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Kiek ma, wo dit hinjeht: Paderborn

Hertha BSC gastiert am Samstag (15.02.20, 15:30 Uhr) beim SC Paderborn. Die Gegnervorschau - präsentiert von TEDi - beleuchtet die laufstarken Ostwestfalen.

Berlin – Zwei Wörter prangen in weißen Versalien auf schwarzem Hintergrund auf der Vereinsseite des SC Paderborn. 'Druck ausüben' steht dort geschrieben, eine blaue Subline verweist darauf bezugnehmend auf das Duell zwischen den Ostwestfalen und Hertha BSC am Samstag (15.02.20, 15:30 Uhr). Eine treffende Überschrift - und gleichzeitig symptomatisch für die Spielweise der Westdeutschen, die auf Offensivfußball setzen und lieber mit wehenden Fahnen untergehen, als sich zu verschanzen. Wenig verwunderlich also, dass SCP-Trainer Steffen Baumgart genau diese Marschroute auch für die Partie am 22. Spieltag vorgibt. "Wir werden wie immer auftreten. Vollgas nach vorne und Druck ausüben. Wir müssen auf Sieg spielen, das muss zu sehen sein!", fordert Baumgart Einsatz und Wille von seinen Schützlingen, hinter Leverkusen mit fast 2.500 zurückgelegten Kilometern die läufstärkste Truppe, ein. Womit die Blau-Weißen an der Pader noch zu rechnen haben, steht in der Gegnervorschau – präsentiert von TEDi.

Die sportliche Situation: Aktuell ist der Liga-Neuling, der nach seinem Intermezzo 2014/15 seine zweite Saison in der Beletage des deutschen Fußballs spielt, Tabellenletzter. Zwar sammelten die Ostwestfalen aus den vergangenen acht Partien immerhin elf Punkte, doch der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt noch immer fünf Zähler. Auch deshalb stellt Trainer Steffen Baumgart fest: "Wir haben nicht die Punkte geholt, die wir brauchen, deshalb bin ich nicht zufrieden. Warum ich nicht zufrieden bin? In vielen Spielen haben wir gute Leistungen gebracht, uns aber nicht belohnt." Dennoch ist der Fußballlehrer mit seinen Schützlingen, die im Vergleich zum identischen Zeitpunkt der Hinrunde drei Punkte mehr gesammelt haben, zufrieden. "Die Jungs entwickeln sich und so kommen wir immer wieder dichter an Siege heran. Dass wir den Willen haben, sieht man uns an. Die Jungs geben Gas und holen alles raus, mehr kann ich nicht erwarten", so der 48-Jährige, der sich ohnehin noch nicht mit Tabellenplätzen oder Rechenspielen auseinandersetzen. "Ich bin keiner, der den Tabellenrechner aufmacht und sagt: 'Gegen den Gegen holen wir so viele Punkte, gegen den Gegner holen wir so viele.'"

Die Paderborner im Fokus: Unter dem Ex-Profi Baumgart, der das Traineramt im April 2017 übernahm, steht das Spiel des Sportclubs für offensiven Hurra-Fußball – ganz gleich ob in der Bundesliga oder in der Zweit- bzw. Drittklassigkeit. Mit fünf Treffern und zwei Vorlagen heißt der erfolgreichste Scorer der Ostwestfalen Streli Mamba. Der Angreifer stieß zu Saisonbeginn von Drittliga-Absteiger Energie Cottbus an die Pader. Große Anlaufschwierigkeiten? Fehlanzeige! Mit diesem Karriereverlauf hatten vor gar nicht allzu langer Zeit vermutlich die Wenigsten gerechnet, schließlich saß der flinke 25-Jährige vor sieben Jahren noch in der Oberliga auf der Bank. Zweifel an seinem Können hatte der Deutsch-Kongolese keine. "Ich hatte das Ziel Pro­fi­fuß­ball immer im Kopf. Ich war mir sicher: Ich packe das auch noch. Die Frage war nur wann. Ich habe mir nur ein Limit gesetzt: ​Wenn ich mit 24 Jahren nicht gut vom Fuß­ball leben kann, trete ich kürzer", blickt Mamba zurück, der in seiner Jugend unter anderem mit Bernd Leno, Hakan Cal­ha­noglu, Serge Gnabry oder Timo Werner zusammenspielte. Über Umwege hat er das nun geschafft. Verzichten muss der Stürmer am Wochenende allerdings auf Vorlagen von Abdelhamid Sabiri, der voraussichtlich mit Rückenproblemen ausfallen wird.

