Bild: dpa

Kiek ma, wer da kommt: Stuttgart

Am Samstag (17.10.20, 15:30 Uhr) ist der VfB Stuttgart zu Gast im Berliner Olympiastadion. In der Gegnervorschau stellen wir die Schwaben vor.

Berlin - Die vergangenen Jahre passen nicht so recht in das schwäbische Selbstverständnis. Der VfB Stuttgart, größtes sportliches Aushängeschild und Anziehungspunkt der Region, lief der glorreichen Vergangenheit meistens hinterher. Schlimmer noch: Von Fahrstuhlmannschaft, also einem Team, das zwischen der 1. und 2. Bundesliga pendelt, war hier und da schon die Rede. In der laufenden Spielzeit unternimmt der Traditionsverein einen weiteren Anlauf, um bessere Zeiten wieder aufflackern zu lassen. Mit dem nötigen Realismus und einem Schuss Demut, wie Ex-Profi und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger betont. "Da tun wir gut daran zu sagen: Wir wollen den Klassenerhalt. Wir haben in den vergangenen vier, fünf Jahren vieles durchlebt. Jetzt, nachdem wir gerade aufgestiegen sind, und das auch nicht mit der allergrößten Euphorie, da muss man sagen, da kann es nur dieses Ziel geben. Wir sind nicht mehr der große Verein, der gesetzt ist." Der Aufsteiger in die Bundesliga - gekommen, um zu bleiben! In der Gegnervorschau nimmt herthabsc.de den fünfmaligen Deutschen Meister unter die Lupe.

Die sportliche Situation: Der Bundesliga-Rückkehrer, der sich nach dem Auf und Ab der Vorjahre wieder in der höchsten deutschen Spielklasse festbeißen möchte, ist recht ordentlich in die Saison gestartet. Im DFB-Pokal setzte sich der dreimalige Pokalsieger knapp mit 1:0 bei Hansa Rostock durch. Zum Liga-Auftakt kam die Aufholjagd beim 2:3 gegen den Sport-Club Freiburg zwar zu spät, doch durch einen 4:1-Erfolg beim FSV Mainz und ein 1:1-Remis gegen Bayer Leverkusen stehen vier Punkte auf der Habenseite. "Es ist eine Frage des Willens. Man hat in den drei Spielen gesehen, dass wir in der Lage sind, in der Bundesliga zu spielen. Da bin ich schon sehr zufrieden", sagte Pellegrino Matarazzo, der nach Tätigkeiten im Nachwuchsbereich des 1. FC Nürnberg und der TSG Hoffenheim seit Ende 2019 VfB-Cheftrainer ist. Zusätzliches Selbstvertrauen hat der Verein aus dem Stadtbezirk Bad Cannstatt in der Länderspielpause durch ein 3:0 im Test gegen Freiburg gesammelt. "Es war ein guter Test, insbesondere für die Spieler, die zuletzt wenig gespielt haben oder nach Verletzungen zurückgekommen sind", berichtete der US-amerikanische Coach anschließend.

Die Stuttgarter im Fokus: Während bei den Herthanern zuletzt über ein Dutzend Profis für ihre Nationen im Einsatz waren, fehlten beim mehrfachen Europapokalteilnehmer 'nur' sieben Akteure, davon spielten in Sasa Kalajdzic (Österreich) und Wataru Endo (Japan) zwei Schwaben für die jeweilige A-Auswahl, u.a. Orel Mangala für die belgische U21. "Ich habe die Spiele und Spieler bei den Nationalteams natürlich verfolgt und freue mich, dass sie in dieser Woche mit viel Selbstbewusstsein zurückgekommen sind", sagte Matarazzo, der jedoch auch kurzfristig entscheiden muss, ob alle Akteure einsatzbereit sind. Die größten Spuren in der noch jungen Saison hinterließ Kalajdzic der bereits drei Tore schoss, ein weiteres auflegte und folglich unter der Woche erstmals für die Alpenrepublik auflief. Zwei weitere Tore gehen auf das Konto von Silas Wamangituka, der 21-Jährige Kongolese wechselte 2019 vom FC Paris in die Landeshauptstadt und belebte auf Anhieb das Offensivspieler seines neuen Arbeitgebers (35 Pflichtspiele, 11 Treffer). Nicolas Gonzalez, im Aufstiegsjahr Top-Scorer seiner Elf und im Sommer mit namhaften Clubs in Verbindung gebracht "wird am Samstag mindestens auf der Bank Platz nehmen können", verriet sein Trainer. Dagegen fehlen die Innenverteidiger Waldemar Anton und Konstantinos Mavropanos sowie Erik Thommy (Aufbautraining).

