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"Wir müssen eine andere Mentalität an den Tag legen"

Niklas Stark spricht im Interview über seine Rolle in der Nationalmannschaft, die Balance zwischen Defensive und Offensive im Spiel und das Duell mit dem FSV Mainz 05.

Berlin – Berlin, Hamburg, Belfast und nun seit Dienstag wieder Berlin. In den vergangenen Tagen reiste Niklas Stark mit der deutschen Nationalmannschaft durch Europa. In der EM-Qualifikation verlor die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw das Duell mit den Niederlanden 2:4, in Nordirland siegte sie mit 2:0. Im Kreise der DFB-Auswahl war der Herthaner bereits zum dritten Mal dabei – nur ein Einsatz blieb dem 24-Jährigen bislang verwehrt. Seit Mittwoch (11.09.19) ist der Innenverteidiger wieder im Mannschaftstraining beim Hauptstadtclub, den Blick hat er auf das wichtige Spiel beim FSV Mainz 05 am Samstag (11.09.19, 15:30 Uhr) gelegt. Im Interview mit herthabsc.de spricht der Abwehrspieler über seine Situation im DFB-Team, Balance im Spiel und die Partie am 4. Spieltag bei den Rheinhessen.

herthabsc.de: Nik, aus Hertha-Sicht möchte natürlich jeder wissen, wie du dich nach der Länderspielpause fühlst. Du warst bereits das dritte Mal im Aufgebot, hast allerdings noch kein Spiel für das DFB-Team bestritten. Gib uns einen Einblick: Überwiegt die Freude über die erneute Nominierung oder die Enttäuschung, dass es mit dem Debüt noch nicht geklappt hat?
Stark: Ich bin ein ehrgeiziger Mensch und natürlich enttäuscht, nicht gespielt zu haben. Die Zeit bei der Nationalmannschaft ist dennoch immer etwas ganz Besonderes. Allein aus dem Niveau, das dort im Training herrscht, kann ich einiges herausziehen. Ich bin glücklich über jede Erfahrung, die ich dort sammeln kann, schließlich bin ich Teil einer Weltklasse-Mannschaft. Ich bin als Teil eines Ganzen dabei, etwas aufzubauen, im Sommer haben wir ein großes Turnier vor uns.

Gesagt...

"Basis ist immer die Kompaktheit, das müssen wir in die Köpfe bekommen. Wenn wir defensiv stehen, können wir offensiv Akzente setzen!"

Niklas Stark

herthabsc.de: Am Ende eine klare Niederlage gegen die Niederlande, am Ende ein klarer Sieg in Nordirland – und zwischendurch positive wie negative Erkenntnisse. Unterm Strich ist die Qualifikation für die Europameisterschaft greifbar. Wie bewertest du die Situation der deutschen Elf?
Stark: Wir hatten uns gegen die Niederlande mehr vorgenommen. Leider haben wir – gegen einen sehr guten Gegner, das müssen wir auch sagen – nicht alles umgesetzt, was wir geplant hatten, obwohl wir Chancen hatten, ein positives Ergebnis für uns zu sichern. Mit Blick auf die Tabelle ist das ärgerlich. Die Partie gegen Nordirland war schwierig, unser Gegner hat extrem gepresst und die Atmosphäre war krass. Aber wir sind ruhig geblieben und haben Fußball gespielt. Nach und nach haben wir mehr Räume bekommen und genutzt. Natürlich waren Höhen und Tiefen dabei, aber die EM ist auch noch nicht morgen.

herthabsc.de: Ante Covic war gegen die Niederlande im Stadion und hat vor dem Anpfiff mit dir gesprochen. Worum ging es in eurer Unterhaltung?
Stark: So viel Zeit hatten wir vor dem Spiel natürlich nicht (schmunzelt). Er hat mir in erster Linie gezeigt, dass er bei mir ist und ich seinen Rückhalt habe. Da Ante auch mit dem DFB-Trainerteam in Kontakt steht, haben wir ein wenig über meine Lage bei der Nationalmannschaft gesprochen. Das war schon ein gutes Gefühl. Wir haben auch kurz über Hertha gesprochen, aber vor dem Länderspiel wäre es komisch gewesen, zu sehr ins Detail zu gehen. Ante wünscht sich natürlich auch, dass ich spiele. Das ist auch mein Ziel - und ich glaube fest daran, dass ich das schaffen werde. Vielleicht klappt es dann im Oktober gegen Argentinien und mein Gegenspieler ist direkt Lionel Messi (schmunzelt).

