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"Für mich war 2018 rundum positiv"

Nils Körber ist aktuell der stärkste Torwart in der 3. Liga. Im Interview spricht er über seine Leihe an den VfL Osnabrück, Kontakt zu Hertha BSC und ein bewegendes Jahr. 

Berlin – Nicht einmal elf Monate ist es her, da verletzte sich Nils Körber und verlor daraufhin seinen Stammplatz bei Drittligist Preußen Münster. Nach knapp einmonatiger Zwangspause kehrte der junge Torwart zwar in den Kader zurück, ein Einsatz blieb ihm jedoch bis Saisonende verwehrt. "Natürlich war ich zu Jahresbeginn gefrustet, als ich verletzt war und meinen Platz im Tor verloren habe. Aber den Kopf habe ich nie in den Sand gesteckt, habe weiter trainiert und meine Sonderschichten gemacht", blickt der 22-Jährige mit gemischten Gefühlen auf die erste Jahreshälfte zurück. Im Sommer entschied sich der gebürtige Berliner dann für einen Wechsel zum VfL Osnabrück.

Beim Traditionsverein aus Niedersachsen, der nach einer starken Hinrunde etwas unerwartet als Tabellenführer in die Winterpause geht, startete Körber auf Anhieb durch und ist nicht nur der notenbeste Akteur, sondern auch der Torhüter mit den wenigsten Gegentreffern. "Wir hatten in der ersten Saisonhälfte eine brutale Defensive, die auch ausschlaggebend für den Erfolg war. Da habe ich als Torwart sicher meinen Anteil dran, aber in erster Linie ist es eine Mannschaftsleistung", so der Schlussmann. Im Gespräch mit herthabsc.de redet das Eigengewächs der Herthaner über seine Entwicklung, die Ziele für die Rückrunde und den Kontakt in die Heimat.

herthabsc.de: Nils, wie hast du die Weihachtstage verbracht und welche Pläne hast du noch in der trainingsfreien Zeit?
Körber: Ich habe die Weihnachtstage im Kreise meiner Familie verbracht. Mein Bruder, der aktuell in Amerika das College besucht und dort Fußball spielt, ist zu Besuch. Niklas ist ein Jahr älter und hat in der Jugend und U23 auch bei Hertha gespielt. Wir hatten eine schöne, entspannte Zeit. Jetzt werde ich noch ein paar Tage wegfahren und abschalten, bevor ich mich dann so langsam auf den Trainingsbeginn vorbereite. Wir haben einen Lauf- und Athletikplan – und am 4. steigen wir als Team wieder ein.

herthabsc.de: Der VfL Osnabrück hat in der schlechtesten Drittliga-Saison der Vereinsgeschichte im Vorjahr gegen den Abstieg gespielt. Nur wenige Monate später geht der Club als Tabellenführer in die Winterpause. Wie ist diese Entwicklung zu erklären?

Körber: Zur Vorsaison kann und möchte ich nicht wirklich viel sagen. Der Verein hat im Sommer einen komplett neuen Kader zusammengestellt, nur wenige Spieler sind geblieben. Dennoch haben wir uns als Team schnell gefunden und hatten einen furiosen Saisonstart, als wir das Spiel gegen Würzburg in der 93. Minute gedreht haben. Danach hatten wir einige enge Duelle, die wir zu unseren Gunsten entschieden haben – einige wieder auch in den letzten Minuten. Das macht uns als Mannschaft aus: Wir geben nicht auf und kämpfen bis zum Schluss. Dass wir so lange an der Spitze stehen würden, hätte vor der Saison niemand erwartet, aber beflügelt uns ungemein. Die Leichtigkeit und die Spielfreude sind da.

Gesagt...

"Die Akzeptanz für jüngere Schlussmänner ist in Osnabrück groß. Das hat auch Marius Gersbeck gespürt."

Nils Körber

herthabsc.de: Auch für dich persönlich läuft es richtig gut. Du bist 735 Minuten am Stück ohne Gegentor geblieben, hast in der Liga deinen Kasten neun Mal sauber gehalten - so oft wie kein anderer Torwart. 15 Gegentore sind die wenigsten der Liga. Was macht dich in dieser Saison so stark? 

Körber: Ich habe in Osnabrück von Anfang an viel Vertrauen gespürt, vom Coach und Torwarttrainer Rolf 'Rollo' Meyer. Aber das ist nicht der alles entscheidende Fakt. Wir hatten in der ersten Saisonhälfte eine brutale Defensive, die auch ausschlaggebend für den Erfolg war. Da habe ich als Torwart sicher meinen Anteil dran, aber in erster Linie ist es eine Mannschaftsleistung. Wir haben nur ein Spiel verloren, weil wir auch in den Partien, in denen wir vielleicht nicht unsere allerbeste Leistung gezeigt haben, hinten sicher standen. Der Mix aus einer kompakten Defensive und einer Offensive, in der wir mit Einzelaktionen Begegnungen immer entschieden haben, hat gestimmt.

