Bild: Citypress

"Die Antennen sind ausgefahren"

Zum Abschluss des Trainingslagers in Neuruppin zog Trainer Ante Čović gegenüber den Medienvertretern sein erstes Fazit. herthabsc.de liefert einen Überblick über die interessanten Aussagen des Übungsleiters.

Neuruppin/Berlin - Am Mittwochvormittag (10.07.19) stand noch eine abschließende Trainingseinheit an, ehe das gemeinsame Mittagsessen folgte: Dann war das erste Trainingslager der Blau-Weißen in Neuruppin beendet. Zwei Einheiten täglich, einige Videositzungen und ein erfolgreiches Testspiel gegen den Drittligisten Eintracht Braunschweig (4:1) stehen nach einer intensiven und ereignisreichen Woche unter dem Strich. Trainer Ante Čović nahm sich die Zeit und sprach mit den Journalisten über seine Eindrücke des absolvierten Trainingscamps in der brandenburgischen Kreisstadt. herthabsc.de hat die wichtigsten Aussagen des Übungsleiters zusammengefasst.

Ante Čović über …

… sein erstes Fazit des Trainingslagers: Das war ein gelungenes Trainingslager. Angefangen bei den Bedingungen, die uns hier geboten wurden. Das Essen hat uns ausgezeichnet gefallen, der Platz war richtig gut, das Hotel war top. Vom Rahmen her war das überragend. Für mich als Trainer war es ein sehr gutes Trainingslager, vor allem wenn ich sehe, dass wir keinen verletzten Spieler dazubekommen haben. Das Pensum an Trainingsumfang und den einzelnen Inhalten ist uns dabei sehr gut gelungen. Hinzu kommt ein Testspiel, das wir mit 4:1 gewonnen haben. Das stärkt einen zusätzlich in dem, was du täglich machst.

… die Trainingsinhalte: Wir machen häufig viel mit dem Ball. Aber vom Umfang her gibt es gewisse Parameter, die uns zeigen, wie weit wir unsere Spieler täglich bringen. Von daher haben wir ein sehr hohes Pensum abgespult.

… den Eindruck seiner neuen Mannschaft: Ich habe eine intakte Truppe beisammen, die sehr willig ist und permanent wissbegierig ist. Die Jungs wollen ständig dazu lernen. Bei allen Spielern ist es das höchste Gebot, sich dem Trainer zu zeigen und zu empfehlen. Die Antennen sind ausgefahren. Somit ist es ein wunderbares Arbeiten bis zum jetzigen Zeitpunkt.

Trainer Ante Čović ist mit dem ersten von zwei Trainingslagern sehr zufrieden.

… positive Überraschungen: Das wäre unfair gegenüber allen anderen Spielern, wenn ich einen besonders hervorhebe. Es ist faszinierend, mit welchem Eigenantrieb die Jungs an die Sachen herangehen – trotz den erhöhten Umfängen. Die Laune war nicht ein einziges Mal im Keller. Die Jungs hatten Freude an den Dingen, die wir uns hier erarbeitet haben. Das ist wunderschön.

… die Kleinigkeiten, die er im Training anspricht: Da geht es um Dinge wie Positionsspiel, offene Stellung, Spielfortsetzung und Spielaufbau. Wir wollen den Jungs Möglichkeiten geben, damit sie im Spiel keine langen Bälle schlagen müssen. Wir wollen grundsätzlich flach von hinten raus spielen.

… den Zeitplan bei Neuzugang Dedryck Boyata: Wenn ein Spieler vier Monate verletzt war, muss man eine gewisse Belastungssteuerung anwenden. Wir wollen ihn langsam an die Mannschaft heranführen – auch wenn sein Herz mehr möchte, aber die Vernunft bei uns im Trainerteam siegt. Dedryck ist voll im Plan. Die Woche hier tat ihm sehr gut, um die Abläufe und die Mannschaft kennenzulernen. Somit war es extrem wichtig, dass er mit dabei war. Wann er voll einsteigen kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig zu sagen. Wir müssen schauen, wie er auf die Belastungen reagiert.

