Bild: citypress

"Als Gruppe gemeinsam wachsen"

In einer Medienrunde am Dienstag (28.07.20) spricht Bruno Labbadia über das Programm der Vorbereitung, die Kaderstruktur und die Personalplanungen.

Berlin – Seit über drei Monaten ist Bruno Labbadia inzwischen Trainer von Hertha BSC. Dennoch gab es am Dienstag (28.07.20) nach dem offiziellen Trainingsauftakt eine kleine Premiere. Der Coach führte das erste Mal ein Pressegespräch im Medienraum mit den Berliner Journalistinnen und Journalisten – vis-a-vis. Natürlich hielten alle Anwesenden den vorgeschriebenen Abstand und trugen die übliche Mund-Nasen-Bedeckung. "Schön, dass wir uns endlich einmal Auge in Auge gegenübersitzen können", begrüßte der bestens gelaunte Berliner Coach zum Auftakt des knapp 40-minütigen Austausches die Runde und ergänzte mit einem Schmunzeln: "Wir hoffen, dass wir Ihnen in dieser außergewöhnlichen Zeit nur positive Schlagzeilen liefern werden!" Die wichtigsten Themen rund um die Vorbereitung, die Kaderstruktur und Ziele für die kommende Spielzeit hat herthabsc.de zusammengefasst.

… die Trainingssteuerung: Über die kürzere Pause können und wollen wir uns, gerade mit Blick auf andere Ligen, die noch spielen und eigentlich nur eine minimale Ruhephase zwischen den Saisons haben, nicht beschweren. Als Trainerteam haben wir einen klaren Plan ausgearbeitet, den wir den Jungs auch schon mitgeteilt und aufgezeigt haben, da wir sie wieder von Anfang an abholen und mitnehmen möchten. Wir haben nun zwei bis drei sehr intensive Wochen vor uns. Danach gibt es wohl einen kurzen Cut und die Jungs bekommen Hausaufgaben. Im Anschluss geht es dann an die Schnelligkeit, an die Details und natürlich ums Fußballspielen.

… die Herausforderung der Länderspielpause vor dem Saisonstart: Es ist eine außergewöhnliche Situation, wenn die Nationalspieler in den letzten zehn bis zwölf Tagen der Vorbereitung fehlen. Beispielsweise hätten wir uns für gewöhnlich die stärksten Testspielgegner ans Ende der Vorbereitung gelegt – das ist diesmal schwierig, wir müssen und mussten dementsprechend umplanen.

Gesagt...

"Wir wollen aktive Profis, die Verantwortung übernehmen und Entscheidungen mittragen und mitprägen!"

Bruno Labbadia

… ein Trainingslager und die neuen Schlafmöglichkeiten im Kabinentrakt: Wir haben uns entschieden, das Trainingslager in Form von besonders intensivem Arbeiten komplett hier auf das Gelände zu verschieben. Der logistische Aufwand ist wegen Corona extrem hoch, wir haben zudem auch hervorragende Arbeitsbedingungen und Schlafmöglichkeiten vor Ort geschaffen, sodass die Spieler hier einen langen Tag verbringen, zusammen essen und auch vor Ort ruhen können. So müssen die Jungs nicht 14 Tage im Hotel sitzen, sondern können abends nach getaner Arbeit nach Hause fahren, das ist für sie auch angenehmer. 

… Struktur und Achsenbildung in der Mannschaft: Wir haben eine Achse verloren, die in den vergangenen Jahren ihren Teil zur Stabilität von Hertha BSC beigetragen hat. Nun sind wir gefordert, eine neue Struktur aufzubauen, die in den nächsten Jahren ein Grundgerüst bildet. Das ist nicht einfach und bedarf Zeit, da wir die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Es liegt ein anspruchsvoller, langfristiger Entwicklungsprozess vor uns, bei dem wir nicht die Gegenwart aus den Augen verlieren dürfen.

Kapitän und Mannschaftsrat: Den Mannschaftsrat lasse ich immer wählen, da er eine ganz wichtige Funktion hat. Ich will aktive Spieler, die Entscheidungen mittragen und mitprägen. Ob ich den Kapitän wählen lasse oder selbst aus dem Mannschaftsrat bestimme, entscheide ich noch. Es ist aber gut möglich, dass wir noch ein wenig mit den Entscheidungen warten, da schließlich noch Neuzugänge kommen können. Klar ist: wir wollen Profis, die Verantwortung übernehmen – für sich selbst und für die Mannschaft. So können wir als Gruppe gemeinsam wachsen.

"Er hat Bock auf Hertha BSC": Labbadia im Austausch mit Neuzugang Lucas Tousart.

… den Kader und mögliche Transfers: Ich glaube, inzwischen wurden um die 40 Spieler mit uns in Verbindung gebracht – das ist schon amüsant (schmunzelt). Was die Situation im Tor angeht: wir wollen nach dem Abgang von Thomas Kraft einen Keeper verpflichten, der den Konkurrenzkampf schürt und auch stark genug ist, die Eins zu sein. Wir suchen jemanden, der gut in unser Team passt und auch fußballerisch stark ist, weil das für unsere Spielidee wichtig ist. Aber wir wollen auf jeder Position besser werden, und dafür müssen wir personelle Konkurrenz schaffen. Allgemein gilt auch in dieser schwierigen Zeit: Qualität kostet Geld, und mir ist es lieber, wir verpflichten weniger Spieler, die uns dafür wirklich voranbringen und zu den vorhandenen Profis passen – zumal dieser Weg auch die Tür für junge Spieler offenlässt, die mittrainieren und sich Einsatzzeit verdienen können. 

Neuzugang Lucas Tousart: Lucas hat knapp vier Monate nicht mehr auf dem Platz gestanden – das ist schon krass, eigentlich nur vergleichbar mit einer schweren Verletzung. Man merkt ihm die Freude an, wieder auf dem Feld stehen zu können. Gut ist, dass er bereits unser volles Pensum mitabsolvieren konnte, er hat vorher bereits ein Programm an die Hand bekommen, das er offensichtlich sehr gut umgesetzt hat. Einige Male haben unsere Athletiktrainer auch per Videoschalte mit ihm gearbeitet, so hat er sich die körperlichen Grundlagen geschaffen, um direkt voll mitzumachen. Das ist wichtig, und wir sind sehr froh, dass er jetzt hier ist, da wir an ihn und seine Fähigkeiten glauben. Er passt als Typ in die Mannschaft und hat Bock auf Hertha BSC, das spürt man! Lucas kann strategisch Fußball spielen, hat ein gutes Raumgefühl. Außerdem gewinnt er viele Bälle und orientiert sich anschließend unheimlich schnell nach vorne. Er spielt gute vertikale Bälle und erzielt auch eigene Treffer, gerade bei Standards hat er ein Näschen für gefährliche Situationen. Nun muss er in die Mannschaft rein- und ankommen, aber wir geben ihm diese Zeit und werden ihn dabei unterstützen.

Ziele für 2020/21: Wir wollen besser abschneiden als in der vergangenen Saison und unsere gute gemeinsame Entwicklung fortführen. Dafür brauchen wir einen kurz- wie auch einen mittelfristigen Plan und müssen unsere vorhandenen Mittel intelligent und mit Bedacht einsetzen. Es wird kein einfacher Weg, aber ich hoffe, dass die Mannschaft weiter so gut mitzieht wie sie das bisher getan hat und wir weiterhin so gut zusammenarbeiten. Jetzt wollen wir eine gute Vorbereitung abliefern und möglichst schnell die Spieler dazu holen, die unser Team komplettieren.

(kk/City-Press)

Profis, 28.07.2020
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