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#HERTHAMUSEUM: Reise nach Israel

In der 20. Ausgabe unserer Reihe #HerthaMuseum berichten wir über eine Reise einer blau-weißen Delegation nach Israel. Die zehn Tage im Jahr 1974 hinterließen bei allen Beteiligten unvergessliche Erinnerungen.

Berlin – Vor 45 Jahren rückt Israel aufgrund von sportpolitischen Beziehungen in den Blickpunkt des Hauptstadtclubs. Lediglich 17 Monate nach dem Attentat auf israelische Sportler während der Olympischen Sommerspiele in München, machen sich die Blau-Weißen als Botschafter des Sports und der Freundschaft erstmals auf den Weg nach Tel-Aviv. Vor dem Abflug gilt die höchste Sicherheitsstufe auf dem Flughafen Tegel. Zu groß ist die Sorge vor politisch motivierten Anschlägen vor dem mehrtätigen Besuch. So bewacht die Berliner Polizei das eigens gecharterte Flugzeug, außerdem sondieren Spähfahrzeuge die Umgebung des Flughafengeländes.

Sicherheit als höchstes Gebot

Wegen der Reise wird das ursprünglich geplante Bundesliga-Spiel bei Rot-Weiss Essen (09.02.1974) verschoben, einen Tag später beginnt für den Hertha-Tross der mit großer Spannung erwartete Trip. Die Bedeutung dieses Unterfangens spiegelt sich in den Teilnehmern wider: Neben dem Vorstand, dem Präsidium um Präsident Heinz Warneke, dem Trainerstab und der Mannschaft umfasst die etwa 50-köpfige Reisegruppe zahlreiche Journalisten. So sind etwa Vertreter vom RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) und des SFB (Sender Freies Berlin) dabei, darunter Heinz Deutschendorf, Moderator der Berliner Abendschau. Auch einige Ehefrauen und Lebensgefährtinnen der Lizenzspieler lassen sich die Möglichkeit nicht entgehen, als Schlachtenbummler mitzureisen.

Nach einem ruhigen Flug und einer sicheren Landung auf dem Flughafen Ben Gurion, benannt nach dem ersten Ministerpräsidenten des Landes, wird die Reisegruppe vom Berliner Politiker Jürgen Wohlrabe und Funktionären von Hapoel Tel Aviv empfangen. Nach der Ankunft im direkt am Mittelmeer liegenden Hotel 'Grand Beach' stellen sich Präsident Warneke und Trainer Helmut 'Fiffi' Kronsbein am Abend den Fragen der israelischen Pressevertreter. Am nächsten Tag genießen die Verantwortlichen von Hertha BSC im gegenüber der weltbekannten Diamantenbörse gelegenen Hotel 'Ramat Aviv' ein exzellentes Mittagessen auf Einladung des Vorstands des israelischen Fußballverbandes. Die Verbandsmitglieder schließen sich auch der darauffolgenden Stadtrundfahrt an. Am frühen Abend findet sich der Reisetross im Hotel 'Gil' ein, wo 500 ausgewanderte Berliner den Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz und die Hertha-Mannschaft mit großem Beifall empfangen. Am zweiten Tag nach der Ankunft reist der Vorstand in einem von Wolfgang Holst geführten Mietwagen nach Haifa, Akko sowie Nahariya und besuchen die libanesiche Grenze. Die anderen Reiseteilnehmer nutzen den Tag für einen Einkaufsbummel in Tel-Aviv oder um Jerusalem und den See Genezareth zu besuchen.

Maschinenpistolen in der Umkleide

Nach Trainingseinheiten an den ersten beiden Tagen steht für die Lizenzspieler das erste Testspiel gegen Maccabi Tel Aviv an. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass in Israel kein Frieden herrscht: Nach einem Schusswechsel an den Golan-Höhen am Vortag, bei dem zwei Israelis ihr Leben lassen, zeichnet sich ein schwacher Besuch des Freundschaftsspiels ab. In der Kabine der Gastgeber liegen Uniformen und Maschinengewehre, einige Spieler sind Soldaten, die für diese Partie Kurzurlaub erhalten. Die Berliner, die wohl auch unter dem Einfluss dieses Ereignisses stehen, unterliegen nach zerfahrenem Spiel auf tückischem Boden und hohen Temperaturen mit 1:3 (0:1).

In den folgenden Tagen besuchen die Berliner das Tote Meer, die Steinwüste Sinai, das Rote Meer, den Hafen von Eilat und Jericho, die älteste Stadt der Welt. Der kulturelle Höhepunkt ist jedoch zweifelsfrei eine Rundfahrt nach Bethlehem und Jerusalem. Beim Besuch von Yad Washem, der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust, legt Präsident Warneke in Andacht einen Kranz mit blau-weißer Schleife nieder. Es schließt sich der Besuch der Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem und der Geburtsstätte von Jesus Christus in Bethlehem an.

Sport und Kultur

Am Tag vor dem Abflug steht für die Mannschaft das zweite Freundschaftsspiel gegen die finanziell besser gestellte Mannschaft von Hapoel Tel-Aviv auf dem Programm. Dieses Mal zeigen sich die Herthaner auch aufgrund einiger personeller Wechsel formverbessert und gewinnen nach Treffern von Lorenz Horr, Kurt Müller und Johannes Riedl mit 3:1. Den letzten Abend verbringen die Vereinsverantwortlichen mit den Vorständen von Maccabi und Hapoel, die sich für den Besuch von Hertha BSC bedanken. Die Blau-Weißen heben ihrerseits die Bedeutung dieser Reise hervor.

Am 19.02.1974 endet der Besuch in Israel, der in der Geschichte von Hertha BSC bis zum heutigen Tage als Beitrag für eine gemeinsame, friedliche und freundschaftliche Zukunft über die Grenzen von Konfessionen hinaus einen ganz besonderen Stellenwert besitzt.

(fs/dpa)

Intern, 11.02.2019
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