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"Ich wusste, dass ich liefern muss"

Vladimir Darida spricht im Interview über seine Erwartungshaltung, seinen Torriecher und die Partie bei Werder Bremen am Samstag (19.10.19).

Berlin – Das, was Vladimir Darida aktuell hat, nennt man einen Lauf: In den beiden vergangenen Bundesliga-Spielen gelangen dem Mittelfeldspieler drei Vorlagen und ein Treffer. Damit hat der 29-Jährige keinen unbedeutenden Anteil daran, dass der Hauptstadtclub mit Siegen gegen Paderborn, in Köln und gegen Düsseldorf nach einem holprigen Saisonstart immer besser ins Rollen gekommen ist. Vom formstarken Herthaner profitierte auch die tschechische Auswahl, die mit Kapitän Darida in der zurückliegenden Länderspielpause England niederrang und einen wichtigen Schritt in Richtung Europameisterschaft machte.

Den guten Eindruck trübte auch die (unbedeutende) Niederlage im Test gegen Nordirland nicht, vielmehr bleibt hängen, dass sich der Tscheche auch in dieser Partie in die Torschützenliste eintrug. Was auf jeden Fall klar ist: Nach fast zwei Spielzeiten, in denen zahlreiche Verletzungen den laufstarken Ballverteiler immer wieder zurückwarfen, ist Vladimir Darida wieder der Vladimir Darida, der das Spiel der Blau-Weißen liest und gestaltet. Vor dem Auswärtsspiel bei Werder Bremen am Samstag (19.10.19, 15:30 Uhr) hat herthabsc.de mit Berlins Nummer 6 gesprochen.

herthabsc.de: Vladi, vor deinem Treffer gegen Düsseldorf hast du knapp anderthalb Jahre kein Bundesliga-Tor für Hertha BSC geschossen (zuletzt im Februar 2017 beim 2:0 gegen Frankfurt; Anm. d. Red.). Auch für dein Heimatland hast du im September und Oktober genetzt. Erleben wir gerade deinen Wandel zum Torjäger?
Darida: Puh, das bislang letzte Tor war wirklich schon eine Weile her (schmunzelt). Momentan läuft es einfach gut bei mir, mein Selbstvertrauen ist sehr hoch und das macht sich auf dem Platz bemerkbar. Ich genieße das Gefühl, Tore vorzubereiten und selbst zu treffen. Es darf gerne so weitergehen! Ich wünsche und erwarte von mir auch, dass ich mehr Tore schieße als in der Vergangenheit.

herthabsc.de: In den ersten Saisonspielen hast du etwas defensiver, eher auf der Sechs gespielt. Zuletzt hat dich Coach Ante Covic etwas offensiver aufgestellt. Beschreib doch einmal, was diese Umstellung für dein Spiel bedeutet.
Darida: Als Zehner bin ich näher am gegnerischen Tor. Meine Aufgabe ist es dann natürlich, mehr Vorlagen zu geben und Tore zu schießen. Der Trainer hatte mir zuletzt gesagt, dass ich mich belohnen und meinen Namen auf die Anzeigetafel setzen soll. Gegen Düsseldorf hat das gut geklappt, nach dem Spiel hat er mich dazu beglückwünscht.

Gesagt...

"Wir haben die vergangenen drei Ligaspiele gewonnen, eine gute Spielweise gezeigt. Unser Ziel ist es, unsere Serie gegen Werder ausbauen."

Vladimir Darida

herthabsc.de: Du hast eine schwierige Zeit mit vielen Verletzungen und Rückschlägen hinter dir. Vor Saisonbeginn war nicht ganz klar, wo du stehst. Wie hast du es geschafft, wieder in Topform zu kommen?
Darida: Ich bin im Sommer nicht nach Tschechien gefahren, sondern bin in Berlin geblieben. Mein Urlaub sah so aus, dass ich jeden Tag in der Reha oder hier im Kraftraum an meinem Körper gearbeitet habe. Ich wollte zum Trainingsauftakt direkt mit der Mannschaft trainieren, nicht einen Tag oder eine Woche später einsteigen. Das war für mich ganz wichtig. Die Vorbereitung konnte ich dann voll durchziehen, das hat mir gut getan. Ich wusste vor der Saison, dass ich liefern muss. Aktuell klappt es (grinst).

