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Kiek ma, wo dit hinjeht: Freiburg

Am Samstag (09.03.19, 15:30 Uhr) tritt Hertha BSC beim Sport-Club Freiburg an. Die Gegnervorschau präsentiert TEDi.

Berlin - In 56 Jahren Bundesliga gab es schon so manches Phänomen - positiv wie negativ: Ein Aufsteiger, der sensationell deutscher Meister wurde (Anm. d. Red.: 1. FC Kaiserslautern 1997/98) oder ein Absteiger mit einer grauenhaften Bilanz (Anm. d. Red.: Tasmania Berlin 1965/66) sind nur zwei Beispiele. Der Sport-Club Freiburg taucht zwar in beiden Extremen nicht auf, gehört aber zweifelsohne zu den besonderen Erscheinungen der höchsten deutschen Spielklasse. Jahr für Jahr bestehen die Freiburger im Haifischbecken Bundesliga. Sollten sie mal absteigen, kommen sie schnell zurück - und das alles mit beschaulichen wirtschaftlichen Mitteln. Wo andere Vereine schnell mal die Nerven verlieren, zeichnen sich die Breisgauer durch eine stoische Ruhe aus. Denn es ist bekannt, dass es sich an der beschaulichen Dreisam für gewöhnlich sehr gut arbeiten lässt. "Wir müssen nicht gewinnen. Was wir müssen, ist sterben", hatte Christian Streich einmal gesagt und damit die Clubphilosophie recht gut auf den Punkt gebracht.

Die sportliche Situation: Zur Tradition des Sport-Clubs gehört seit Jahrzehnten auch, dass er in schöner Regelmäßigkeit seine Leistungsträger ziehen lassen muss. Vor der aktuellen Saison verließ beispielsweise Çağlar Söyüncü den Verein Richtung England. Doch nicht weniger oft beweisen die Verantwortlichen im Breisgau, dass sie Abgänge kompensieren können - so auch 2018/19. Mal wieder als Abstiegsaspirant gehandelt rangiert der SCF mit 27 Punkten als Tabellen-13. acht Zähler vor dem Relegationsplatz. Am vergangenen Samstag setzte es allerdings beim 0:2 in Leverkusen die erste Pleite nach zuvor vier Partien ohne Niederlage. "Wir wissen es einzuordnen. Leverkusen ist nicht unser Maßstab. Wir müssen unsere Punkte gegen andere Mannschaften holen", erklärte Nils Petersen im Anschluss. "Ausruhen ist keine Option für uns!"

Gesagt...

"Wir heben nicht ab, das sieht man ja - wir malochen."

Abwehrspieler Dominique Heintz

Die Freiburger im Fokus: Neben Torjäger Petersen gilt die Aufmerksamkeit im Freiburger Team eigentlich immer dem Trainer: Christian Streich. Ende 2011 übernahm der ehemalige Germanistik-, Sport- und Geschichtsstudent das Amt als Chefcoach. Der dienstälteste Trainer der Bundesliga erlebte in den über sieben Jahren mit der Europa League, dem Abstieg sowie dem direkten Wiederaufstieg alle Höhen und Tiefen. Auch seine Pressekonferenzen, in denen er mit reflektierten, teils politischen und teils humoristischen Äußerungen immer wieder große mediale Aufmerksamkeit erfährt, sind schon legendär. In der Vorwoche verlängerte der 53-Jährige sein Arbeitspapier beim Sport-Club erneut. "Diese Kontinuität ist Ergebnis der Qualität und des großen Engagements des gesamten Trainerteams", kommentierte Vorstand Jochen Saier die Personalie. Der Fußballlehrer selbst hat genaue Vorstellungen für die Zukunft. "Das Tollste wäre für mich, dass man irgendwann aufhört, aber im Jahr vorher eine ordentliche Saison gespielt hat. Und der Verein sagt: Super, es ist alles gut. Ich möchte nur, dass es nicht zu dramatisch ist", hatte Streich Anfang des Jahres erklärt.

Die Schnittstellen:
Im Kader der Berliner gibt es - wie schon zuletzt - nur einen Akteur mit einer Vergangenheit beim südbadischen Team: Vladimir Darida. Der Tscheche wechselte 2013 aus seiner Heimat zum Sport-Club und bestritt bis zu seinem Wechsel 2015 an die Spree 61 Pflichtspiele. Der Herthaner wird die Begegnung gegen seinen Ex-Club alledings verletzungsbedingt verpassen. "Ich kenne noch den Trainerstab, die Physiotherapeuten und ein paar Spieler", hatte Herthas Nummer 6 in der Hinrunde erzählt.

Das Hinrundenduell: Die Partie im Berliner Olympiastadion endete am 8. Spieltag im zurückliegenden Oktober 1:1 (1:1). Ondrej Duda brachte den Hauptstadtclub früh in Führung, Robin Koch glich noch vor dem Pausentee aus. "Es fühlt sich wie eine Niederlage beziehungsweise wie zwei verlorene Punkte an", fasste Valentino Lazaro die Gefühlswelt der Blau-Weißen zusammen. Der Österreicher zeigte sich aber auch selbstkritisch. "Es ist bitter, dass uns bei enormem Aufwand das Entscheidungsglück gefehlt hat. Aber natürlich können wir es vorne am Sechzehner ein bisschen besser ausspielen. Das ist uns nicht optimal gelungen."

Die Meinung über den Hauptstadtclub: Auch gegen die Blau-Weißen werden die Freiburger, die zuletzt auch durch gutes Pressing aufgefallen sind, auf ihre bewährten Tugenden setzen. "Wir heben nicht ab, das sieht man ja - wir malochen", stellt Stammspieler Dominique Heintz klar und formuliert die Zielsetzung für Samstag. "Im Heimspiel gegen Berlin, da können wir absolut einen Sieg landen. Das ist auch unser Anspruch, zuhause weiter Gas zu geben und mit unserem Publikum im Rücken die Punkte zu holen."

(fw/City-Press)

Profis, 07.03.2019
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