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"Wir waren hartnäckig, haben genervt und uns durchgesetzt"

Im Interview spricht Vedad Ibišević über die Aufgabe gegen den 1. FSV Mainz 05, die UEFA Youth League und das Gefährt von Physiotherapeut Frederick Syna. Außerdem verrät der Kapitän bosnische Musiktipps.

Berlin - Am Schenckendorffplatz ist es in letzter Zeit alles andere als ein seltener Anblick: Hupend und gutgelaunt fahren Vedad Ibišević und Co. nach Trainingseinheiten in einem Golfcart vom Platz bis vor die Kabine. Die Stimmung im Team der 'Alten Dame' ist bestens – dem tut es aus Sicht von Kapitän Ibišević auch keinen Abbruch, dass er seit Anfang Februar nicht mehr von Beginn an spielen durfte. Im Interview mit herthabsc.de spricht der 'Vedator' über die anstehende Aufgabe gegen den 1. FSV Mainz 05, das Abenteuer der U19 in der UEFA Youth League und den gewonnenen Kampf um das 'Freddy-Mobil'. Noch dazu fordert Herthas Nummer 19 dazu auf, mehr bosnischen Hip-Hop zu hören.

herthabsc.de: Würdest du dich als ausgeglichenen Menschen bezeichnen, Vedad?
Ibišević: Das würde ich schon sagen, ja.

herthabsc.de: Am vergangenen Samstag warst du gegen den FC Bayern München gelbgesperrt und konntest das Spiel nur vom Sofa aus verfolgen. Bleibst du auch in solchen Situationen relaxt oder macht dich das nervös, wenn du nicht ins Spielgeschehen eingreifen kannst?
Ibišević: Da bin ich sehr emotional. Zum Glück gab es am Samstag aber keinen wirklichen Grund zur Aufregung. Das war ein gutes Spiel. Klar, die Niederlage war unglücklich und ein bisschen habe ich mich schon darüber geärgert - aber ansonsten war alles gut.

herthabsc.de: Gegen den 1. FSV Mainz 05 wirst du am kommenden Wochenende (02.03.19, 15:30 Uhr) nun wieder im Kader stehen. Ihr steht vor einem richtungsweisenden Spiel, die Mainzer stehen in der Tabelle genau hinter euch.
Ibišević: Gegen Mainz war es die letzten Jahre nie einfach, das wird auch am Samstag so sein. Zuletzt haben die Mainzer gegen Schalke gewonnen, von daher werden sie mit viel Selbstvertrauen nach Berlin kommen. Ich erwarte ein schwieriges Spiel, das wird sicherlich ein hartes Stück Arbeit. Wir brauchen jetzt aber einen Sieg!

Gesagt...

"Von mir aus sollen die Jungs das Ding gewinnen! Aber: Sie dürfen nicht abheben."

Vedad Ibišević über das Weiterkommen der U19 in der UEFA Youth League.

herthabsc.de: Zu Beginn der Rückrunde hast du zusammen mit Davie Selke eine Doppelspitze gebildet, zuletzt ist Salomon Kalou neben Davie aufgelaufen. Wie gut funktioniert das System mit zwei Stürmern aus deiner Sicht schon?
Ibišević: Wir kommen immer besser damit klar, mit einer Doppelspitze zu spielen. Das hat zuletzt immer besser funktioniert: Nicht nur zwischen Davie und mir, sondern auch zwischen Davie und Sala. Das ist wichtig für uns, weil es uns noch variabler und flexibler macht – so haben wir mehrere Möglichkeiten, um im Laufe eines Spiels etwas umzustellen und zu verändern. Was das angeht, haben wir in den vergangenen Wochen auf jeden Fall einen Schritt nach vorne gemacht.

herthabsc.de: Vor etwas mehr als einer Woche hat auch Herthas U19 einen großen Schritt nach vorne gemacht: In der UEFA Youth League haben die Jungs von Trainer Michael Hartmann den Nachwuchs von Paris Saint-Germain ausgeschaltet. Du warst – wie viele weitere Profis auch – live im Amateurstadion vor Ort.
Ibišević: Das war wirklich eine tolle Sache. Am Anfang meiner Karriere habe ich ja auch für kurze Zeit bei PSG gespielt. Es ist schon geil zu sehen, wie sich der Verein seitdem entwickelt hat. Dass es unserer U19 gelungen ist, dagegen zu halten und nach dem Rückstand noch zu gewinnen, war natürlich ein super Mentalitätssieg – das hat mir gut gefallen!

herthabsc.de: Für das Achtelfinale reisen die A-Junioren Mitte März nach Barcelona. Welche Bedeutung haben solche Spiele für die Entwicklung junger Kicker?
Ibišević: Vor allem wünsche ich den Jungs, dass sie diese Erfahrungen genießen. Von mir aus sollen sie das Ding gewinnen! Aber: Sie dürfen nicht abheben. Einige von den Jungs trainieren ja auch ab und zu bei uns mit. Ich hätte also ein Problem damit, wenn sie überdrehen. Sie spielen eben noch nicht gegen den 'richtigen' FC Barcelona. (lacht)

Spaß am Arbeitsplatz: Duda, Rekik, Kalou und Ibišević (v.l.n.r.) kapern das 'Freddy-Mobil'.

herthabsc.de: Auch wenn du seit Anfang Februar nicht mehr zum Einsatz gekommen bist, hält dich das nicht davon ab, bei jedem Training mit viel Spaß bei der Sache zu sein. In letzter Zeit musstest du sogar immer seltener vom Trainingsplatz bis in die Kabine laufen. Stattdessen hast du gemeinsam mit einigen Kollegen immer wieder das 'Freddy-Mobil' gekapert.
Ibišević: Am Anfang hat unser Physio Freddy (Frederick Syna, Anm. d. Verf.) ein bisschen Stress gemacht. Wir waren aber hartnäckig, haben ihn weiter genervt und uns am Ende durchgesetzt. Dadurch, dass er sich jetzt aber nicht mehr drüber aufregt, dass wir sein Cart benutzen, macht’s weniger Spaß. Er muss sich wieder drüber aufregen. (lacht)

herthabsc.de: Um vor Spielen auf Hochtouren zu kommen, hörst du – wie viele andere Spieler auch – gerne Musik. Welche Lieder dürfen an Spieltagen auf gar keinen Fall fehlen, um dich richtig zu pushen?
Ibišević: Ganz unterschiedliche Sachen: Manchmal bosnische Volksmusik. (lächelt) Meistens aber bosnischer Hip-Hop. Frenkie ist zum Beispiel einer meiner Lieblingsrapper aus Bosnien. Ich kenne ihn auch persönlich. Der hat ein paar coole Lieder, die mich vor Spielen immer motivieren und die ich gerne höre. Ansonsten höre ich auch 'normalen' Hip-Hop, wie die anderen Jungs bei uns im Team. Aber das wird schnell langweilig. Bosnischen Hip-Hop muss man hören! (lacht)

(af/City-Press)

Profis, 28.02.2019
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