herthabsc.de: Weg vom DFB-Team, hin zu Hertha BSC: Euer Saisonstart lief nicht zufriedenstellend. Hat dir der Abstand der vergangenen Tage ein wenig geholfen, um über die Gründe dafür nachzudenken oder das Ganze ein wenig sacken zu lassen?
Stark: Die zwei Niederlagen gegen Wolfsburg und Schalke haben schon aufs Gemüt geschlagen. Nach Schalke habe ich schon ein paar nette Nachrichten bekommen, die man aber natürlich nicht zu ernst nehmen darf (schmunzelt). Auch jetzt ist die Stimmung nicht top-top, kann sie aber auch nicht sein. Wir sind Sportler und stehen dort, wo wir nicht stehen wollen. Trotzdem müssen wir positiv bleiben und die Stimmung hochhalten. Ohne Spaß können wir auch keinen guten Fußball spielen. Ein Sieg gegen Mainz würde dafür ohne Frage gut tun.  

Niklas Stark im Training der Nationalmannschaft.

herthabsc.de: Acht Gegentore sind zu viel nach drei Partien. Wie kann es gelingen, die alte Kompaktheit im Spiel zu zeigen, dabei aber den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und gleichzeitig mutig und offensiv zu agieren?
Stark: Es stimmt, dass wir kompakter stehen und die Zweikämpfe besser annehmen müssen. Vor allem müssen wir sie in entscheidenden Zonen gewinnen und nicht nur Eins gegen Eins verteidigen, sondern mit Absicherung. Wir haben schon bewiesen, dass wir defensiv sicher stehen können. Jetzt müssen wir ein anderes Gesicht zeigen und eine andere Mentalität an den Tag legen.

herthabsc.de: Ein Spieler, der große Kampfbereitschaft an den Tag legt, ist Marius Wolf, mit dem du in der Jugend beim 1. FC Nürnberg zusammengespielt hast. Wieso kann er euch auf Anhieb weiterhelfen?
Stark: Ich weiß auf Anhieb gar nicht, wie lange ich Marius inzwischen kenne. Ich glaube, er kam damals als 13-Jähriger zum Club. Wir hatten kurz nach seinem Transfer schon Kontakt, auch wenn ich nicht in Berlin war. Er weiß, dass ich als Ansprechpartner für ihn da bin. Seine Karriere habe ich immer verfolgt. Er hat sich richtig nach oben gekämpft, dafür allergrößten Respekt verdient. Er ist ein richtig guter Spieler, deshalb bin ich froh, dass er da ist. Marius ist ein Mentalitätsspieler, der immer Gas gibt, läuft und kämpft.

herthabsc.de: Am Samstag (14.09.19, 15:30 Uhr) gastiert ihr beim FSV Mainz 05. Der FSV hat als Tabellenletzter noch keinen Zähler gesammelt und strebt mit aller Macht nach Punkten. Worauf wird es in der bevorstehenden Partie ankommen?  
Stark: Wir gehen nach Mainz, um drei Punkte mitzunehmen. Wenn wir am Wochenende keine Motivation haben, voll in die Zweikämpfe zu gehen, dann stimmt etwas nicht. Was nicht vergessen werden darf: Wir hatten auch in der Vergangenheit immer wieder Phasen mit Problemen, in denen wir das Pendel zwischen Defensive und Offensive neu ausrichten mussten. So etwas ist immer auch ein Prozess. Basis für ein erfolgreiches Spiel ist immer die Kompaktheit, das müssen wir in die Köpfe bekommen. Wenn wir defensiv stehen, können wir im nächsten Schritt offensiv Akzente setzen!

(fw/City-Press)

Profis, 11.09.2019
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