Gesagt...

"Hertha hat eine gute Mannschaft mit viel Qualität und Tempo in der Offensive. Jhon Córdoba, Krzysztof Piątek oder Matheus Cunha können den Unterschied machen."

Pellegrino Matarazzo

Die Schnittstellen: Der Fußball birgt zahlreiche spannende Konstellationen – zwischen Vereinen, Spielern und Trainern. Auch beim Duell zwischen der 'Alten Dame' und dem Aufsteiger aus Schwaben ist das nicht anders. Für Bruno Labbadia ist die kommende Paarung ein Duell mit dem Ex-Club, den er von Dezember 2010 bis August 2013 coachte. "Ein besonderes Spiel ist es nicht mehr, dafür bin ich schon zu lange weg. Wie in jedem Ligaspiel wollen wir drei Punkte holen. Aber ich habe weiterhin gute Verbindungen zum VfB. Für mich war meine Zeit dort eine Erfolgsgeschichte und ich freue mich, dass der Verein wieder in der Bundesliga ist", sagte der 54-Jährige, angesprochen auf sein Engagement in Baden-Württemberg. Einen Spieler im Aufgebot des Aufsteigers kennt der Übungsleiter, dessen Trainerteam ebenfalls VfB-Vergangenheit hat, ganz besonders gut: Daniel Didavi. Der Mittelfeldspieler lief unter ihm zwei Jahre in Stuttgart und 2018 wenige Monate beim VfL Wolfsburg auf. "Ich freue mich auf das Wiedersehen. Auch wenn es sportlich nicht immer einfach für mich unter dem Trainer Bruno Labbadia war, so ist er doch menschlich top. Ich stehe mit ihm auch heute noch hin und wieder in Kontakt", sagte der 30-Jährige in diesen Tagen. Ein Wiedersehen fällt für Santiago Ascacíbar, der im vergangenen Winter an die Spree wechselte, dagegen aus. Der Blondschopf fehlt verletzungsbedingt.

Die besonderen Duelle: Die älteren Fans der Blau-Weißen werden sich vermutlich mit Grauen daran erinnern. Am 31. Mai 1980 gewannen die Berliner zwar mit 4:2 gegen den drittplatzierten VfB, doch der Sieg reichte nicht, um den ersten sportlichen Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern. Punktgleich mit Uerdingen, aber mit dem um zwei Treffer schlechteren Torverhältnis, stieg die Elf von Trainer Helmut 'Fiffi' Kronsbein ab. 50.000 enttäuschte Zuschauerinnen und Zuschauer spendeten der Mannschaft dennoch Applaus. 50 Jahre her ist dagegen der erste Bundesliga-Heimsieg: Am 22. April 1970 setzten sich die Spreeathener mit 3:1 gegen Stuttgart durch. 



Die Meinung über den Hauptstadtclub:
 Die Schwaben rechnen mit einem Gegner, dessen Formation "schwierig zu berechnen und vorherzusagen" ist. Außerdem warnt Matarazzo sein Team vor der Offensive der Blau-Weißen: "Hertha hat eine gute Mannschaft mit viel Qualität und Tempo in der Offensive. Jhon Córdoba, Krzysztof Piątek oder Matheus Cunha können den Unterschied machen." Selbstbewusst geht Didavi in das Kräftemessen. "Vor der Länderspielpause haben wir aus drei Spielen vier Punkte geholt. Das ist in Ordnung und vor allem die Art und Weise, wie wir zu den Punktgewinnen gekommen sind. In Berlin wollen wir nachlegen."

(fw/dpa)

Profis, 16.10.2020
Newsletter
Werbung