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Der Kämpfer

Nach seiner Rückkehr zu Hertha BSC schuftet Marius Gersbeck aktuell hart für sein Comeback. Der Unterstützung des Vereins kann sich das Eigengewächs dabei sicher sein.

Berlin – Seinem Ziel war Marius Gersbeck in diesem Moment schon ganz nahe – zumindest gefühlt. Vor dem ersten Training der neuen Saison lief der Torwart Seite an Seite mit seinen Kollegen ins Stadion auf dem Wurfplatz ein. Als der 23-Jährige mit der Nummer 35 als letzter Herthaner den Rasen betrat, brandete starker Applaus bei den Zuschauern auf. Für jeden der rund 800 Anwesenden war in diesem Moment ersichtlich: Gersbeck, der gebürtige Berliner, der die Blau-Weißen schon als Heranwachsender im Olympiastadion unterstützte, genießt bei den Fans noch immer großes Ansehen und viel Sympathie. "Es war ein geiles Gefühl, wieder mit der Fahne auf der Brust aufzulaufen. Dass ich so empfangen wurde, macht es natürlich umso schöner", sagt der so authentische Schlussmann.

Eigentlich hätte die Laune bei Gersbeck an diesem schönen Sommertag nicht besser sein können. Doch es gibt einen Haken an der Sache: Während seine Mitspieler locker in die Vorbereitung gestartet sind, nahm Gersbeck neben Teammanager Nello di Martino auf der Auswechselbank Platz. In Laufschuhen, ohne Handschuhe. Bis der ehemalige Junioren-Nationalspieler sich wieder die Fußballschuhe schnürt, werden noch einige Monate verstreichen. Ein Kreuzbandriss, den er sich Ende April zugezogen hat, zwingt ihn noch zu einer langwierigen Pause. Reha statt Training, Tribüne statt Platz zwischen den Pfosten.

Trainingsunfall in Osnabrück

Die schwere Verletzung zog sich Gersbeck Ende April im Teamtraining des VfL Osnabrück zu. Beim Drittligisten hütete er die vergangenen beiden Spielzeiten das Gehäuse - und das in beeindruckender Manier. 2016/17 kürte ihn das Fachmagazin 'kicker' zum notenbesten Torwart, im Vorjahr stieß er wieder in den Kreis der besten Keeper vor. In einer für seinen Verein nicht einfachen Spielzeit war er die Konstante, der große Rückhalt, der seiner Mannschaft einige Punkte festhielt. "Ich habe die Zeit in Osnabrück sehr genossen. Durch die Spielpraxis konnte ich mich sehr gut weiterentwickeln und wichtige Erfahrungen sammeln", blickt Gersbeck mit einem guten Gefühl auf seine Zeit bei den Niedersachsen zurück.

Torhüter unter sich: Nello di Martino im Gespräch mit Marius Gersbeck.

Das Leihgeschäft mit den 'Lila-Weißen' - es wäre als großer Gewinn für alle Beteiligten durchgegangen - ja wenn, wenn es diesen bitteren Trainingsunfall nicht gegeben hätte. Groß sprechen möchte Gersbeck darüber nicht mehr. Er hadert auch nicht mit seinem Schicksal, das ihm schon in der Vergangenheit die eine oder andere schwerere Verletzung bescherte. "Natürlich war die Verletzung ein herber Rückschlag, allerdings lasse ich mich auch dieses Mal nicht unterkriegen", bekräftigt er. Dass der junge Mann dafür allen Grund hat, kann jeder nachvollziehen. Jeder, dem schon einmal ohne eigenes Zutun eine große Chance verstrichen ist: In der Saison 2018/19, so der Plan der Verantwortlichen von Hertha BSC, sollte der Herthaner den nächsten Schritt auf der Karriereleiter klettern. Gersbeck sollte sich seine Sporen in der 2. Bundesliga verdienen. "Wir wollten Marius in die 2. Bundesliga verleihen, es war eigentlich schon alles klar, bis er sich dann verletzt hat", sagte Michael Preetz Ende Mai auf der Mitgliederversammlung.

Nicht aufgeben

Beim Hauptstadtclub sind über Preetz, Coach Pál Dárdai und Torwarttrainer Zsolt Petry trotz dieser verpassten Möglichkeit alle weiterhin felsenfest von Gersbeck Qualitäten überzeugt. Dieses Vertrauen untermauerte der Verein Mitte Juni mit der Vertragsverlängerung über 2019 hinaus. "Marius ist Herthaner durch und durch und lebt diesen Verein. Es ist klar, dass wir ihn jetzt nicht fallen lassen, sondern ein Zeichen setzen, damit er sich voll und ganz auf seine vollständige Genesung konzentrieren kann", kommentierte Geschäftsführer Preetz die Entscheidung, die Gersbeck als schönes Indiz aufgenommen hat.

Einen genauen Fahrplan, wann er wieder mit den Kollegen auf dem Platz trainieren kann, gibt es aktuell nicht. "Ich setze mich nicht selbst unter Druck, versuche natürlich, schnellstmöglich zurückzukommen. Ich bin zuversichtlich, dass man mich in dieser Saison noch auf dem Platz sehen wird", so der Schlussmann. Doch so viel ist klar: die Vertragsverlängerung und der warme Empfang der Fans sollen in der Saison 2018/19 nicht die einzigen Highlights für Gersbeck bleiben.

(fw/City-Press)

Profis, 06.07.2018
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