herthabsc.de: Die 13,55 Kilometer Laufleistung, die du gegen Düsseldorf zurückgelegt hast, sind ligaweiter Spitzenwert – und sprechen für diese These.
Darida: Die Basis meines Spiels ist es, viel für die Mannschaft zu arbeiten – dafür muss ich aber gesund und fit sein. Ich glaube, in den Phasen, in denen es nicht so gut lief, war ich einfach nicht topfit. Nach Verletzungen habe ich mich oft immer wieder rangekämpft – und mich dann nach einem Spiel wieder verletzt. Das war frustrierend, umso glücklicher bin ich darüber, wie es jetzt gerade läuft.

herthabsc.de: Nicht nur beim Hauptstadtclub, sondern auch mit der tschechischen Nationalmannschaft läuft es gut. Nach dem Sieg gegen England liegt ihr als Zweiter knapp vor dem Kosovo und habt es in der eigenen Hand, euch für die Europameisterschaft zu qualifizieren. Wie siehst du die Entwicklung deines Teams?
Darida: Ein Erfolg gegen einen großen Gegner wie England hatte uns noch gefehlt, dementsprechend gut war die Stimmung nach dem Spiel. Leider konnte ich nicht mit den Jungs in der Kabine feiern, weil ich bei der Doping-Probe war (lacht). Wir haben gute Chancen, uns für die Europameisterschaft zu qualifizieren. Das nächste Spiel gegen den Kosovo im November wird sehr wichtig. Wir spielen zu Hause und wollen gewinnen. Die Begegnung ist in Pilsen, dort bin ich aufgewachsen und habe so viele Jahre in dieser Stadt gespielt. Für mich wird das etwas Besonderes, die Mannschaft dort als Kapitän auf den Platz zu führen. Solange Borek Dockal verletzt ist, vertrete ich ihn nämlich. Und selbst wenn das nicht klappen sollte, haben wir danach noch eine Chance in Bulgarien.

herthabsc.de: In deiner Bundesliga-Laufbahn hast du zwei Mal gegen Werder Bremen, den kommenden Gegner am Samstag (19.10.19, 15:30 Uhr),  getroffen. Hertha-Fans dürfte vor allem dein sehenswerter Distanzschuss an der Weser aus dem Januar 2016 in Erinnerung geblieben sein. Dennoch ist die Bilanz gegen die Norddeutschen eher dürftig. Woran könnte das liegen?
Darida: Ich erinnere mich an das Tor… (grinst). Warum wir uns gegen die Bremer so schwer tun, ist schwierig zu erklären. Für das bevorstehende Spiel ist das aber auch nicht wichtig. Wir haben die vergangenen drei Ligaspiele gewonnen, eine gute Spielweise gezeigt. Unser Ziel ist es, unsere Serie gegen Werder ausbauen. Dann wäre dieser negative Lauf gegen Bremen auch gestoppt. Außerdem habe ich mit Jiri Pavlenka (Bremer Torwart und Nationalmannschaftskollege; Anm. d. Red.) gesprochen. Wir haben keine Wette laufen, aber ich möchte gegen ihn treffen und mit Hertha gewinnen. Dann kann ich ihn bei der Nationalmannschaft im November ein wenig aufziehen (lacht).

herthabsc.de: Bremen ist der Auftakt einer Reihe von interessanten Partien. Nach dem Gastspiel an der Weser spielt ihr gegen Hoffenheim, Dresden kommt im Pokal, dann folgen das Derby bei Union und das Heimspiel gegen Leipzig. Wo steht Hertha BSC vor diesem Programm?
Darida: Wir haben in den vergangenen Spielen gezeigt, dass wir uns nach dem schwierigen Start gesteigert haben. In der Offensive haben wir Chancen erspielt und effektiv unsere Tore geschossen. In der Defensive haben wir viel weniger zugelassen. Daran müssen wir anknüpfen. Wir wollen zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind.

(fw/City-Press)

Profis, 16.10.2019
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