 1997/98 bedeutet das den sicheren Klassenerhalt als Tabellenelfter.

Király packt bei einem Spiel gegen Leverkusen sicher zu.

Erfolgreiche Hertha-Jahre

Die gute Entwicklung des Hauptstadtclubs hält auch in der folgenden Saison an. Die Spielzeit 1998/99 schließen die Blau-Weißen mit 62 Punkten - bei nur 32 Gegentoren – sensationell auf dem dritten Tabellenrang ab. Nach zwei Qualifikationsspielen gegen Anorthosis Famagusta aus Zypern qualifizieren sich die Blau-Weißen für die Gruppenphase der UEFA Champions League. Unvergessen die Heimsiege gegen den AC Mailand sowie den FC Chelsea. Beim legendären Nebelspiel behalten die Herthaner gegen den FC Barcelona zudem einen Punkt in Berlin. In den folgenden Jahren qualifizieren sich die Hauptstädter als Dauergast für den UEFA Cup. Darüber hinaus gewinnen Király und Co. 2001 und 2002 den DFB-Ligapokal. Der Torwart glänzt als Leistungsträger und Stammspieler, nur kurze Verletzungspausen zwingen ihn zu kurzen Auszeiten – bis Dezember 2003.

Der blau-weiße Leistungsnachweis in Zahlen

Mit Rückrundenbeginn baut Neu-Coach Hans Meyer wieder auf Christian Fiedler. Dank einer starken Rückrunde gelingt den Blau-Weißen noch der Klassenerhalt – und Király bekommt am 34. und letzten Spieltag seinen verdienten Abscheid: Am 22. Mai 2004 würdigt Meyer die herausragenden Verdienste des Torwarts für den Verein und wechselt ihn unter dem frenetischen Jubel der 56.038 Zuschauer in der 77. Spielminute gegen den 1. FC Köln ein. Es ist der letzte Einsatz Királys im Trikot von Hertha BSC – und dieser endet wie sein erstes Bundesliga-Spiel: mit einem 3:1-Sieg gegen die Domstädter. Insgesamt blickt der „König“ auf 252 Pflichtspiele für Hertha BSC zurück, in denen er 89 Mal zu Null spielte, das entspricht einer Quote von rund 35 Prozent. Bei seinen 198 Partien im deutschen Oberhaus musste Király durchschnittlich lediglich 1,32 Gegentore pro Duell hinnehmen und blieb 72 Mal ohne Gegentreffer. Zudem holte er in der Liga im Schnitt 1,57 Punkte pro Spiel.

Von Jogginghosen und Torwart-Toren

Wie eingangs erwähnt ist den Hertha-Fans neben den guten Leistungen eine Eigenheit Királys in Erinnerung geblieben: die berüchtigte graue Jogginghose. 20 bis 30 Exemplare seiner ‚Schlabberhosen‘ trug er pro Spielzeit – und diese stets eine Nummer zu groß. Umso größer das Erstaunen, als er im September 2003 mit seiner eigenen Tradition bricht: Bei einer UEFA-Cup-Partie gegen den polnischen Vertreter Groclin Grodzisk läuft er im Olympiastadion tatsächlich in einer lindgrünen kurzen Hose auf. In seiner Karriere wird Király noch eine weitere Ehre zuteil: 1998 wählen die Zuschauer der ARD-Sportschau seinen Treffer per Abschlag während eines Vorbereitungsspiels gegen den Karlsruher SC zum Tor des Monats Juli.

Die Beliebtheit Királys, den die Fans anlässlich des 111. Vereinsjubiläums in die Jahrhundertelf von Hertha BSC gewählt haben, ist auch Jahre danach unvermindert groß. Beim Abschiedsspiel von Marcelinho im Olympiastadion im März 2017 umjubeln die Besucher die Rückkehr des 108-fachen ungarischen Rekord-Nationalspielers, der seit der Achtelfinalpartie gegen Belgien am 26. Juni 2016 mit 40 Jahren und 86 Tagen zudem der älteste jemals bei einer Europameisterschaft eingesetzte Spieler ist.

Noch immer aktiv

Genug hat der mittlerweile 42-jährige Schlussmann aber immer noch nicht. Aktuell hütet er das Tor seines Heimatvereins Haladás Szombathely in der höchsten ungarischen Liga. Zudem betreibt er erfolgreich ein Sportzentrum sowie eine Torwartschule und vertreibt seine eigene Sportkollektion – selbstverständlich inklusive der  legendären grauen Schlabberhose.

(HerthaBSC/City-Press)

Intern, 05.11.2018
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