herthabsc.de: Die Mannschaft, die als Ligaprimus in die Winterpause ging, ist in den vergangenen Jahren immer in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Welche Faktoren stimmen dich optimistisch, dass dem VfL dieser Coup 2018/19 auch gelingen könnte?
Körber: Es gibt sicher Vereine, die größere Mittel haben als der VfL. Aber es sind genau die Punkte, die ich schon angesprochen habe: Jeder kämpft für jeden, wir glauben an uns. Der Teamgedanke stimmt und dem Trainer Daniel Thioune gelingt es, alle Spieler mitzunehmen. Auch die Jungs, die mal auf der Bank gesessen haben, haben nicht gemurrt, sondern sind reingekommen und haben Spiele entschieden. Das hat uns in der Hinrunde stark gemacht und darf 2019 gerne so weitergehen! Wir wissen aber auch, wie eng die Liga ist und dass häufig das erste Tor spielentscheidend ist. Wichtig wird sein, dass wir von größeren Verletzungen verschont bleiben.

herthabsc.de: Auch Marius Gersbeck hatte – abgesehen von seiner schweren Verletzung - eine gute und lehrreiche Zeit in Osnabrück. Wieso klappt es bei den Lila-Weißen so gut für junge Torhüter?
Körber: 'Rollo' Meyer verfügt über eine große Erfahrung und hat in den Vorjahren viele junge Torwarte besser gemacht. Er stand als Profi selbst im Tor und weiß, wie er uns anpacken muss, wie er uns helfen kann. Das hat auch Marius gespürt. Und auch schon vor ihm hatte der VfL über Jahre junge, aber vor allem gute Torhüter im Kader. Die Akzeptanz für jüngere Schlussmänner ist in Osnabrück groß.
 
herthabsc.de: Du hast in der Saison 2017/18 das Tor von Preußen Münster gehütet, dem großen Rivalen der Osnabrücker. Hattest du keine Sorgen, dass diese Konstellation problematisch werden könnte?

Körber: Ich wurde hier von Anfang an gut aufgenommen, trotz der Saison beim Erzrivalen. Die Fans haben mich unterstützt und mir vertraut. Das fand ich sehr schön. Ohnehin ist die Stimmung bei ihnen in dieser Saison durchweg positiv. Die Fans geben immer Gas und peitschen uns nach vorne – unabhängig vom Ergebnis – und sind schon etwas Besonderes in der Liga. Es ist auch Verdienst der Fans, dass wir die engen Partien gewonnen haben.

herthabsc.de:
Für dich war 2018 aber nicht immer von Erfolg geprägt. Bei Preußen Münster hast du deinen Stammplatz verloren, in Osnabrück bist du der große Rückhalt. Du hast auch wieder für die deutsche U21 gespielt. Unterm Strich: Welches Fazit würdest du für dein Jahr ziehen?

Körber: Für mich war 2018 rundum positiv. Natürlich war ich zu Jahresbeginn gefrustet, als ich verletzt war und meinen Platz im Tor verloren habe. Aber den Kopf habe ich nie in den Sand gesteckt, habe weiter trainiert und meine Sonderschichten gemacht. Die Zeit war aber auch lehrreich für mich, weil ich bisher noch nie auf der Bank saß. Dass es nach meinem Wechsel zum VfL so erfolgreich – für mich und die Mannschaft – läuft, ist sehr schön. Die Nominierung für die U21 war für mich eine Auszeichnung. Es ist auf jeden Fall auch besser, nach einem negativen mit einem positiven halben Jahr aufzuhören (schmunzelt).    

Torwart Nils Körber und Maximilian Mittelstädt (untere Reihe, m.) im Trikot der deutschen U21.

herthabsc.de: Du bist in Berlin geboren und aufgewachsen. Jetzt lebst du seit anderthalb Jahren fernab der Heimat. Was vermisst du am meisten an der Hauptstadt?

Körber: Ich bin ein absolutes Großstadtkind und im Herzen von Berlin groß geworden. Ich liebe diese Stadt, ihre Vielfältigkeit und einfach das Leben hier. Münster und jetzt Osnabrück sind natürlich etwas anderes, weil die Städte viel kleiner sind. Ich fühle mich wohl, aber wenn es die Zeit zulässt, fahre ich immer gerne nach Berlin, um meine Freunde und meine Familie zu sehen.

herthabsc.de:
Hertha BSC steht nach der Hinrunde auf Platz 8. Wie ordnest du den bisherigen Saisonverlauf deiner alten Kollegen ein und wie gelingt es dir, den Kontakt zu halten?

Körber: Ich verfolge Hertha BSC natürlich noch sehr intensiv. Wenn es der Spielplan zulässt, dann schaue ich jedes Spiel. Leider war ich in der Hinrunde nicht im Olympiastadion, weil ich mit dem VfL an diesen Wochenende immer auswärts gespielt habe. Das war ein bisschen schade. Immerhin war ich in Dortmund im Stadion und habe das 2:2 gesehen. Viele Jungs, mit denen ich hier vor anderthalb Jahren noch zusammengespielt habe, sind inzwischen auch weg. Aber mit Maximilian Mittelstädt, Jordan Torunarigha und Arne Maier habe ich noch viel Kontakt. Wenn alle gesund sind, sehen wir uns auch bei der U21. Natürlich hoffe ich, dass der Verein in dieser Saison eine bessere Rückrunde spielt und bis zum Saisonende in der oberen Tabellenregion bleibt.

(fw/City-Press)

Profis, 27.12.2018
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