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"Das 'Phantom' überholen? Auf gar keinen Fall!"

Im Interview spricht Ondrej Duda über seine Erinnerungen an das Hinrundenduell mit Schalke, treffsichere Slowaken und seine 'Uhren-Wette' mit Salomon Kalou.

Berlin - Etwa 50 Minuten waren im Nürnberger Max-Morlock-Stadion gespielt, als Vedad Ibišević ein Zuspiel von Valentino Lazaro per Hacke auf Ondrej Duda weiterleitete. Mit dem ersten Kontakt legte sich Duda den Ball vor, mit dem zweiten schloss Herthas Nummer 10 trocken ab: Der Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg war nicht nur sehenswert, sondern auch folgenschwer - und das ganz im positiven Sinne. Denn auf diese Weise ebnete der 24-Jährige nicht nur den Weg für den ersten erfolgreichen blau-weißen Rückrunden-Auftakt in der Bundesliga seit 2010. Noch dazu erzielte der Offensivspezialist sein achtes Saisontor und entschied die 'Uhren-Wette' mit Salomon Kalou somit für sich. Vor dem Flutlichtspiel gegen den FC Schalke 04 am Freitag (25.01.19, 20:30 Uhr) sprach herthabsc.de mit Duda über seine Erinnerungen an die letzten Partien gegen die Gelsenkirchener, treffsichere Slowaken und die besagte Wette mit Kalou.

herthabsc.de: Ondrej, nach 18 Spieltagen stehst du nun schon bei neun Saisontoren. Muss sich Marek Mintál Sorgen machen, dass du ihn als treffsichersten slowakischen Torschützen der Bundesliga-Geschichte noch überholst?
Duda: Das 'Phantom'? Nein, auf gar keinen Fall! Ich kann und will mich nicht mit ihm vergleichen. Er war einfach ein überragender Knipser. Wie viele Tore hat er nochmal in der Saison geschossen, in der er Bundesliga-Torschützenkönig wurde?

herthabsc.de: 24. Insgesamt hat er im deutschen Oberhaus 32 Mal getroffen.
Duda: (lacht) Na also, dann liegt doch noch ein ganz schön weiter Weg vor mir.

herthabsc.de: Was kommt dir in den Sinn, wenn du an Schalke denkst?
Duda: (grinst) Da muss ich natürlich sofort an das Spiel in der Hinrunde denken. Das war das erste Mal nach fast 14 Jahren, dass wieder mal eine Hertha-Mannschaft auf Schalke gewonnen hat. Diesen Negativlauf zu stoppen, war für den ganzen Verein eine große Sache.

herthabsc.de: Im Olympiastadion lief es für Hertha gegen Schalke in der jüngeren Vergangenheit dafür umso besser. Zwei der letzten drei Heimspiele gegen die 'Knappen' endeten mit einem Sieg für den Hauptstadtclub. Am Freitag sind die Gelsenkirchener nun wieder in Berlin zu Gast. Mit welchen Erwartungen gehst du in die Begegnung?
Duda: Wir haben wieder eine gute Chance, zu gewinnen. Wir spielen zu Hause, das wird uns zusätzlichen Rückenwind geben. Klar ist aber auch, dass uns ein anderer Gegner erwartet als in der Hinrunde. Nachdem sie nicht gut in die Saison gestartet sind, kommen sie nun immer besser in Fahrt. Die Schalker sind mit einem Sieg in die Winterpause gegangen und nun auch mit einem Erfolg in die Rückrunde gestartet. Sie werden am Freitag kämpfen und alles dafür tun, um den dritten Sieg in Serie einzufahren. Aber: Wir wollen auch gewinnen!

Harmonieren sowohl auf als auch neben dem Platz: Salomon Kalou (li.) und Ondrej Duda.

herthabsc.de: Wie schon in der Hinrunde in Gelsenkirchen hast du auch am vergangenen Wochenende in Nürnberg doppelt genetzt – und wieder auf besondere Art und Weise gejubelt…
Duda: (schmunzelt) …das stimmt, ich habe salutiert. Schon zu meiner Zeit bei Legia Warschau habe ich so gejubelt. Das ist ein Gruß an die Fans und meine Freunde. Mehr steckt aber auch gar nicht dahinter.

herthabsc.de:
Durch den 'Dreier' in Nürnberg ist Hertha zum ersten Mal seit 2010 wieder mit einem Erfolgserlebnis in eine Bundesliga-Rückrunde gestartet. Wie wertvoll ist ein guter Start und inwiefern könnte sich der Sieg positiv auf den weiteren Verlauf der Saison auswirken?
Duda:
Es war einfach wichtig, dass es uns gelungen ist, einen weiteren Negativlauf zu stoppen. Es war ein schönes Gefühl für die ganze Mannschaft, mit einem Sieg ins neue Jahr zu starten. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir jetzt eine perfekte Rückrunde spielen werden. Es war ein guter erster Schritt – nun müssen wir dranbleiben und nachlegen.

Gesagt...

"Es war wirklich nicht so, dass ich mir ständig überlegt habe: "Okay, wenn ich jetzt noch drei Tore schieße, bekomme ich eine schicke Uhr!""

Ondrej Duda

herthabsc.de: Die nächsten Spiele haben es allerdings in sich. In der Liga warten Schalke und Wolfsburg (02.02.19), im Pokal die Bayern (06.02.19).
Duda: Das ist definitiv ein anspruchsvolles Programm. Das sind richtungsweisende Spiele. Vor allem wird es darauf ankommen, dass alle gesund und konzentriert bleiben. Dann können wir auch gegen Top-Mannschaften bestehen.

herthabsc.de:
Solange Marko Grujić fit bleibt, kann euch eigentlich sowieso nicht viel passieren. Schließlich habt ihr bislang noch keine Partie verloren, wenn Marko auf dem Platz stand. Was zeichnet ihn aus?
Duda:
Marko ist ein enorm spielstarker Spieler, der nur ganz schwer vom Ball zu trennen ist. Natürlich ist es schade, dass er nur ausgeliehen ist. In den wenigen Spielen, in denen er bis jetzt für uns zum Einsatz kam, hat er bewiesen, wie wichtig er für das Team ist.

herthabsc.de: Abschließend müssen wir natürlich noch über deine 'Uhren-Wette' mit Salomon Kalou sprechen, die aus deiner Sicht ohnehin sehr vorteilhaft war, weil du nichts zu verlieren hattest.
Duda: Um ehrlich zu sein, hat mich die ganze Geschichte nicht so wirklich beeinflusst. Es war wirklich nicht so, dass ich mir ständig überlegt habe: "Okay, wenn ich jetzt noch drei Tore schieße, bekomme ich eine schicke Uhr!" Aber klar, es war eine witzige Wette, die uns jetzt seit dem Trainingslager in Schladming begleitet hat. Es wurde in der Kabine gewissermaßen zum Ritual, darüber zu scherzen. Allen voran hat Sala natürlich immer Witze gemacht, wenn ich wieder getroffen habe. Und natürlich freut es mich, dass Salomon seine Wettschulden beglichen hat. Ich habe mir überlegt, Defibrillatoren im Wert der Uhr an meinen Geburtsort Snina zu spenden, um die medizinische Versorgung dort zu verbessern und den Leuten in meiner Heimat etwas zurückzugeben.

(af/dpa)

Profis, 24.01.2019
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