Gesagt...

"Ich freue mich auf das Wiedersehen. Das Spiel ist für beide Mannschaften wichtig, aber wir wollen gewinnen."

Dennis Jastrzembski

Die Schnittstellen: Eine direkte Verbindung zu beiden Vereinen weist seit wenigen Wochen Dennis Jastrzembski auf. Der 19-Jährige, der 2015 in die Nachwuchsakademie der Herthaner stieß und 2018 seinen ersten Profivertrag unterzeichnete, wechselte im Winter auf Leihbasis zum Liga-Konkurrenten. Bei den Blau-Schwarzen steht der schnelle Offensivakteur bis 2021 unter Vertrag. Einen ersten, knapp einminütigen Kurzeinsatz verzeichnete der deutsche Junioren-Nationalspieler in der Vorwoche beim Remis auf Schalke. "Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Hertha und den alten Kollegen. Das Spiel ist für beide Mannschaften wichtig, aber wir wollen gewinnen", sagte der Blondschopf, der insgesamt sechs Pflichtspiele für die blau-weiße Lizenzmannschaft absolvierte. Auch im Staff gibt es einen weiteren Berührungspunkt. Athletiktrainer Hendrik Vieth arbeitete im Nachwuchsbereich der Ostwestfalen, ehe er sich 2010 der 'Alten Dame' anschloss und Anfang Februar 2015 zu den Profis aufstieg. Auch Zsolt Petry trainierte einst die Torhüter der Paderborner. Diese Aufgabe führt seit 2015 Nico Burchert, Bruder von Ex-Herthaner Sascha, aus und hat somit auch den ehemaligen U23-Keeper Leon Brüggemeier unter seinen Fittichen. Sonst gibt es nur lose Schnittstellen: Arne Maier spielte mit Abdelhamid Sabiri zusammen in der deutschen U21, Marius Wolf und Gerrit Holtmann gemeinsam für die U20.

Das Hinrundenduell: Nach vier Spieltagen stand Hertha BSC auf dem 18. Tabellenplatz, der SCP trat als 17. im Olympiastadion an. Ein Sieg am 5. Spieltag im September war also Pflicht für die Blau-Weißen. Fußballerisch entwickelte sich das erwartet zähe Spiel, das Javairo Dilrosun mit einem überragenden Solo und dem 1:0 früh auf die Seite der Hauptstädter kippte (10.). Marius Wolf erhöhte mit seinem ersten Pflichtspieltor (52.) für Hertha BSC nach der Pause, ehe Ben Zolinski für die Ostwestfalen verkürzte (54.). Doch am Ende reichte es zum ersten Saisonsieg für die Elf, die vor fünf Monaten noch Ante Covic coachte. "In der Situation zum 1:0 habe ich geschaut, wie die Verteidiger reagieren und habe es probiert – ich bin froh, dass das so gut funktioniert hat", kommentierte Dilrosun seinen Treffer und ordnete die Begegnung treffend ein: "Das Allerwichtigste ist aber, dass wir die drei Punkte hierbehalten haben." Einzig und allein um die drei Zähler geht es auch beim Wiedersehen in der Rückrunde.

Die Meinung über den Hauptstadtclub: Natürlich ist der Rücktritt von Jürgen Klinsmann auch bis nach Paderborn vorgedrungen. Am Ablauf der Vorbereitung ändere sich laut Trainer Steffen Baumgart allerdings nichts. Er ordnet das Geschehen ganz pragmatisch ein: "Nach einem Trainerwechsel kommt immer etwas Neues auf den Gegner zu. Was Alexander Nouri jetzt ändern wird, das weiß ich nicht. Fakt ist, dass Hertha personell sehr, sehr stark besetzt ist." Laut eigener Aussage ist der SCP auf beide Systeme der Berliner mit einer Dreier- oder Viererkette eingestellt.

(fw/dpa)

Profis, 14.02.2020
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