… den Fahrplan für die kommende Tage: Wir werden einiges verfeinern. Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir keinen Tag zum Verschenken haben, an Sachen zu arbeiten. Wir werden neue Impulse dazubekommen, andere Inhalte aber auch vertiefen. Das wird aber immer mehr dazukommen, wenn die Mannschaft komplett ist. Wir haben eine grobe Struktur an inhaltlichen Blöcken, aber wir orientieren uns auch daran, wie viel die Jungs einem geben und wie viel sie aufnehmen können. Wenn wir merken, dass die Spieler bei einen Block länger brauchen, arbeiten wir daran ein paar Tage mehr.

… seine gereizten Stimmbänder: Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und meine Stimmbänder sind daran gewöhnt, dass sie gebraucht werden. Dass war im Jugendbereich genauso. Wenn du als Fußballehrer auf den Platz gehst, bist du den Jungs etwas schuldig.

… die Bereiche, in denen es Steigerungspotenzial gibt: Es wäre fahrlässig, dass wir nach zehn Tagen der neuen Zusammenarbeit sagen, wir sind gut, fahren jetzt nach Mallorca, legen uns hin und machen nichts mehr. Wir befinden uns gerade erst am Anfang. Das was wir hier vorhatten, konnten wir alles umsetzen. Die Spieler haben das richtig gut aufgenommen. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass bei all den neuen Inhalten, die auf die Jungs einprasseln, es zu Phasen kommen wird, in denen es überhaupt nicht funktionieren wird. Es hängt viel vom Körper und Kopf ab. Wenn du willst, dass es sofort klappt, musst du den Jungs zwei Tage frei geben. Dann haben sie die nötige Frische im Kopf und in den Beinen. Aber das wollen wir nicht. Wir sind in der Vorbereitung und sind auf eine hohe Belastung aus.

… seine Lautstärke auf dem Trainingsplatz: Wenn ich das Gefühl bekomme, dass innerhalb der Truppe ein Schlendrian reinkommt und dass die Jungs schwer aus den Puschen kommen, muss ich mich bemerkbar machen. Es gibt nichts schlimmeres, als verschenkte Zeit auf dem Trainingsplatz. Dann ist es sinnvoller, dass wir diese Einheit lieber streichen, frei machen und Frische entwickeln. Aber eine Einheit ohne den Kopf einzuschalten, ist verschenkt.

Legt viel Wert auf die Kleinigkeiten in der täglichen Trainingsarbeit: Ante Čović.

… mehrere Systeme in den Testspielen: Aufgrund der Belastung geht es ja darum, nicht jeden Spieler 90 Minuten durchspielen zu lassen. Es wird so sein, dass wir in den Spielen zwei 45-Minuten-Blöcke machen werden. In Karlsruhe werden wir das auch so handhaben, dass alle Spieler ungefähr auf die gleiche Spielzeit kommen. Diejenigen, die nicht nach Karlsruhe fahren, werden hier in Berlin zwei Einheiten mit einem Co-Trainer absolvieren.

… sein Lieblingssystem: Es ist immer schwierig zu sagen, was man gerne spielen möchte. Es hängt immer davon ab, welche Qualität wir auf dem Platz haben. Was gibt der Kader her, womit sind wir am stärksten, was gibt uns der Gegner? Es sind viele Fragen, auf die wir Antworten parat haben müssen. Von daher sind wir da sehr flexibel.

… seine Vorfreude auf den Bundesliga-Start: Die Vorfreude ist groß. Aber momentan bin ich ehrlich gesagt noch nicht soweit, dass die Vorfreude überwiegt. Derzeit müssen wir schauen, dass wir in der Vorbereitung unsere Hausaufgaben machen, damit wir mit einem guten Gefühl in die Saison gehen.

… die zwei Derbys gegen Union: Wir sind Hertha BSC und wir sind es unseren Fans schuldig, alles zu geben, die zwei Spiele zu gewinnen. Wir müssen die Qualität haben, Union jederzeit zwei Mal zu besiegen. Die Frage muss man nicht stellen. Das ist für mich selbstverständlich, dass wir diese Spiele gewinnen müssen.

... die Beschreibung als Perfektionisten von Niklas Stark: Die Jungs spielen alle auf einem sehr hohen Niveau. Dabei geht es ja um die Details. Die Jungs sind Bundesliga-Spieler und wenn du über einen Bundesliga-Spieler sprichst, weißt du, dass er sein Handwerkzeug beherrscht. Da geht es darum, wie ich sie im Detail verbessere. Und wenn die Jungs dann einen Tipp annehmen, freut es mich.

(sj,war/City-Press)

Profis, 10.07.2019
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